Montag, 31. August 2015

Die „Krone“ und das Todesfoto: Es hagelt Rekord-Beschwerden

Es ist ein unverpixeltes Bild zusammengedrängter Leichen: Das sogenannte Todes-Foto des Flüchtlingsdramas auf der A4, das von Freitag bis Sonntag in der „Kronen Zeitung“ veröffentlicht wurde und das auch die deutsche „Bild“-Zeitung gedruckt hat, sorgt beim Presserat für einen Beschwerde-Rekord und für eine nicht enden wollende Diskussion.

Braucht es ein Foto, das das Elend von 71 toten Flüchtlingen in einem Lkw in Nahaufnahme zeigt? Die "Kronen Zeitung" hat eines abgedruckt und gerät dadurch in die Kritik.
Braucht es ein Foto, das das Elend von 71 toten Flüchtlingen in einem Lkw in Nahaufnahme zeigt? Die "Kronen Zeitung" hat eines abgedruckt und gerät dadurch in die Kritik. - Foto: © APA

Das Foto, das die toten und zusammengepferchten Körper auf der Ladefläche des Schlepper-Lkw zeigt, wurde dem Boulevardblatt offenbar von der Polizei zugespielt, weshalb auch die Staatsanwaltschaft in der Causa ermittelt.

Seitens der Initiative Qualität im Journalismus sowie in sozialen Netzwerken hatte es heftige Kritik an der Veröffentlichung gegeben (STOL hat berichtet).

„Wir stehen derzeit bei 170 Mitteilungen zu dem Bild der toten Flüchtlinge in @krone_at – ein absoluter Rekord!“, teilte der Presserat am Montag via Twitter mit. 

 

 

Die höchste Anzahl an Beschwerden lag bisher bei 66. Dabei ging es um einen Artikel der Zeitung „Heute“ aus dem Dezember 2012.

 Erschütterndes Zeitdokument?

Die „Krone“ verteidigte den Abdruck damit, dass es sich um ein „erschütterndes Zeitdokument“ handle. Im Todeslaster starben 71 Menschen (STOL hat berichtet).

 

 

Unterdessen werden andere Medien gelobt, die z.B. kein Bild zum Drams abgelichtet haben. 

 

 

Wie kam das Foto in die Presse?

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln unterdessen weiter, wie das Polizeifoto an die „Krone“ gelangen konnte. Laut Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil dürfte jener Polizist, der das Foto gemacht hat, nicht derjenige sein, der das Foto auch weitergegeben hat.

Doskozil hatte am Wochenende angekündigt, dass die Polizei in engem Kontakt mit der Staatsanwaltschaft (StA) stehe und die Kriminalabteilung am Montag einen ersten Anfallsbericht an die StA übermitteln muss. Dieser war Montagmittag noch nicht bei der StA eingelangt, teilte Verena Strnad, Sprecherin der Anklagebehörde auf Anfrage der APA mit.

"Es gibt immer einen Weg"

Seitens der Polizei werde man an das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung (BAK) herantreten, um diese Amtshandlung dorthin abzutreten. Doskozil meinte, es gebe irgendwo Wege, „die durch die Polizei gehen. Diese muss man aufdecken und offenlegen“, so der Landespolizeidirektor.

stol/apa

stol