Dienstag, 08. August 2017

Die Kirschessigfliege im Visier

Die Kirschessigfliege erfordert im Südtiroler Weinbau seit Ende Juli besondere Aufmerksamkeit. Seit das Schadinsekt 2011 erstmals in Südtirol festgestellt wurde, hat der Beratungsring für Obst- und Weinbau mit dem Aufbau eines breitangelegten Beobachtungsprogramm begonnen.

Eine neue Webseite des Beratungsrings informiert schnell über die Vorbeugung und neueste Entwicklungen in Bezug auf die Kirschessigfliege.
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Eine neue Webseite des Beratungsrings informiert schnell über die Vorbeugung und neueste Entwicklungen in Bezug auf die Kirschessigfliege. - Foto: © STOL

Es ist heute das weltweit umfassendste Monitoring und erfährt dieser Tage einen neuen Qualitätssprung: „Alle Daten fließen nun in eine Webseite ein, was einen einfacheren und schnelleren Überblick für Bauern und Kellereien ermöglicht“, erklärt Hansjörg Hafner, Verantwortlicher für Weinbau im Beratungsring.

Mitte Juli hat der Südtiroler Beratungsring mit dem Monitoring der Kirschessigfliege im Weinbau begonnen. „Das heiße und trockene Wetter im Juni hat dazu geführt, dass sie sich in diesem Frühsommer nicht so gut entwickeln konnte – sie bevorzugt feuchtes und nicht zu warmes Wetter“, so Hafner.

Nun, nach dem Einsetzen der Traubenreife, kann sie wieder verstärkt auftreten. Die Kirschessigfliege bevorzugt Kirschen, Beerenobst oder Marillen. Im Weinbau können vor allem die Rotweinsorten Vernatsch und Rosenmuskateller betroffen sein.

Systematische und flächendeckende Erfassung

Seitdem die Kirschessigfliege in Südtirol erstmals festgestellt wurde, begann der Beratungsring mit einer systematischen und flächendeckenden Erfassung ihres Aufkommens. „Mittlerweile ist unser Monitoring das weltweit umfassendste im Weinbau“, sagt Hafner.

Das Monitoring ist notwendig, um möglichst gezielte Maßnahmen zu setzen. „Das zeitnahe Erfassen der Daten ist somit die Grundlage einer nachhaltigen Anbauweise, weil wir von Fall zu Fall entscheiden können, was zu tun ist“, so Hafner.

Mehr als 150.000 Beeren werden einzeln untersucht

Das Monitoring ist sehr aufwändig: Solange die Trauben noch unreif sind, wird der Flugverlauf der Kirschessigfliege mit Essigfallen überprüft. Dieser Tage – Anfang August – erreichen manche Sorten einen Reifegrad, welcher die Beeren für die Kirschessigfliege interessant macht. Ab nun werden die einzelnen Beeren überprüft.

Jede einzelne Beere wird im Labor unterm Mikroskop untersucht, um eine mögliche Eiablage der Kirschessigfliege festzustellen. - Foto: Beratungsring

Zu diesem Zweck entnehmen die Bauern nach einem vorgegebenen Protokoll mindestens 100 Beeren aus ihrem Weinberg und bringen sie ins Labor des Beratungsringes nach Eppan. Hier werden je 50 Beeren pro Probe einzeln unterm Mikroskop untersucht – nur so kann festgestellt werden, ob Eier der Kirschessigfliege vorhanden sind.

„Im vergangenen Jahr haben wir auf diese Weise 3.105 Proben aus 1.200 Anlagen untersucht – das sind 155.250 einzelne Beeren“, so Hafner. Insgesamt wurden Proben aus 45 verschiedenen Rebsorten analysiert.

Das größte Risiko liegt bei Vernatsch und Rosenmuskateller

Das größte Risiko liegt bei den bereits bekannten Sorten Vernatsch und Rosenmuskateller. Weiße Rebsorten sind bislang kaum betroffen.

Weitere Risikofaktoren sind neben dem Wetter auch die Belüftung der Lagen, die Nähe zu Wäldern, die Reberziehung mit Pergel und die Genauigkeit in der Pflege, etwa beim Ausdünnen.

Schnelle Information zur Vorbeugung: Neue Webseite

Die Untersuchung alleine genügt allerdings nicht: Die Daten müssen erfasst und den Betroffenen zur Verfügung gestellt werden. Die Bauern erhalten ihre Auswertung via SMS, doch auch die Weinbauberater und die Kellereigenossenschaften müssen informiert werden.

„Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, alle Daten aus unserer Datensammlung auf eine Webseite zu stellen, auf die jedes Mitglied Zugriff hat“, so Hafner. Dabei sieht jeder Bauer genau, wie hoch der Befall seiner abgelieferten Probe ist und in welcher Lage eventueller Handlungsbedarf besteht; weiters erhält er einen Überblick über die Befalls-Situation in der Umgebung. 

„Diese Webseite macht unsere Arbeit einfacher, schneller und sie vermindert auch allfällige Fehlerquellen. Wir können damit besser Schäden vorbeugen und Behandlungen weiter reduzieren“, erklärt Hafner. Das neue Fachportal enthält auch allgemeine Informationen zur Kirschessigfliege, welche für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich ist.

Webseite informiert über neueste Entwicklungen 

Die Webseite enthält weiters Daten aus den vorangegangenen Jahren, informiert über die Kirschessigfliege und neueste Entwicklungen in der Forschung über Bekämpfungsmaßnahmen. Hafner: „Diese Datensammlung und ihre Veröffentlichung ist eine große Gemeinschaftsleistung von unseren 2.800 Weinbaumitgliedern, von den Beratern des Beratungsringes und der Kellereien.

Weltweit gibt es keine einzige Weinbauregion, die ein derart engmaschiges Monitoring zur Kirschessigfliege aufgebaut hat“, so Hafner. Die neue Webseite ist seit Anfang August 2017 online abrufbar.

stol

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