Mittwoch, 29. September 2021

Die Talferwiesen feiern runden Geburtstag

Die Stadt Bozen feiert in diesen Tagen – coronabedingt mit einem Jahr Verspätung – das 50-jährige Bestehen der Talferwiesen und den Mann, der die Idee dazu hatte, das steinige Talferbett in eine grüne Oase zu verwandeln: den Bozner Ingenieur und Oberschullehrer Michele Lettieri.

Zum 50-jährigen Bestehen der Talferwiesen in Bozen wurden Informationstafeln enthüllt.
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Zum 50-jährigen Bestehen der Talferwiesen in Bozen wurden Informationstafeln enthüllt. - Foto: © Gemeinde Bozen
Vor 50 Jahren begannen die Bauarbeiten für die Neugestaltung des Talferbetts und die Entwicklung der Talferwiesen. Am heutigen Mittwochvormittag fand im Petrarcapark in Bozen eine kleine Feier statt, bei der neben Bürgermeister Caramaschi und Vizebürgermeister Walcher auch die Stadträten Chiara Rabini und Stefano Fattor sowie einige Gemeinderäte anwesend waren.

Aus Anlass dieses runden Geburtstags wurde auch eine neue Informationstafel enthüllt, die einen Überblick über die Umgestaltung des Talferbetts in einen wichtigen Naherholungsraum für die Stadt in Text und Bildern gibt.

Dass dieses Vorhaben überhaupt umgesetzt werden konnte, ist wohl der Hartnäckigkeit von des Bozner Ingenieurs Michele Lettieri zu verdanken. Im Mai 1970 überreichten Schüler der Fachschule für Bauwesen den Stadtverwaltern symbolisch einen Vermessungsplan des Talferbetts, den sie unter der Anleitung ihres Lehrers Michele Lettieri erstellt hatten. Bereits im Oktober desselben Jahres begannen die Bauarbeiten. Mit Unterstützung der Soldaten des 2. Pionier-Regiments des 4. Heereskorps, die mit schwerem Gerät vor Ort waren, wurden im Abschnitt zwischen der Talferbrücke und der Drususbrücke erste Aushubarbeiten durchgeführt. In den Jahren 1971 und 1972 wurden weite Teile des Flussufers neu gestaltet.

Die endgültige wasserbauliche Regulierung der Talfer erfolgte schließlich zwischen März und Juni 1973. Begrünt und bepflanzt wurde die Flusslandschaft von Bozens Stadtgärtnerei.

In Anwesenheit der Enkel von Michele Lettieri, Alfonso und Marisa Teresa, und einiger seiner ehemaligen Schüler zeigte sich Bürgermeister Caramaschi sichtlich erfreut, den Bürgerinnen und Bürgern mit dieser neuen Informationstafel die Geschichte dieses Vorhabens, das Lettieri mit Leidenschaft vorangetrieben hat und letztlich auch Wirklichkeit geworden ist, näher bringen zu können.

„Ich glaube nicht, dass wir heute in der Lage wären, das zu schaffen, was Michele Lettieri gelungen ist. Er hatte ein Ziel vor Augen, und dieses Ziel hat er mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und Ausdauer verfolgt und dabei alle Hürden, egal ob bürokratischer oder anderweitiger Natur, aus dem Weg geräumt. Er war fest entschlossen, sein Vorhaben umzusetzen, und damit hat er der Stadt wahrlich ein großes Geschenk gemacht, das wir heute mehr den je als ein solches empfinden. Wenn man sich diese Parklandschaft ansieht, die der Gartenstadt Bozen ihren Stempel aufgedrückt hat, wird einem bewusst, mit wie viel Grünfläche die Stadt durch Lettieris Engagement beschenkt wurde.“

Auch Vizebürgermeister Walcher und Stadträtin Rabini zeigten sich von Lettieris Wirken beeindruckt und betonten die Bedeutung der Park- und Grünanlagen für eine lebenswerte Stadt.

Michele Lettieri wurde 1924 in Solofra (Avellino) geboren. Als Lettieri wenige Jahre alt war, zog seine Familie nach Bozen, wo er die Pflichtschule und die Oberschule besuchte. Nach der Matura studierte Lettieri Ingenieurswesen in Neapel, kehrte jedoch nach Abschluss des Studiums wieder nach Bozen zurück, wo er als Ingenieur arbeitete und nebenbei an der italienischen Fachschule für Bauwesen unterrichtete. Dort entwickelte er gemeinsam mit seinen Schülern einen Plan zur Neugestaltung des Talferufers, den er in der Folge in enger Abstimmung mit den zuständigen Staats- und Landesämtern und der Stadtregierung sowie mit Unterstützung der Pioniereinheiten des Heeres umsetzte.

Ingenieur Michele Lettieri starb am 11. November 2016 im Alter von 92 Jahren. Nach seinem Tod übergaben seine Nachkommen dem Stadtarchiv zahlreiche Unterlagen aus dem persönlichen Besitz des Verstorbenen. Es handelt sich um Berichte, Gutachten, Projekte, Schriftverkehr, Aufzeichnungen, Zeitungsartikel und andere Dokumente, die nicht nur Aufschluss über die Entstehung der Talferwiesen geben, sondern auch Zeugnis von der Entwicklung der Stadt und seines Lebensraums geben.

stol

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