Sonntag, 06. September 2015

Die "Schweigeminuten" boomen

Erst der Aufschrei, dann das große Schweigen? Die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme, die menschenunwürdigen Zustände, das Versagen der Politik hat zuletzt zu lautem Protest geführt. Nun aber scheint er sich auf einen gänzlich anderen, ganz stillen Weg zu verlagern.

Unter dem Titel „Schweigeminute (Traiskirchen)“ ruft Raoul Haspel zu einem friedlichen, ruhigen Protest gegen das erschütternde Versagen in der österreichische Flüchtlings-Politik auf. - Foto: Rauol Haspel
Unter dem Titel „Schweigeminute (Traiskirchen)“ ruft Raoul Haspel zu einem friedlichen, ruhigen Protest gegen das erschütternde Versagen in der österreichische Flüchtlings-Politik auf. - Foto: Rauol Haspel

Was sagen in Anbetracht der Situation? Laut sein, poltern, protestieren? Das gehört zumeist zu den ersteren, naheliegenden Reaktionen. Doch was kommt danach? 

Fußball-Profis halten inne

Das zeigte sich am Samstagabend auch beim Fußball-EM-Qualifikationsspiel zwischen Österreich und Moldau im ausverkaufen Happel-Stadion. Vor Spielanpfiff wurde in einer Schweigeminute der Flüchtlinge gedacht. Die Aktion schloss mit einem sekundenlangen tosenden Applaus und wurde damit zu einem Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit notleidenden Menschen.

Doch schweigend protestieren geht auch anders. Und das in einem Umfeld, in dem eigentlich Klänge, Töne, Geräusche das Sagen haben.

"Schweigeminute" in den Charts

Der Wiener Künstler Raoul Haspel bietet auf der Musikplattform iTunes eine "Schweigeminute" zum Download an. Zu Hören gibt es auf dem Track allerdings nichts. Auch auf Amazon kann man die am 28. August erscheinende Nummer bereits vorbestellen.

99 Cent bzw. 1,29 Euro kostet die "Schweigeminute". Zeitweise lag der „Song“ auf Platz 1 der iTunes-Download-Charts in Österreich.

Der Erlös soll den Menschen im überfüllten Flüchtlingslager in Traiskirchen zugutekommen. Haspel sieht sein Werk als "friedlichen, ruhigen Protest gegen das erschütternde Versagen der österreichischen Flüchtlingspolitik".

„Eine Einladung kurz inne zu halten und sich gemeinsam auf die uns allen innewohnende Menschlichkeit zu besinnen! Ein Aufruf gesellschaftlichen Werten wie Empathie und Hilfsbereitschaft - auch in der Politik - wieder neues Leben einzuhauchen",  so der Initiator Raoul Haspel.

Auch Schweiger schweigt

Schauspieler Til Schweiger (51) engagiert sich mit einer Schweigeminute für die Flüchtlings-Aktion der „Bild“-Zeitung. In einem Clip schweigt er 60 Sekunden lang – und sagt dann in die Kamera: „Nicht reden, sondern helfen. Jetzt!“

 "Ich unterstütze die Aktion, um damit diejenigen zu würdigen, die sich jetzt schon aufopferungsvoll um die Menschen kümmern, die auf der Flucht sind und nichts mehr haben als ein Hemdchen am Leib", so Schweiger.

stol/apa/ker

stol