Sonntag, 31. Mai 2015

"Die Kirche soll auch den Gescheiterten die Türen öffnen"

Ledige Müttern, außereheliche Kinder, nicht eheliche Partnerschaften: Familie ist heute nicht mehr das, was sie einmal war. Das weiß auch die Kirche, das spüren und wissen die Gläubigen und all jene, die darunter leiden. Daher hat sich die Synode in Weißenstein eingehend mit dem Thema Familie und den Herausforderungen der heutigen Zeit beschäftigt.

Statt sich auf das Scheitern zu konzentrieren, ist betont worden, gelte es, das neue Lebensprojekt der Paare zu berücksichtigen, so der Tenor der Synode.
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Statt sich auf das Scheitern zu konzentrieren, ist betont worden, gelte es, das neue Lebensprojekt der Paare zu berücksichtigen, so der Tenor der Synode. - Foto: © APA/DPA

Nein, es geht nicht nur um die Ausgeschlossenen, Fakt ist: Ein überwiegender Teil der Menschen, die sich in der Kirche zugehörig fühlen, folgen in wesentlichen Fragen die Ehe und Familie betreffend nicht mehr der aktuell geltenden Lehre, sondern dem eigenen Gewissen.

Die Kluft zwischen Lehramt, Kirchenleitung und Lebensrealität der Menschen sei unübersehbar, hieß es bei der 5. Session der Synode in Weißenstein.

Viel Leid durch mangelnde Öffnung

Die mangelnde Öffnung habe viel Leid verursacht, insbesondere den ledigen Müttern, außerehelichen Kindern, nicht ehelichen Partnerschaften, den Homosexuellen und Opfern von sexuellen Missbrauch gegenüber.

Heute gelte es, um Vergebung zu bitten, hat die Versammlung betont. Es sei notwendig, auf die Fragen der Menschen einzugehen und Initiativen zu ergreifen, die den herausragenden Wert erneut sichtbar machen und einen hoffnungsvollen Neuaufbruch ermöglichen.

Positiv ausgedrückt geht es um „eine Kirche, welche die sakramentale, eheliche Lebensgemeinschaft als ein hohes Gut ansieht und fördert, aber zugleich auch anderen Lebensgemeinschaften gegenüber offen bleibt, sie begleitet und stützt und sie in die kirchliche Gemeinschaft einlädt bzw. einbindet, damit alle in gegenseitiger Liebe, in Respekt, Verantwortung und Fürsorge miteinander leben und wachsen", so der Tenor.

Auch Gescheiterten Türen öffnen

Die Synode in Weißenstein am Samstag war ein Tag im Zeichen der Reflexion und Diskussion über die Notwendigkeit, eine Kirche zu gestalten, welche für die aktuellen Herausforderungen und Lebenssituationen der Familien offen ist, welche auch denjenigen ihre Türen öffnet, die gescheitert sind, wie Papst Franziskus mehrmals gefordert hat.

In Bezug auf die Integration von wiederverheirateten Geschiedenen, spiegelt das Dokument der Synodenversammlung die Lage zahlreicher Paare in zweiter Ehe wider, welche die geltende Disziplin der Kirche nicht verstehen, die sie als Wiederverheiratete vom Empfang der Kommunion und der vollen Teilnahme am kirchlichen Leben ausschließt.

Statt sich auf das Scheitern zu konzentrieren, ist betont worden, gelte es, das neue Lebensprojekt der Paare zu berücksichtigen. Damit übernehmen Frauen und Männer Verantwortung und zeigen eine hohe Wertschätzung der Ehe.

„In Rom ist die Diskussion rund um dieses Thema noch von vielen Fragezeichen gekennzeichnet, aber die Bischofssynode hat Verfahren und Wege angedacht, welche die volle Teilnahme am kirchlichen Leben und Sakramenten ermöglicht und zwar für Paare, die nach einer Scheidung eine verbindliche Form ihrer Beziehung mit der zivilrechtlichen Heirat geben wollen“, fasst der Sekretär der Synode, Reinhard Demetz zusammen.

„Im Blick auf die römische Bischofssynode zur Familie und das anstehende Jahr der Barmherzigkeit ersucht unsere Synode den Diözesanbischof gemeinsam mit Bischöfen aus anderen Diözesen eine Lösung anzustreben“.

stol

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