<b>Von Albert A. Feldkricher<BR /></b><BR /><BR />Für mich ist das Leben eine Schatzkiste voller Erfahrungen. Jede Situation, die ich bewältige, erweitert diesen Schatz. Es gilt, diese Erfahrungen bewusst zu nutzen und immer wieder neu in die Zukunft zu investieren.<BR /><BR />Ein Ort, der mich dabei seit vielen Jahren begleitet, ist der Schopf – so nennt sich in Vorarlberg eine Veranda – unseres über 400 Jahre alten Wälderhauses. Dort, umgeben von Weinranken, die im Herbst das Sonnenlicht filtern, finde ich Ruhe und Erdung. Das Wasser stammt aus der eigenen Quelle hinter dem Haus, und oft hat sich unser Kater auf der Bank zusammengerollt. Hier fühle ich mich mit mir selbst verbunden – und hier führe ich auch viele meiner Gespräche.<h3> Die eigene Schatzkiste wieder öffnen</h3>In meinen Seminaren arbeite ich bewusst mit wenigen Hilfsmitteln. Das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist für mich das Wesentliche. Menschen kommen zu mir, weil sie vor Veränderungen stehen, weil sie Orientierung suchen oder spüren, dass ihr Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Gemeinsam machen wir uns auf die Suche nach den eigenen Stärken. Ich bin überzeugt, dass wir nicht ständig alles neu erfinden müssen. <BR /><BR />Vieles, was wir für schwierige Situationen brauchen, tragen wir bereits in uns. Deshalb führe ich die Menschen gedanklich zurück zu Situationen, die sie erfolgreich gemeistert haben. Welche Stärken haben ihnen damals geholfen? Wie hat sich das angefühlt? Was hat diese Erfahrung bewirkt? Es ist, als würde man den Schlüssel zu einer Schatzkiste wiederfinden, der nur vorübergehend verloren gegangen war.<BR /><BR />Ebenso wichtig ist für mich das Vertrauen in das eigene Bauchgefühl. Die bedeutendsten Entscheidungen meines Lebens habe ich aus dem Bauch heraus getroffen. Dennoch erlebe ich immer wieder Menschen, die ihren Gefühlen misstrauen und sich selbst zu wenig zutrauen. Genau hier setze ich in meiner Arbeit an: Eigenvertrauen zu stärken und Menschen zu ermutigen, wieder auf ihre innere Stimme zu hören. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen und Konflikte anzusprechen. Wer klar kommuniziert und für seine Überzeugungen einsteht, gewinnt nicht nur die Achtung anderer, sondern vor allem Selbstachtung.<h3> Vertrauen wächst durch Handeln</h3>Wenn ich selbst vor wichtigen Entscheidungen stand, habe ich meinen persönlichen Kraftplatz aufgesucht. Das ist keine Metapher, sondern eine Waldlichtung mit einem Baumstumpf, zu der mich schon mein Vater als Kind mitgenommen hat. Dort finde ich Abstand vom Alltag, Zeit zum Nachdenken und die Ruhe, die es braucht, um klar zu sehen.<BR /><BR />Nicht jeder braucht denselben Ort. Für manche ist es eine Reise, ein Spaziergang, ein Tapetenwechsel oder eine bewusste Auszeit. Entscheidend ist, aus den gewohnten Mustern auszubrechen. Nur wer den Alltag einmal hinter sich lässt, schafft Raum für neue Gedanken und gute Entscheidungen.<BR /><BR />Ein Satz begleitet mich dabei seit vielen Jahren: Tun! Wer etwas verändern will, muss ins Handeln kommen. Erfahrungen entstehen nicht durch Nachdenken allein, sondern indem wir den ersten Schritt machen.<BR /><BR />Eine weitere wichtige Erkenntnis meines Lebens lautet: Wir brauchen Menschen, die uns ermutigen, das zu tun, wozu wir fähig sind. Ständige Vergleiche mit anderen führen dagegen selten weiter. Sie lenken den Blick von den eigenen Möglichkeiten ab und lassen uns oft schlechter erscheinen, als wir tatsächlich sind. Dabei kennen wir meist nur die Stärken der anderen, nicht aber deren Schwächen.<BR /><BR />Deshalb richte ich meinen Blick lieber auf das, was jeder Mensch in sich trägt. Denn die größte Stärke liegt nicht im Vergleich mit anderen, sondern in dem Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen.