Dienstag, 25. August 2020

„Die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle“

„Die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle“, beklagte der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti bei einer Pressekonferenz zum jüngsten Angriff eines Bären auf einen Carabiniere in Andalo.

Die Angriffe durch Bären häufen sich. (Symbolbild )
Die Angriffe durch Bären häufen sich. (Symbolbild )
„Die jüngste Aggression zeigt, wie gerechtfertigt die Warnungen und Alarmsignale gewesen sind, die wir schon seit einigen Monaten in Sachen Bären aussenden“, sagte Fugatti vor den Pressevertretern. „Es handelt sich um einen wirklich schwerwiegenden Fall“, betonte er und zeigte die beiden Möglichkeiten auf, die der Angriff den Verantwortlichen eröffnet hatte: Abschuss oder Einfangen mittels Betäubung. Das sei keine einfache Entscheidung gewesen, aber „wir haben uns dann für das Einfangen entschieden“, berichtete Fugatti.

Man habe sich auch deshalb für das Einfangen entschieden, weil man dies für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass M57 nicht der Angreifer gewesen sein sollte, rückgängig machen könne. DNA-Analysen müssen nämlich erst noch die hundertprozentige Gewissheit über die Identität des aggressiven Bären geben.

Fugatti lobt Vorgehen der Forstbeamten

Bei der Aktion sei alles gut verlaufen, unterstrich Fugatti und lobte in diesem Zusammenhang das effiziente Vorgehen der Forstbeamten – zusammen mit den Sicherheitskräften.

Der Angriff auf den Carabiniere war gegen 23.30 Uhr erfolgt, um 4.45 Uhr in der Früh konnte dem Landeshauptmann bereits seine Überführung ins Gehege Casteller gemeldet werden. Der Carabiniere hat den Todeskampf mit dem Bären in einem Interview geschildert.

„Die Trentiner Autonomie konnte eine prompte Antwort auf den Vorfall geben und damit auch die zahlreichen Touristen schützen, die dieser Tage das Gebiet um Andalo bevölkern“, betonte Fugatti mit Genugtuung.

Unterstützt wurde Fugatti bei der Pressekonferenz von Romano Masè, Leiter der Abteilung Land- und Forstwirtschaft. Letzterer unterstrich die sehr große Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem aggressiven Bären um den nun eingefangenen M57 handle. Es sei dies ein 2-jähriger Jungbär, der bereits durch sein Verhalten aufgefallen sei. Der Bär zeige keine Scheu vor dem Menschen, habe bereits öfters Personen verfolgt und Bio-Müllkübel in unmittelbarer Nähe zu Häusern durchwühlt.

Erster Angriff eines männlichen Bären

Besonders schwer wiege dabei die Tatsache, dass dies der erste Angriff eines männlichen Bären sei, es sich dabei also nicht um eine Verteidigungsstrategie einer Bärin zum Schutz ihrer Jungen handle, wie in den bisherigen Fällen von Übergriffen. „Der Punkt ist“, so Fugatti, „dass wir im Trentino mittlerweile einfach zu viele Bären haben und die Bevölkerung beginnt, ernsthaft wütend zu werden“.

Er habe den Umweltminister über den Vorfall informiert. „Wir fordern schon seit langem, selber das Großraubtier-Management für die Tiere auf unserem Gebiet übernehmen zu können. Und das muss möglich sein, unabhängig von jeglicher Ideologie“, sagte Fugatti und kündigte für morgen einen Sicherheitsgipfel zum Thema Wolf an. „Denn auch das ist nicht nur ein Problem für die Almwirtschaft, es ist mittlerweile ein Problem für die öffentliche Sicherheit. Und gerade deswegen müssen wir die rechtliche Möglichkeit haben, autonom zu agieren.“

STOL hat über den Angriff des Bären auf den Carabinieribeamten berichtet.

d