Freitag, 04. März 2016

Die Katastrophe von Fukushima in Zahlen

Vor fünf Jahren haben ein schweres Erdbeben und eine riesige Flutwelle zum Atomunfall von Fukushima in Japan geführt. Doch es scheint, Japan hat nichts gelernt - und will die Atomkraft noch weiter ausbauen. Dabei sprechen die Zahlen zum Unglück eine ernüchternde Sprache.

Täglich sind 7000 Menschen im Atomwerk beschäftigt.
Täglich sind 7000 Menschen im Atomwerk beschäftigt. - Foto: © APA/AP

Die Katastrophe in Zahlen:

  • 9,0 erreichte das Beben auf der Richterskala. Damit war es das
  • bisher schwerste in Japans Geschichte
  • Bis zu 30 Meter hoch war der Tsunami, der mehr als 260 Küstenstädte verwüstete
  • Fast 19.000 Menschen kamen durch die Flutwelle ums Leben oder werden bis heute vermisst.
  • Mehr als eine Million Häuser wurden zerstört oder beschädigt
  • Mehr als 200 Milliarden US-Dollar betrugen schätzungsweise die originären Schäden
  • Mehr als 100.000 Menschen mussten nach der Reaktorkatastrophe wegen der Strahlenbelastung in der Region ihre Häuser verlassen
  • 30 bis 40 Jahre kann es nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco dauern, bis das Kraftwerk endgültig gesichert ist
  • 7.000 Arbeiter sind täglich in der Atomruine von Fukushima im Einsatz
  • 750.000 Tonnen radioaktiv belastetes Wasser ist in Tanks auf dem Gelände zwischengelagert
  • Nach dem Unglück standen zeitweise alle 48 kommerziellen Reaktoren still

Der Atomstaat Japan

Bis zur Katastrophe von Fukushima vor fünf Jahren hat Japan die Nutzung der Atomkraft nie infrage gestellt. Damals gab es Pläne, den Anteil der Atomenergie auf bis zu 50 Prozent zu steigern. Nach dem Unglück standen zeitweise alle 48 kommerziellen Reaktoren in Japan still.

Inzwischen sind trotz Protesten in der Bevölkerung vier Reaktoren wieder angefahren. Die Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe rechtfertigt dies mit wirtschaftlichen Gründen. Sie strebt einen Anteil der Atomenergie an der Stromversorgung bis zum Jahr 2030 von 20 bis 22 Prozent an. Abes Vorgänger Yoshihiko Noda hatte 2012 noch einen Plan zum Atomausstieg verkündet.
Bis zum Fukushima-Unglück hatten die Kernkraftwerke knapp 30 Prozent des Strombedarfs Japans gedeckt.

Lage der japanischen Kernkraftwerke und Ausbreitung der Tsunamiwellen. - Foto: wikipedia

Als Ersatz für Atomstrom dienen Wärmekraftwerke, wofür die rohstoffarme drittgrößte Volkswirtschaft der Welt teures Öl und Gas importieren muss. Japan ist der weltweit drittgrößte Stromverbraucher nach China und den USA. Der Inselstaat importiert mehr als 90 Prozent des Energiebedarfs.

dpa

stol