Am Montagabend bewarfen Jugendliche einen Linienbus im Dienst mit Steinen und Flaschen und schlugen dabei mehrere Scheiben ein. Am Dienstag beschädigte ein Fahrgast die Frontscheibe eines Busses mit dem Kopf, nachdem er zuvor den Fahrer bedroht und beleidigt hatte. <BR /><BR /><BR /><b>Herr Frenna, sind Angriffe auf Busfahrer und Busse Ausnahmefälle oder schon Alltag?</b><BR />Girolamo Frenna: Verbale Aggressionen sind für Busfahrer mittlerweile Alltag. Die Leute sind aggressiver und unhöflicher geworden. Antwortet der Fahrer auf eine Frage, sagt kaum noch jemand „danke“ und wenn die Antwort nicht so ausfällt wie erwünscht, wird man oft auch noch beleidigt. Zu körperlichen Attacken kommt es zwar nicht täglich, aber sie haben deutlich zugenommen. Auch deshalb fordern wir von der Gewerkschaft seit langem geschlossene Kabinen für die Fahrer, vor allem für jene, die nachts arbeiten.<BR /><BR /><BR /><b>Wie oft ist es heuer zu direkten Angriffen auf Busfahrer gekommen?</b><BR />Frenna: Seit Jahresbeginn in etwa zehn Mal. Busfahrer müssen geschützt werden, das ist für uns als Gewerkschaft äußerst wichtig. Wer zur Arbeit geht, muss unbeschadet nach Hause kommen. Sie ziehen ja nicht in den Krieg. Deshalb fordern wir geschlossene Kabinen. Den Schutz, den es derzeit für die Fahrer in den Bussen gibt, also die Trennscheibe, hat früher ausgereicht, jetzt nicht mehr, vor allem nachts. <BR /><BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Frenna: Nachts ist es ein Krieg. Nach 22 Uhr sind zu viele Leute unterwegs, die oft nur Ärger machen wollen. Viele sind betrunken und haben vielleicht auch noch Drogen genommen. Bozen ist nicht mehr wie früher. Wichtig wären nächtliche Kontrollen, um Personen zu erfassen, die ohne Fahrschein unterwegs sind und durch ihr Verhalten Personal und Fahrgäste gefährden. Immerhin funktioniert die Zusammenarbeit mit der Polizei gut. Die Busfahrer haben mittlerweile einen direkten Draht, wenn es Probleme gibt. Die Einsatzkräfte sind sehr schnell vor Ort. Trotzdem möchten wir die Zusammenarbeit noch weiter verbessern – es geht immer noch besser.<BR /><BR /><BR /><b>Seit wann ist die Aggressivität, von der Sie sprechen, gestiegen?</b><BR />Frenna: Seit der Covid-Pandemie. Auch im Straßenverkehr sind die Leute aggressiver geworden. Deutlich verschlechtert hat sich die Lage, seit die Leute mit Elektrorollern auf den Straßen und in den Bussen unterwegs sind. Besonders schlimm war es in der Zeit, als es noch keine Regeln gab. Auch viele Autofahrer halten sich nicht mehr an die Regeln: Sie überholen, wie es ihnen passt, fahren auf der Busspur oder parken an Haltestellen – vor allem Paketdienste. Weist der Busfahrer sie darauf hin, wird er oft angepöbelt. Das ist Alltag. Durch das hohe Stressniveau wird unsere Arbeit immer belastender – viele Fahrer geben deshalb auf.