<BR /><b>Was waren im Zivilschutz die wichtigsten Meilensteine in den vergangenen zehn Jahren?</b><BR />Klaus Unterweger: Die Zusammenführung war ein wichtiger Schritt, um den Bevölkerungsschutz ganzheitlicher zu denken – von der Vorsorge über die Einsatzbewältigung bis hin zur Wiederherstellung. Seit 2016 konnten wir die Zusammenarbeit zwischen Technik, Einsatzorganisationen und Verwaltung deutlich vertiefen. Wichtige Meilensteine waren unter anderem der Ausbau der Risiko- und Gefahrenanalysen mit dem neuen Warnlagebericht, dem neuen Wetterradar, den zahlreichen Wetter- und Pegelstationen, aber auch mit IT-Alert, die Weiterentwicklung der Einsatz- und Alarmierungsstrukturen mit der Einführung der Einheitlichen Europäischen Notrufnummer 112 sowie die stärkere Einbindung digitaler Werkzeuge in Planung und Entscheidungsprozesse. <BR /><BR /><embed id="dtext86-73092921_quote" /><BR /><BR /><b>Welche Einsätze oder Ereignisse haben die Arbeit der Agentur besonders geprägt?</b><BR />Unterweger: In den vergangenen Jahren gab es mehrere herausfordernde Ereignisse – von extremen Wetterlagen über großflächige Schadensereignisse wie das Sturmtief Vaia bis hin zur Pandemie und der Entleerung des Störfallbetriebs Solland Silicon. Solche Situationen führen uns vor Augen, wie wichtig Vorbereitung, Koordination und Vertrauen sind. <BR /><BR /><b>Wie hat sich der Bevölkerungsschutz durch neue Technologien und Digitalisierung verändert?</b><BR />Unterweger: Die Digitalisierung hat unsere Arbeit spürbar verändert und verbessert. Moderne Informations- und Kommunikationssysteme ermöglichen schnellere Lagebilder, bessere Koordination, fundiertere Entscheidungen, aber auch eine effizientere Alarmierung und Warnung der Bevölkerung. Gleichzeitig ersetzt Technik niemals den Menschen – sie unterstützt ihn. Deshalb legen wir großen Wert darauf, digitale Werkzeuge mit Ausbildung, Erfahrung und klaren Strukturen zu verbinden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-73092925_quote" /><BR /><BR /><b>Wie gut ist man für Herausforderungen der Zukunft gewappnet? Im Vorjahr gab es einen Cyberangriff, der zum Systemausfall in der Agentur führte ...</b><BR />Unterweger: Der Cyberangriff hat deutlich gemacht, dass moderne Gefahren nicht nur physischer Natur sind. Gleichzeitig hat er gezeigt, wie wichtig Redundanzen, klare Abläufe und funktionierende Netzwerke sind. Wir haben daraus wertvolle Lehren gezogen und arbeiten kontinuierlich daran, unsere Systeme widerstandsfähiger zu machen – technisch, organisatorisch und personell. Resilienz entsteht nicht über Nacht, sondern durch kontinuierliche Weiterentwicklung und durch die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen.<BR /><BR /><b>Die Risiken steigen. Braucht es mehr finanzielle Mittel?</b><BR />Unterweger: Die Anforderungen an den Bevölkerungsschutz nehmen zweifellos zu. Dabei hängt der jährliche Finanzbedarf auch von den einzelnen Naturereignissen ab, die zu Schäden führen können und wiederum entsprechende Sofort- und Wiederherstellungsmaßnahmen notwendig machen. Unter anderem deshalb kann der Finanzbedarf auch von Jahr zu Jahr variieren. Grundsätzlich sind aber Investitionen in Prävention, Ausbildung, Infrastruktur und Technologie Investitionen in die Sicherheit der Bevölkerung. Gleichzeitig ist es wichtig, vorhandene Mittel effizient und zielgerichtet einzusetzen. Dabei konnten wir stets auf den politischen und gesellschaftlichen Rückhalt zählen. Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1263132_image" /></div> <BR /><b> Wie resilient ist Südtirols Gesellschaft?</b><BR />Unterweger: Südtirol verfügt über eine sehr hohe gesellschaftliche Resilienz. Das zeigt sich vor allem in der starken ehrenamtlichen Kultur, im Verantwortungsbewusstsein der Bürger und im Vertrauen in die Institutionen. Diese Stärke ist nicht selbstverständlich und muss gepflegt werden – durch Information, Beteiligung und gegenseitigen Respekt. Der Bevölkerungsschutz lebt vom Miteinander.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73092929_quote" /><BR /><BR /><b> Welche Ziele hat die Agentur für die nächsten zehn Jahre?</b><BR />Unser Ziel ist es, den Bevölkerungsschutz weiter ganzheitlich und nachhaltig zu stärken. Dazu gehören der Ausbau der Prävention, die Weiterentwicklung digitaler und organisatorischer Strukturen sowie die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung aller Beteiligten. Besonders wichtig bleibt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Freiwilligenorganisationen, den Gemeinden sowie den Landes- und Staatsstellen. Nur gemeinsam können wir auch zukünftigen Herausforderungen mit Kompetenz, Besonnenheit und Vertrauen begegnen.