„Für mich steht der internationale Frauentag heuer mehr denn je im Zeichen von Kämpferinnen, die bereit sind, sich zu erheben“, schreibt unsere Kolumnistin. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Sie sind Mütter, Großmütter, Hausfrauen, arbeiten in Sozialberufen, an der Uni, am Fließband oder als Friseurin, sie stehen im Licht der Öffentlichkeit oder um 5 Uhr morgens im Stall beim Melken, und die wenigsten von ihnen haben jemals ein Gewehr in der Hand gehabt.<BR /><BR /> Im Hagel der Raketen und im Angesicht des Todes greifen die Frauen der Ukraine zur Waffe… und kämpfen! Mit dem Mut der Verzweiflung – mit der Entschlossenheit der Überzeugung: „Ich habe meine Kinder über die ungarische Grenze in Sicherheit gebracht, und jetzt fahre ich zurück in mein Land, das ich liebe, und das ich verteidigen werde wie unsere Männer“, sagt die junge Lehrerin mit den feinen Zügen dem Kamerateam aus Deutschland, während ihr Tränen über die hohen Wangen laufen. <BR /><BR />Auch die Journalistin, die nicht aus Kiew geflüchtet ist und sich in ihrer Wohnung im zerbombten Haus versteckt, „um der Welt zu erzählen, welches Unrecht hier geschieht“, ist bereit für ihre Heimat zu sterben, wie so viele andere, die den Russen entgegentreten – mit selbst gebauten Molotowcocktails, mit Jagd- und Sturmgewehren, mit Worten und Gebeten, mit allem was sie haben – und sei es das nackte, so schrecklich verletzliche Leben, das unbewaffnete Zivilisten einer Kleinstadt gegen den anrollenden Panzer in die Schlacht werfen, um ihn zu stoppen…<BR /><BR /> Mut ist keine Frage des Alters! Auch das beweisen die Löwinnen der Ukraine, von denen manche, die sich den freiwilligen Verteidigungstruppen angeschlossen haben, am 70er kratzen. Dienstag ist der internationale Frauentag. Für mich steht er heuer mehr denn je im Zeichen von Kämpferinnen, die bereit sind, sich zu erheben. Nicht nur an der Front eines absurden Krieges, den ein machtberauschter Despot vom Zaun gebrochen hat. Überall dort, wo Frauen Unrecht geschieht, in den eigenen vier Wänden, wo sie häusliche Gewalt erleiden, am Arbeitsmarkt, wo sie benachteiligt werden, in Kulturen, die sie genital verstümmeln und… auf den Straßen Russlands, wo Unerschrockene gegen Putin demonstrieren. <BR /><BR />An diese Frauen, an diese Menschen, wird man sich erinnern, auch wenn man vielleicht nicht ihre Namen kennt. Weil sie für Freiheit und Demokratie einstehen, für Frieden und Selbstbestimmung – damals wie heute, mitten in Europa oder am anderen Ende der Welt!<BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Irina Lino über aktuelle Themen verschiedenster Art. Irina Lino ist 1967 in Klagenfurt geboren und seit 1987 Kulturjournalistin. Zahlreiche Beiträge in Büchern und Katalogen zu Kulturthemen; seit 2009 Kultur-Ressortleiterin der „Kronen Zeitung“ Kärnten sowie Kolumnistin.<BR />