Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann besonders im Wintersport fatal enden. Ein Schlag auf den Kopf kann sehr viel mehr anrichten, als sich die meisten Menschen bewusst sind. <BR /><BR />Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, dass Gehirnerschütterungen nicht zu unterschätzen sind, findet am 12. und 13. Dezember eine Tagung in englischer Sprache im Zeichen von Gehirnerschütterungen im Wintersport statt. Die Tagung „Snow & Synapses: Brain Concussions in Winter Sports“ wird im Bozner Hotel Sheraton abgehalten und soll unter anderem beleuchten, wie man eine Gehirnerschütterung erkennt, was man dagegen tun kann und was langfristig mit dem Gehirn passieren kann. <BR /><BR /> „Eine Gehirnerschütterung ist beispielsweise bei einer normalen CT-Untersuchung oder einer Magnetresonanz nicht sichtbar. Die Schäden gehen wesentlich tiefer“, erklärt der Leiter der Konferenz, Primar Dr. Andreas Schwarz. Die ersten Symptome einer Gehirnerschütterung seien unspezifisch (siehe Infobox). „Früher dachte man, dass Bewusstlosigkeit das erste Zeichen für eine Gehirnerschütterung wäre, doch mittlerweile weiß man, dass es viel früher anfängt“, erklärt Dr. Schwarz. Mittlerweile gelte Bewusstlosigkeit als Warnsignal. Auch eine retrograde Amnesie, also wenn man sich nicht an den Unfallhergang erinnern kann, sei sehr gefährlich. In solchen Fällen solle man unbedingt sofort ins Krankenhaus gehen.<h3> Erneute Gehirnerschütterung kann schwerwiegende Folgen haben</h3>Ein häufiger Fehler bei Gehirnerschütterungen passiere direkt nach dem Unfall: „Viele unterschätzen die Situation und machen einfach weiter. Das sollte man jedoch unbedingt vermeiden. Jegliche sportliche Aktivität sollte sofort abgebrochen werden“, erklärt der Primar der Neurolochirurgie. Das sei besonders wichtig, betont Dr. Schwarz, weil eine erneute Gehirnerschütterung schwerwiegende Folgen haben kann: „Ein zweiter Schlag innerhalb kurzer Zeit kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Die Gefäße können anschwellen, sodass das Gehirn keinen Platz mehr hat und eingeklemmt wird.“<BR /><BR />Doch auch wenn zwischen den Vorfällen mehr Zeit vergeht, können wiederholte Erschütterungen langfristige Konsequenzen haben. „In solchen Fällen kann es zu dauerhaften Beeinträchtigungen kommen. Die geistige Leistungsfähigkeit kann nachlassen – im Extremfall kann dies sogar das Risiko für Alzheimer erhöhen“, erklärt er. Zudem können weitere Beschwerden auftreten, die mit mehrfachen Gehirnerschütterungen in Verbindung stehen, darunter erhöhte Aggressivität, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme.<BR /><BR />Auch das Tragen eines Helms sei in Bezug auf Gehirnerschütterungen nur bedingt hilfreich: „Grundsätzlich ist das Tragen eines Helms sehr wichtig, derzeit schützt er jedoch lediglich vor schweren Verletzungen“, weiß Dr. Schwarz. Die Wucht des Aufpralls übertrage sich trotzdem auf den Kopf und könne das Gehirn schädigen. „Es gibt jedoch neue Helme mit der entsprechenden Technik, die den Schlag abbremsen können“, erklärt er. Solche würden bei der Tagung (siehe oben) vorgestellt.<h3> Drei Fragen an Dr. Andreas Schwarz</h3><b>Woran erkennt man eine Gehirnerschütterung?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Dr. Andreas Schwarz: Die Symptome sind unspezifisch, aber typische klinische Zeichen dafür sind Lichtempfindlichkeit, Schwindel, trübes Sehen, Störung des Gleichgewichts und allgemeine Schwäche. <BR /><b><BR />Was soll man tun, wenn man solche Anzeichen bemerkt?</b><BR />Dr. Schwarz: Man soll die sportliche Aktivität sofort unterbrechen und dem Gehirn 24-48 Stunden Ruhe gönnen. Das bedeutet nicht, dass man in einem dunklen Raum liegen soll, aber körperliche Belastung ist in dieser Zeit zu vermeiden. Bessert sich der Zustand, kann man anschließend langsam wieder mit leichter Bewegung beginnen.<BR /><BR /><b>Wann ist ein Arztbesuch notwendig?</b><BR />Dr. Schwarz: Wenn sich die Symptome innerhalb von zwei Tagen nicht deutlich bessern, sollte man einen Arzt aufsuchen.