Gesundheit geht uns alle an, sagt der bekannte Psychiater Dr. Andreas Conca. Er gibt zugleich Tipps, wie Krisen besser verarbeitet werden können und sagt, dass man mitunter die eigene Lebensweise in Fragen stellen können muss.<b><BR /><BR />Herr Dr. Conca, in Ihren Vorträgen und Interviews sprechen sie von der Bewältigung von Krisen. Was ist eine Krise eigentlich?<BR /></b><BR />Andreas Conca: Krise bedeutet Entscheidung. Das setzt allgemein voraus, dass sich eine Situation ergibt, die eine richtungsweisende Klärung abverlangt und damit Gegenwärtiges in Frage stellt. <BR /><BR /><BR /><b>Welche Arten von Krisen gibt es, wie können sie unterteilt werden?<BR /></b><BR />Conca: Krisen können uns ganz persönlich treffen und z. B. in Lebensphasen auftreten (midlife-crisis). Sie können aber auch zwischenmenschliche Beziehungen aufrütteln, sozialer Natur sein (Armutsschere), die Bildung betreffen (die Krise des Schulsystems), die Wirtschaft (Inflationsrate), das Klima und die Natur (Umweltkrise, Pandemie), die Gesellschaft insgesamt (nukleare Krise) und die Politik (die Krise der Demokratie) erfassen. Besonders herausstechend ist aber im 21. Jahrhundert die Sinnkrise…<BR /><BR /><b>Wenn wir von schweren Krisen sprechen – wie kann ich ihnen vorbeugen?<BR /></b><BR />Conca: Im Wesentlichen hängt es von der Krisensituation ab. Allgemein gilt es, sich in Resilienz zu üben, was aber nicht bedeutet, sich in Zweckoptimismus zu üben. Es gilt das Prinzip, handlungsfähig zu bleiben, mit beiden Füßen den Boden zu berühren, den Wertrelativismus begreifen und doch auch von Visionen gelenkt zu sein und dabei die Fähigkeit zu erhalten, auch scheitern zu können.<BR /><BR /><b>Wenn jemand akut in einer Krisenlage ist und darunter leidet: Was kann er oder sie konkret tun?<BR /></b><BR />Conca: In erster Linie sich pflegen. Dazu gehören guter Schlaf, gutes Essen, gute Bewegung, neugierig sein und Freundschaften, die heilend sind. Diese Punkte sind es auch, die uns die Energie garantieren, um uns in Krisenfestigkeit zu üben. <BR /><BR /><b>Welche Hilfsangebote gibt es in Südtirol und reichen diese aus? <BR /></b><BR />Conca: Die einzelnen Gemeinden haben die Türen aktiv geöffnet. Es gibt dann ein sehr gutes niederschwelliges Netzwerk, auch die Aktion https://www.dubistnichtallein.it/ ist ein wesentlicher Bestandteil zur Krisenbewältigung und beinhaltet eine tolle Plattform zum Nachschauen, welche Kontaktadressen es gibt. Dabei ist ein dichtes Angebot hochspezialisierter Fachkräfte im öffentlichen und privaten Bereich abgebildet. Die Zunahmen der Anfragen im Jugendbereich und das Phänomen Long Covid sowie auch nun die „neuen, alten“ Krisen zeigen aber, dass die Gesellschaft weitere Unterstützungen anbieten muss.<BR />Toll wäre es, wenn wir verstehen könnten, dass Gesundheit uns alle angeht und viel mehr ist als nur seelische und körperliche Unversehrtheit.<BR /><BR /><b>Nach Jahren der Coronakrise kommt nun der Krieg nach Europa. Was macht das mit den Menschen?<BR /></b><BR />Conca: Stress macht etwas mit einem….die Reaktionen und die Anpassung sind verschiedenartig. Entscheidend neben der Persönlichkeit sind dabei die sozioökonomischen Verhältnisse und die Bildungsebene. Diese Krisenzeit wird somit für manche eine Herausforderung, die sie stärkt, die meisten üben sich schlichtweg im „Überleben“, andere hingegen werden Langzeitfolgen aufweisen, die sich nicht nur seelisch äußern werden. Es gibt auch Todes-Opfer der Pandemie, sie sind zu beklagen und um sie gilt es zu trauern. Wegschauen erhöht das Risiko weiterer Krisen.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />