Dienstag, 06. April 2021

Die Jugend und Corona: „Diese Zeit ist nicht mehr nachzuholen“

Seit Monaten sitzen Südtirols Jugendliche zu Hause. Gemeinsam mit Freunden abhängen, Fehlanzeige! Sich beim Sport oder auch live in der Schule messen, Fehlanzeige! Zumindest letzteres ist ab Mittwoch wieder möglich. Und dass die sozialen Netzwerke eben kein Ersatz für den Besuch in der Disco sind, belegen die Zuschriften von Jugendlichen, die die „Dolomiten“ erreicht haben.

Einsame Zeiten zu Hause erleben derzeit viele Jugendliche.
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Einsame Zeiten zu Hause erleben derzeit viele Jugendliche. - Foto: © shutterstock
In einer gemeinsamen Aktion wurden die Jugendlichen aufgerufen zu berichten, wie es ihnen im Lockdown und im Fernunterricht ergangen ist und noch immer ergeht.

Lea (16) aus Kaltern:

„Für mich persönlich ist der Lockdown und auch der Fernunterricht sehr schwierig. Meiner Meinung nach ist es sehr schwierig, im Unterricht mitzukommen, und auch der Kontakt zwischen Lehrpersonen und Schüler wurde sehr eingeschränkt. Ich wurde während der Corona-Zeit 16 Jahre alt und hatte nie die Chance, in eine Diskothek zu gehen, dort zu feiern und neue Leute kennenzulernen. Es macht mich traurig, dass ich meine Freunde nicht sehen und mit ihnen lachen kann. Der einzige Kontakt, der momentan besteht, ist online und in den sozialen Netzwerken, doch meiner Meinung nach ist dies nie dasselbe. Ich fühle mich in den vielen Lockdowns immer einsamer, und das ständige Zusammenleben mit meiner Familie provoziert öfters Streit. Auch wenn dies meine Meinung ist, weiß ich, dass es meinen Freunden und auch anderen Jugendlichen ähnlich geht. Ich hoffe sehr, dass wir bald wieder in einen normaleren Alltag zurückkehren können.“

Tim (16) aus Meran:

„Für meine Schule kann ich sagen, dass der Fernunterricht recht gut funktioniert. Letztes Jahr, als der erste Lockdown verkündet wurde, wurden binnen kürzester Zeit Microsoft Teams Accounts zur Verfügung gestellt. Heißt, dass schon nach kurzer Zeit der Fernunterricht anlaufen konnte. Anfänglich gab es natürlich die ein oder anderen Schwierigkeiten, die sich im Laufe der Zeit gelöst haben. Oft wird insinuiert, dass Schüler im Fernunterricht nichts machen würden. Dazu sei gesagt: Das ist zum großen Teil nicht der Fall. Der Großteil der Schüler beteiligt sich am Unterricht und nimmt das Bildungsangebot, wenn auch digital, wahr. Andere nicht. Aber wenn man mit voller Absicht das Angebot nicht wahrnehmen will, dann ist daran nicht das Virus schuld. Der Lockdown selbst hat mir nicht geschadet. Die sozialen Netzwerke machen Kommunikation trotzdem möglich. Persönlicher Kontakt ist selbstverständlich angenehmer, aber die Situation erlaubt es nicht. Erwähnenswert ist, dass mir gegenüber einige Mitschüler mitgeteilt haben, dass sie Angst hätten, die Schule zu besuchen. Von daher mag der Fernunterricht nicht das Gelbe vom Ei sein, aber wohl das geringste Übel.“

Noemi (18) aus Prad am Stilfserjoch
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„Am Anfang dachte man, die Pandemie hat auch ihre guten Seiten, man lernt die kleinen Dinge im Leben wieder zu schätzen. Doch mittlerweile ist eines klar, das Einzige, was uns die Pandemie gibt, ist ein lebloses Vor-sich-hin-leben und all die anderen Probleme. Es gibt nichts, worauf man sich freuen kann, kein Wochenende, keine Veranstaltung, keinen Urlaub, nichts. Man hofft nur, dass jeder Tag, jede Woche, die Monate so schnell wie möglich vorübergehen und dass dieser Horror endlich ein Ende hat, und wir unsere Jugend endlich genießen können, denn die wartet nicht auf uns, diese Zeit können wir nie mehr nachholen.“

Macht mit! Der Jugend das Wort

„Dolomiten“ und STOL möchten der Jugend eine Stimme geben. Schickt uns an die Adresse [email protected] eine E-Mail, versehen mit eurem Namen, Alter und Wohnort, in der ihr kurz (maximal 20 Zeilen) über eure Erfahrungen in Fernunterricht, im Lockdown und auf Distanz zu euren Freunden berichtet. Eure Erzählungen werden mit Name und Wohnort im Tagblatt „Dolomiten“ und auf STOL veröffentlicht.

dol/stol