Montag, 10. Dezember 2018

Die neue Verkehrspolizeichefin

Anna Lisa Mongiorgi ist die neue Verkehrspolizeichefin des Landes. Sie ist in der Verkehrspolizei groß geworden und macht ihre Arbeit mit Passion.

Anna Lisa Mongiorgi ist die neue Verkehrspolizeichefin des Landes. - Foto: DLife
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Anna Lisa Mongiorgi ist die neue Verkehrspolizeichefin des Landes. - Foto: DLife

Ein Hauptaugenmerk möchte sie auf den Schwerverkehr legen – verstärkte Kontrollen, um die Sicherheit der Fahrer, aber auch der anderen Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten und auch, um unlautere Konkurrenz zu ahnden.

„Dolomiten“: Frau Mongiorgi, Sie sind seit Juli hier. Haben Sie sich gut eingelebt?

Anna Lisa Mongiorgi: Ja. Es ist alles neu für mich hier. Ich war in meiner Kindheit einmal hier im Urlaub, gearbeitet habe ich bisher noch nie in Südtirol. Jetzt verstehe ich langsam, wie hier alles funktioniert, was wichtig ist und was besonders ist.

„D“: Was denn?

Mongiorgi: Die Zweisprachigkeit brauche ich wohl nicht erwähnen. Noch spreche ich kein Deutsch, aber ich werde mich bemühen, zumindest die Basis zu lernen. Das Land ist gut organisiert, die Bürger sind achtsam. Aus Arbeitssicht ist der Gütertransport besonders hervorzuheben. Auf der Brennerautobahn werden viele Güter importiert und exportiert, auch der Tourismus bringt viel Verkehr. Besonders ist, dass hier als Grenzregion auch die Fahrverbote in Deutschland und Österreich Auswirkungen auf den Verkehrsfluss im Land haben. Zudem gibt es viele Veranstaltungen – sportliche, am Berg und auch der Christkindlmarkt.

„D“: Und wie sieht es mit der Disziplin im Straßenverkehr aus – Stichwort Handy am Steuer?

Mongiorgi: Da sprechen Sie über ein Übel, das sich in der Gesellschaft verbreitet. Die ständige Handynutzung ist leider Teil der DNS der Bürger geworden. Im Auto ist das Handy eines der Hauptelemente, die ablenken. Es ist aber auch zu sagen, dass es leichter gesagt als getan ist, das Handy beim Autofahren wegzulegen.

„D“: Es ist auch nicht immer einfach, die Benutzung des Handys zu beweisen, oder?

Mongiorgi: Da sage ich Jein. Es ist aber so, dass wir im Falle von Unfällen mit schwerwiegenden Folgen oder Todesopfern nicht mehr nur überprüfen, ob jemand Alkohol im Blut hatte, sondern auch, ob er das Handy benutzt hat – natürlich in Absprache mit den Gerichtsbehörden. Die Gefahr der Benutzung des Mobiltelefons im Straßenverkehr darf nicht unterschätzt werden – auch nicht, wenn es über die eigentlich legalen Empfangsgeräte, also Kopfhörer oder Lautsprechanlage, benutzt wird.

„D“: Es heißt immer wieder, in diesem Land werde zu viel getrunken...

Mongiorgi: Alkohol, aber vermehrt auch Drogen, sind Alltag bei der Arbeit der Verkehrspolizei – auf gesamtstaatlicher Ebene. Während Alkohol im Blut schon seit langem nachgewiesen werden kann, ist es bei Drogen schwieriger. Immerhin sieht das Gesetz vor, dass man nachweisen muss, dass der Autolenker zum Zeitpunkt der Kontrolle unter Drogeneinfluss stand. Jetzt gibt es Schnelltest-Geräte auf dem Markt, die die Präsenz von Drogen im Körper nachweisen können.

„D“: Kommen wir zu Ihnen persönlich: War es denn immer schon Ihr Traum, Polizistin zu werden?

Mongiorgi: Men Vater war Polizeifunktionär – nicht bei der Verkehrspolizei, sondern in anderen Abteilungen. Das hat mich sicherlich beeinflusst. Aber in meiner Kindheit habe ich nicht davon geträumt, Polizistin zu werden. Erst später ist in mir der Wunsch gereift, den väterlichen Spuren zu folgen.

„D“: Jetzt sind Sie Chefin der Verkehrspolizei in Südtirol, seit Beginn Ihrer Karriere waren Sie immer bei der Verkehrspolizei. Was fasziniert Sie daran?

Mongiorgi: Ich weiß, dass ich konkrete Polizeiarbeit im Alltag der Bürger leiste. Das Auto ist jenes Fahrzeug, das den Bürgern die Mobilität garantiert. Wichtig ist der Gesellschaft heutzutage eine sichere und schnelle Mobilität – das zu garantieren, dafür sind wir zuständig, aber auch dafür, die zahlreichen Straftaten, die mit Mobilität zusammenhängen, aufzuklären bzw. ihnen vorzubeugen oder sie zu verhindern.

„D“: Sie sind als Frau Chefin von vielen Männern. Hatten Sie auch schon Schwierigkeiten deswegen?

Mongiorgi: Ich kann nicht abstreiten, dass es welche gegeben hat – vor allem am Anfang. Aber alles kann überwunden werden.

„D“: Sie sind ja auch in einem technischen Beruf. Wechseln Sie beispielsweise selbst Ihre Winterreifen oder können Sie in Begeisterung verfallen, wenn man die Motorhaube eines tollen Autos öffnet?

Mongiorgi (lacht): Also die Reifen habe ich noch nie selbst gewechselt, das überlasse ich denen, die es können. Ich weiß, wie es unter der Motorhaube aussieht, kenne die Bestandteile eines Motors. Aber auch hier überlasse ich die Arbeiten einem Mechaniker. Es wird sein, dass sich viele Männer um mich herum für diese Dinge begeistern – vielleicht bin ich gerade deshalb Frau geblieben.

„D“: Haben Sie schon Pläne für die Gestaltung Ihrer Freizeit in Südtirol?

Mongiorgi: Ich fahre sehr gern Ski. Ich habe mir vorgenommen, mir Zeit zu nehmen, um auf den Pisten neue Energie für den Alltag zu tanken. Auch möchte ich wieder anfangen, in die Berge zu gehen. Ich liebe die Berge, bin aber leider etwas außer Kondition. Im Frühling möchte ich mich wieder mehr dieser Passion widmen, und ich hoffe, ich schaffe es auch, das durchzuziehen.

„D“: Haben Sie sich Ziele gesetzt für Ihre Zeit in Bozen, haben Sie den Fokus auf einen bestimmten Bereich gesetzt?

Mongiorgi: Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, völlig neue Wege zu gehen. Ich möchte dort weitermachen, wo die Spuren meines Vorgängers aufhören. Am Herzen liegt mir aber der Schwertransport. In dem Bereich werden wir mehr Kontrollen durchführen. Der Schwertransport ist wichtig für die Wirtschaft, aber für alle, die unterwegs sind, ist die Sicherheit der Fahrzeuge und der Fahrer wichtig. Es gibt auch viel unlautere Konkurrenz in dem Bereich, wir werden die Einhaltung der Fahrt- und Ruhezeiten ebenso überprüfen wie auch die Art der beförderten Waren. Viele Gefahrentransporter fahren durch das Land; der jüngste Unfall (bei Bologna, Anm. d. Red.) zeigt, wie wichtig es ist, hier die Augen offen zu halten.

Interview: Ulrike Huber

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stol