„Sie kommt in Südtirol immer häufiger vor, und die Behandlung geht ins Geld“, sagt Prof. Klaus Eisendle, Primar für Dermatologie am Bozner Spital. Er will Gesundheitslandesrat Dr. Hubert Messner auf die Notwendigkeit ansprechen, dass die öffentliche Hand die Kosten übernehmen sollte.<BR /><BR />Wie berichtet, wurden infolge von 6 Krätzefällen im Bozner Gefängnis Gegenmaßnahmen eingeleitet. Dass es weitere, bisher nicht entdeckte Fälle geben könnte, ist nicht auszuschließen. Im Innenhof der Haftanstalt warten Faltzelte, Duschen und Hygienematerial auf ihren Einsatz. 2 Zelte hat die Sektion Zivilschutz des Weißen Kreuzes bereitgestellt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023078_image" /></div> <BR /><BR /> „Der Aufbau wurde abgeschlossen. Die Maßnahmen starten am Montag mit rund 10 Helfern von uns als Unterstützung, die Hauptorganisation hat das Hygieneamt des Sanitätsbetriebes“, sagt Markus Leimegger, Leiter der Sektion Zivilschutz des Weißen Kreuzes. Die Maßnahmen würden das Ablegen von potenziell kontaminierter Kleidung vorsehen. Dann werden die Insassen duschen und erhalten Medikamente sowie eine Spezialsalbe zum Eincremen. <BR /><BR />In einer Woche – am 6. Mai – wird die Behandlung wiederholt. Bei gewissenhafter Durchführung würde auf diese Weise allen Krätzmilben der Garaus gemacht. „Die uneingeschränkte Mitarbeit aller ist für den Erfolg des Behandlungsplans entscheidend“, betonte Gefängnisdirektor Giovangiuseppe Monti gegenüber der Tageszeitung „Alto Adige“. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die großen organisatorischen Anstrengungen umsonst sein könnten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64517879_quote" /><BR /><BR />Anlass zur Besorgnis gibt indes, dass sich die Krätze in Südtirol immer mehr auch außerhalb von Gefängnismauern ausbreitet. Sie reise meist mit Urlaubern ein, die aus nordafrikanischen Ländern zurückkehren, oder mit Personen, die aus diesen Ländern stammen und nach Südtirol kommen. „In Nordafrika sind mehr als 10 Prozent der Bevölkerung betroffen“, weiß Prof. Klaus Eisendle, Primar der Abteilung Dermatologie am Bozner Spital. Etwa 4 bis 6 Wochen dauere es, bis sich der Juckreiz bemerkbar macht. Oft sei dieser extrem stark, bei anderen Betroffenen sei der Verlauf asymptomatisch. Diese Menschen merken also gar nicht, dass sie befallen sind, können die Krätze aber weitergeben.<BR /><BR /> „Deshalb ist es so wichtig, dass sich auch die Partner bzw. alle Familienmitglieder der Therapie unterziehen“, sagt Prof. Eisendle. Doch das könne – gerade für Einkommensschwache und mehrköpfige Familien – zum finanziellen Problem werden. Laut Prof. Eisendle schlage das Medikament, das bei Krätze eingenommen werden muss, mit 70 Euro zu Buche, die Salbe koste weitere 38 Euro. Es bestehe somit das Risiko, dass Menschen, die es sich nicht leisten können, sich der Therapie nicht unterziehen – was wiederum bedeute, dass die Krätzmilbe weiter ungehindert von Wirt zu Wirt krabbeln könne. So weit dürfe es aber nicht kommen. <h3> Auch in Altersheimen</h3>„Überspitzt gesagt: Sollte sich die Krätze in Südtirol so stark ausbreiten wie in nordafrikanischen Ländern, dann müsste man fast Angst haben, mit dem Zug zu fahren“, sagt Prof. Eisendle. Denn: Je mehr Menschen auf engem Raum, desto leichter habe es die Milbe. Am 4. Tag ohne Wirt trockne sie nämlich aus und verende. Das überalterte Gebäude und der hygienische Zustand im Bozner Gefängnis habe auf die Ausbreitung keinen Einfluss, wohl eher die Platznot bzw. Überbelegung. <BR /><BR /> Auch in Altersheimen habe es schon Krätzefällen gegeben, woraufhin die Heimleitung für alle Bewohner und Mitarbeiter Therapiemaßnahmen eingeleitet habe. Aus Studentenheimen würden hingegen kaum Krätzefälle gemeldet, da große Schlafsäle immer seltener die Norm seien, so Prof. Eisendle. Er spricht sich jedenfalls dafür aus, dass die öffentliche Hand in Südtirol – wie im Trentino und in anderen Regionen – die Kosten für die Krätzetherapie übernehmen sollte. Schon in Kürze möchte er mit Gesundheitslandesrat Dr. Hubert Messner über diese Notwendigkeit sprechen. <BR /><BR />DIE KRANKHEIT<BR /><BR />Krätze (Skabies) ist ein Parasitenbefall der Haut, der durch Milben verursacht wird. Diese verbreiten sich in erster Linie durch Körperkontakt. Menschen mit Krätze leiden an heftigem Juckreiz, sogar, wenn nur wenige der 0,2 bis 0,5 Millimeter großen Milben am Körper nisten. Die Milben bohren sich in die oberste Hautschicht des Wirtes, um sich dort zu ernähren. Die Ausscheidungen der Milben und ihre Eier (ein Weibchen legt etwa 50 in nur wenigen Tagen) führen beim Menschen zu einer Immunreaktion, die den Juckreiz auslöst. Es gibt auch asymptomatische Fälle, die die Krätze aber ebenso verbreiten.