Dienstag, 20. April 2021

Die Jugend und Corona: „Die Hoffnung auf ein Leben ohne das Virus“

Monate lang saßen auch Südtirols Jugendliche zu Hause. Gemeinsam mit Freunden abhängen, Fehlanzeige! Sich beim Sport oder auch live in der Schule messen, Fehlanzeige! Wie die Jugendlichen die strengen Einschränkungen und die Distanz zu Freunden im Lockdown erlebt haben, lesen Sie hier.

Der Fernunterricht brachte zahlreiche Schüler in Südtirol an ihre Grenzen.
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Der Fernunterricht brachte zahlreiche Schüler in Südtirol an ihre Grenzen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
In einer gemeinsamen Aktion des Tagblatts „Dolomiten“ und STOL wurden die Jugendlichen nämlich aufgerufen, zu berichten, wie es ihnen im Lockdown und im Fernunterricht ergangen ist.

Andreas (17) aus Deutschnofen

„Am 7. April wurde ich 17 Jahre alt. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich mein 17. Lebensjahr, das Jahr 2020, nicht wirklich erlebt. Und ich habe immer geglaubt, 16 ist das beste Alter: Man wird nicht mehr wie ein Kind behandelt und gleichzeitig trägt man auch keine große Verantwortung. Einfach total frei! Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass mir dieses Recht auf Freiheit genommen wurde: Auf keine Partys zu gehen, keine neuen Menschen kennenzulernen, keine Erfahrungen zu sammeln. Die Jugendjahre wären der Zeitabschnitt des Lebens, in dem man sich selbst neu entdeckt. Stattdessen sitze ich hier in meinen 4 Wänden vor dem Laptop und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Traurig! Wir Jugendlichen werden nicht gehört. Nicht, weil wir zu leise sind. Nein, wir sind in den Augen der Politik wohl nichts weiter als ein Kollateralschaden – in die Hosentasche gepackt und irgendwann herausgeholt – nur mit dem Unterschied, dass es dann zu spät ist. Das Einzige, was mich noch am Leben hält, ist die Hoffnung. Hoffnung auf ein Leben ohne Corona. Ich möchte wieder in den Augen meiner Freunde ein Funkeln sehen und nachts, etwas angetrunken, mit Freunden durch die Straßen schlendern. All das, ohne schlechtes Gewissen haben zu müssen.“

Lisa (17) aus St. Nikolaus/Ulten

„Für mich ist dieser Fernunterricht alles andere als leicht, denn ich kann es bis heute nicht nachvollziehen, wie sehr unsere Jugend unterschätzt und vergessen wird. Es gibt in dieser Zeit nichts, auf das ich mich freuen kann und was mich wirklich glücklich macht. Es ist grauenhaft, den ganzen Tag auf einen Laptop zu hören, der Stimmen von sich gibt. Keine echten Gesichter, keine Freude mehr, an dem was man für die Schule tut, wie denn auch? Wie sehr ich es vermisse, meine Freunde täglich zu sehen und mit ihnen zu lachen. Alles, was es momentan gibt, fühlt sich an wie Leere ohne eine einzige Spur von Lebensfreude. Ich möchte doch nur frei sein und meine Jugendzeit mit voller Freude ausleben, doch das ist momentan kaum möglich. Manchmal fiel es mir sogar schwer aus dem Bett zu kommen, weil die Motivation fehlte. 10-mal lieber würde ich aufstehen, wenn ich wüsste, dass ich meine Freunde sehe und mit ihnen eine unvergessliche Schulzeit haben kann. Ich hoffe so sehr, dass diese Zeit endlich ein Ende hat, denn genau in meinem Alter möchte man die beste Zeit haben. Wie sehr es mir auch fehlt, in eine Disco zu gehen. Diese ganzen Sorgen, die man hat, kann man allein im Fernunterricht nicht vergessen. Ich hoffe auf eine baldige Wende dieser dunkeln Seite, denn es kann nicht sein, dass uns alles genommen wird, was wir am liebsten machen. Ich möchte mein normales Leben zurück, denn alles, was wir haben, ist jetzt, und wir wollen leben und nicht noch monatelang auf eine bessere Zukunft warten und hoffen. In meinen Augen stehen die sozialen Kontakte an der Spitze und wir haben ein Recht darauf. Es ist unsere Jugend und die sollte uns nicht wegen einer Pandemie genommen werden.“

