„Es ist nun traurige Gewissheit“, sagte der steirische Landespolizeidirektor Gerald Ortner. Als tatverdächtig gilt ein 30-jähriger Mann, der die Polizei zum Fundort der Leiche führte, ein Waldstück nahe seines Wohnortes. Eine Obduktion wurde angeordnet.<BR /><BR />Der verdächtige Polizeibeamte aus dem Bezirk Südoststeiermark soll „an dem Vorfall beteiligt gewesen sein, an dem eine Person zu Tode gekommen ist“, sagte Rene Kornberger vom Landeskriminalamt Steiermark. Kornberger beschreibt die Taktik des Verdächtigen so: „Er hat immer das ergänzt, was unser Ermittlungsstand war.“ <BR /><BR />Am Dienstag war sein Vorrat an Ausreden offenbar aufgebraucht. Er gab die Tötung von Johanna G. zu, beschrieb es aber als einen Unfall beim einvernehmlichen Sex. Und er nannte den Ort, wo er die Leiche in einem Loch verscharrt hatte. Es war ein Waldstück in unmittelbarer Nähe des elterlichen Anwesens im Raabtal. Dort fand man die sterblichen Überreste der jungen Fitnesstrainerin am Dienstagabend.<h3> War am Tag des Todes mit ihr zusammen</h3>Auch Spekulationen über eine mögliche Schwangerschaft des Opfers wurden nicht kommentiert. Als fix gilt, dass der 30-Jährige mit der Frau am 9. Jänner in der Wohnung war. Wo die Frau zu Tode gekommen ist – in der Wohnung, in einem Auto oder im Bereich von Leibnitz – und unter welchen Umständen, ist unklar. Eine Obduktion soll Aufschluss geben. <BR /><BR />Auf den 30-Jährigen war man durch eine Freundin des Opfers gekommen. Zunächst hatte der Polizist noch behauptet, dass er mit dem Opfer zuletzt im Dezember Kontakt hatte, dann gab er zu, mit der Frau am 9. Jänner – am Tag ihres Verschwindens zusammen gewesen zu sein. Gesucht wird das Handy der 34-Jährigen, das soll der Mann aus dem fahrenden Auto geworfen haben.<BR /><BR />Der Verdächtige befindet sich in der Justizanstalt Jakomini. Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Kroschl, soll heute Untersuchungshaft wegen des Verdachts des Mordes verhängt werden.<h3> Zweiter Fall innerhalb kürzester Zeit </h3>Der Fall von Johanna G. ist bereits der zweite bekanntgewordene Femizid im neuen Jahr in Österreich. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/36-jaehrige-im-bezirk-mistelbach-erdrosselt-partner-in-haft" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie erst heute berichtet</a>, wurde in einer 2.000-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Mistelbach (Niederösterreich) eine 36-Jährige erdrosselt. Der Lebensgefährte (47) der Frau wurde festgenommen und in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert.<BR /><BR />Die Tötungsdelikte in der Steiermark und in Niederösterreich haben in Österreich für Entsetzen gesorgt. Das Jahr ist gerade einmal zwei Wochen alt und schon wurden zwei Frauen Opfer eines Femizids. Im vergangenen Jahr gab es 25 Morde an weiblichen Opfern, davon sieben beim Amoklauf in der Steiermark.<BR /><BR />„Zwei Frauen wurden getötet. Von Männern. Zwei Frauenmorde. Femizide. Hinterbliebene und Angehörige stehen unter Schock, trauern, sind wütend“, erklärten Justizministerin Anna Sporrer und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung. <BR /><BR />„Ihnen gilt nicht nur unser Mitgefühl, sondern es muss auch ihre Privatsphäre und besonders jene der Opfer gewahrt werden.“ Die beiden Politikerinnen plädierten für die rasche Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen. Er sei „kein geduldiges Stück Papier“. Die vereinbarten Maßnahmen der gesamten Bundesregierung würden keinen Aufschub dulden. „Als Bundesregierung sind wir die Verpflichtung eingegangen Frauen zu schützen, ihnen ein Leben frei von Gewalt zu ermöglichen. Durch Schutz und Prävention. Durch Männer- und Burschenarbeit. Durch das Einfordern von Verantwortung.“<h3> Kritik am Aktionsplan von den Grünen</h3>„Das Jahr beginnt mit einem frauenpolitischen Alarmruf, den die Bundesregierung bei ihrer heutigen Klausur dringend hören muss: Ein unterfinanzierter Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen, wie ihn die Bundesregierung im Vorjahr vorgelegt hat, reicht nicht aus“, kritisierte Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen. „Ich erwarte mir hier deutliche Nachbesserungen, damit wichtige Gewaltschutz- und Gewaltpräventionsmaßnahmen langfristig ausreichend finanziert sind. Wer hier kürzt, handelt fahrlässig und gefährdet Frauenleben.“<BR /><BR />Auch Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenringes, zeigte sich entsetzt: „Zwei Femizide innerhalb von wenigen Tagen. Das neue Jahr beginnt mit einer schwarzen Woche für Frauen.“ Es wären junge Frauen gewesen, die sicher noch gerne gelebt hätten. Es waren Frauen, deren Angehörige nun mit dieser traurigen Tatsache leben müssen, wie so viele vor ihnen, so Frieben. „Gewalt gegen Frauen in jeder Form ist die größte Krise dieses Landes, hervorgerufen durch Männergewalt. Das sollte uns bewusst sein.“<h3> Rückgang der Zahlen laut BK</h3>Laut Zahlen des Bundeskriminalamtes (BK) gab es im Zeitraum vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2025 25 getötete Frauen. Im Vergleichszeitraum 2024 waren es 29 weibliche Opfer, was einen leichten Rückgang bedeutet. Die Polizei in Österreich setze auf Prävention, wurde betont. So wurden 2024 14.583 Betretungsverbote ausgesprochen, 12.534 Gefährder wurden zur Gewaltprävention vorgeladen und es wurden 193 sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen abgehalten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1261407_image" /></div> <BR /><BR />16 Frauenmorde im Jahr 2025 waren mit Bezug zu Gewalt in der Privatsphäre. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 24 Fälle. Das entspreche einem Rückgang von über 30 Prozent, so das BK. Die Zahl der männlichen und weiblichen Tötungsopfer sei laut einer Analyse der FH Joanneum im Auftrag des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren seit den 1990er-Jahren annähernd gleich hoch. Frauen sind zu rund 66 Prozent Opfer von Tötungsdelikten im Haushalt oder im Kontext von Partnerschaft. Rund 66 Prozent der männlichen Opfer sterben durch Gewalt im öffentlichen Raum.