Asbest galt lange als Wundermaterial – und wurde einst in vielen Bereichen eingesetzt. „Asbestzement ist ein hochwertiges Material, sehr widerstandsfähig und gleichzeitig relativ leicht“, erklärt Stefan Marcher, Projektant und Bauleiter der Arbeiten in der Gemeinde Pfalzen. Kein Wunder also, dass Asbest einst auch in Südtirol hoch im Kurs stand. Unter anderem wurde es auch in Abwasserleitungen verbaut. „Wohl in jeder Pustertaler Gemeinde liegen Asbestzementrohre im Boden“, mutmaßt Marcher. Der Pfalzner Hauptsammler, gebaut in den 1980er-Jahren, ist ein typisches Beispiel.<BR /><BR />Erst in den 1990er-Jahren wurde erkannt, wie gefährlich Asbeststaub ist. Schnell folgte das EU-weite Verbot des Materials. Asbestzementrohre taten dennoch weiterhin ihren Dienst – und solange sie intakt sind, besteht laut Marcher kein Risiko. „Asbestfasern sind fest im Zement gebunden und können vom Wasser oder Abwasser nicht ausgewaschen werden. Erst bei Beschädigungen werden diese freigesetzt.“<h3> Kosten von 2,6 Millionen Euro</h3>Beschädigt war die Pfalzner Abwasserleitung nicht, sodass sie nun mit PVC-Rohren ersetzt wird. Bei einer Kanaluntersuchung seien aber große Probleme festgestellt worden, erklärt Gemeindereferent Silvester Regele. „Verbindungen sind undicht, Abwasser geht verloren, Grundwasser dringt ein, und Wurzeleinwüchse behindern den Fluss des Kanals. Ein Austausch war deshalb dringend notwendig.“<BR /><BR />Etwa 2,6 Millionen Euro kostet der neue Hauptsammler. 30 Prozent davon muss die Gemeinde zahlen, den Rest übernimmt das Land. Ein großer Teil – 800.000 bis 900.000 Euro – entfällt auf die Entsorgung der alten Asbestleitung. Ein aufwendiger Prozess: Die Rohre gelten als Sondermüll und müssen auf speziell zugelassene Deponien gelagert werden. Zuvor werden sie vor Ort mit Bindemitteln eingesprüht und in Nylon eingepackt. Danach transportieren sie spezialisierte Firmen in kleinen Mengen im Lkw auf die Deponie. Die Pfalzner Rohre kommen übrigens ins Veneto. <BR /><BR /><b>Was ist Asbest?</b><BR /><BR />Asbest (abgeleitet vom griechischen Wort „asbestos“) ist der Sammelbegriff für eine Gruppe natürlicher Mineralfasern, die wegen ihrer besonderen Eigenschaften lange Zeit im Bauwesen, in der Industrie und in vielen anderen Bereichen verbreitet waren. Weil die Fasern chemisch stabil sowie sehr hitzebeständig und robust sind, wurden sie auch im Brandschutz und bei Isolierungen eingesetzt. Heute weiß man: Asbest kann bö-se Krankheiten wie Lungenkrebs oder Asbestose auslösen. Deswegen ist das Material EU-weit verboten.