Johannes (19) aus dem Pustertal

„Der Anfang der Pandemie war für alle etwas Neues und man hatte Angst. Man akzeptierte die Regeln und blieb zu Hause. Für uns Jugendliche, wie auch für viele andere, hatte sich der Alltag schlagartig geändert. Freunde treffen, in die Schule gehen, samstags feiern, etwas trinken gehen und neue Bekanntschaften machen, war nicht mehr möglich. Ein Jahr später, nach 3 Lockdowns, sind wir immer noch auf dem gleichen Stand. Jeder Tag ist gleich, jeden Tag hoffen wir, dass es besser wird und dass wir bald wieder unseren Alltag zurück bekommen. Doch ändern tut sich nichts. Natürlich gibt es momentan die Möglichkeit, sich in sozialen Netzwerken kennen zu lernen, aber das ist nicht das gleiche wie in der Realität. Wir stehen mitten in unseren besten Jahren, in unserer besten Zeit, wo wir uns selbst, die Umgebung, unsere Leben kennen lernen können und plötzlich wird alles gestrichen. Diese Zeit, die uns hier genommen wird, können wir nie mehr nachholen. Genau all jene, die diese Jugendzeit genießen konnten, sollten jetzt dafür sorgen, dass wir schnellstmöglich wieder zurück in den Alltag starten können, damit wir nicht noch mehr psychisch unter dem Ganzen leiden. Helft uns unsere Jugendzeit wieder ein bisschen genießen zu können. Wir haben es langsam satt, ständig gleich behandelt zu werden wie Hochrisikopatienten. Gebt uns zumindest ein kleines Stück Freiheit zurück, dafür wären wir euch sehr dankbar.“

Matthias (18) aus dem Pustertal

„Am Anfang starteten wir mit Freude in den Fernunterricht, diese Freude verging uns aber recht schnell. Es fing damit an, dass wir ganz gemütlich ein paar Hausaufgaben machten und dafür gute Noten bekamen. Das heißt das letzte Jahr kamen bei uns alle einfach durch das Schuljahr ohne große Probleme. Doch dieses Jahr startete es sofort mit einem nicht ansatzweise durchdachten Unterricht. Vormittags starteten wir in die Online-Stunden, bei denen wenig oder auch gar kein Verständnis für technische Probleme seitens der Schüler gezeigt wurde, doch Lehrer kamen teils gar nicht zu den Stunden aufgrund solcher Probleme. Durch den enormen Druck, den wir durch stundenlange Hausaufgaben hatten, ist uns die Lust an der Schule vergangen. Wir saßen tagelang in unseren dunklen Zimmern, da wir es uns öfters nicht leisten konnten länger als 2 Stunden am Tag zu entspannen oder rauszugehen. Dazu kommt noch, dass durch den jetzt beginnenden Fernunterricht die Angst und der Druck immer größer wird, da wir nur zur Schule gehen, um Noten zu erhalten. Am Montag wird direkt angefangen zu prüfen und weiters wurden mehrere Tests in den ersten 2 Wochen angekündigt. Verständnis der Lehrer sieht man keines, mit den Hausaufgaben wird genauso weiter gemacht wie bisher, doch hinzukommt, dass wir stundenlang noch für unsere Noten lernen/kämpfen müssen. Mich persönlich würde es nicht wundern, wenn die meisten Schüler keine Motivation mehr für Schule haben oder sogar depressiv werden durch den großen Druck der auf Ihnen lastet.“

Zwei 16-jährige Mädchen aus Rasen-Antholz


„Unserer Meinung nach wurden wir Jugendlichen total vergessen, man könnte glauben wir seien dem Land bzw. den Politikern überhaupt nicht wichtig, wir sind ihnen egal und auf uns wird nicht geachtet. Der Fernunterricht ist für uns eine totale Belastung, wir können im Fernunterricht nur schwer lernen, da wir andauernd abgelenkt werden. Es fehlt zu Hause an Konzentration und Struktur. Es ist für viele Jugendliche schwer dem Onlineunterricht zu folgen. Wir haben das Gefühl jeden Tag dasselbe zu erleben, jeden Tag aufs Neue stehen wir am Morgen auf, setzen uns vor den Computer, versuchen so gut es uns gelingt schnell unseren Vormittag, der voll mit Videokonferenzen ist, vorüber zu bringen. Am Nachmittag geht es dann weiter mit Hausaufgaben. Für andere Aktivitäten bleibt kaum Zeit. Uns wird alles genommen, schon seit über einem Jahr können wir keine Freunde mehr treffen. Die schönste Zeit unseres Lebens, unsere Jugend wird uns genommen. Wir werden eingesperrt. Die Schule wird für einige Wochen geöffnet, aber jeden Freitag müssen wir alles mit nach Hause nehmen, wegen der Angst dass wir nächste Woche wieder im Fernunterricht landen. Schon seit Beginn der Pandemie machen die Politiker leere Versprechungen, aber wo sind wir nach einem Jahr? Innerhalb kürzester Zeit wurden uns Grundrechte wie Bildung und Freiheit genommen. Der Präsenzunterricht muss unabhängig von den Nasenflügeltests gewährleistet werden. Wir haben ein Recht auf Bildung und ein Recht auf unsere Jugend, aber auf uns wird ja nicht geachtet, nur die Schuld, die bekommen immer wir Jugendlichen!“

dol

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