Mittwoch, 07. September 2016

Die Vinschger Grenzpendler unter der Lupe

Zum Arbeiten in die Schweiz zu gehen, hat für viele Vinschger Familien eine lange Tradition, die auf beschränkte Arbeitsmöglichkeiten im Tal und auf ein attraktives Lohngefälle gründet. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Mals hat die Landesabteilung Arbeit eine Studie zu den Vinschger Grenzpendlern vorgestellt.

Badge Local
Foto: © STOL

Die Untersuchung des Landesamtes für Arbeitsmarktbeobachtung gibt Aufschluss darüber, woher die Pendler kommen und wo sie arbeiten, und analysiert die Bedeutung für ihre Heimatgemeinden und für den Arbeitsmarkt.

Die Arbeitslandesrätin Martha Stocker erwähnte in ihrer Einleitung die Bedeutung der Grenzpendler für die Herkunftsgemeinden: "Im Obervinschgau gibt es viele Gemeinden, in denen es ohne Grenzpendlertum sicher anders aussehen würde", bezog sich Landesrätin Stocker sowohl auf den Arbeitsmarkt als auch auf den Steuerrückfluss. In der Geschichte der Grenzpendler sei es immer wieder zu Veränderungen etwa im Lohnausgleich, dem Arbeitslosengeld und der Krankenversicherung gekommen.

Vinschger Grenzpendler arbeiten vor allem im Kanton Graubünden

"Während nur ein bis zwei Schweizer im Obervinschgau eine Arbeit finden, pendeln 1000 bis 1500 Obervinschger in die Schweiz", ging der Direktor der Landesabteilung Arbeit Helmuth Sinn auf die Studie und insbesondere auf die Zielgebiete der betroffenen Arbeitnehmer ein.

Die Grenzpendler seien dabei vor allem in Graubünden, insbesondere im nahen Engadin, im Münstertal und im Zollausschlussgebiet Samnaun beschäftigt, ohne dass sie dafür ihren Wohnsitz verlegen müssten. So seien etwa in Scuol 70, in Valsot 20 und in Zernez 150 Vinschger beschäftigt, im Münstertal 400 (davon 100 aus dem angrenzenden Taufers, 150 aus Mals und je 60 aus Schluderns und Prad am Stilfserjoch) und in Samnaun 80 Vinschger Grenzpendler.

Die Grenzpendler standen im Mittelpunkt einer Pressekonferenz am Mittwoch in Mals mit Abteilungsdirektor Helmuth Sinn, Bürgermeister Ulrich Veith, Landesrätin Martha Stocker und Amtsdirektor Stefan Luther (v.l.). - Foto: LPA

"Österreich ist hingegen weniger interessant, so sind etwa in Nauders, Pfunds und Umkreis vergleichsweise nur 30 bis 50 Vinschger Grenzpendler beschäftigt", erklärte Abteilungsdirektor Sinn. Überraschend sei zudem das Phänomen der Passeirer Grenzpendler in die Schweiz, zumal im Gebiet von Kastelbell/Tschars bis Meran der Anteil der Arbeitnehmer, die jenseits der Grenze beschäftigt sind, unter 1 Prozent liegt: In Moos in Passeier liegt der Anteil der Grenzpendler bei 4 Prozent, in St. Martin bei 2-3 Prozent und in St. Leonhard bei 1 Prozent, das entspricht in Summe etwa 60 bis 70 Arbeitnehmern im gesamten Tal. Das Phänomen der Grenzpendler muss daher bei Analysen des Passeirer Arbeitsmarktes berücksichtigt werden.

Taufers im Münstertal: 40 Prozent der Arbeitnehmer pendeln in die Schweiz

Der Direktor des Landesamtes für Arbeitsmarktbeobachtung Stefan Luther ging bei der Pressekonferenz hingegen auf die Herkunftsgemeinden der Grenzpendler ein.

"Im Obervinschgau liegt der Anteil der Grenzpendler im Schnitt bei 15 Prozent, wobei die Spitze mit 40 Prozent in Taufers im Münstertal erreicht wird", unterstrich Amtsdirektor Luther.  Die Studie sei besonders für die Bestimmung der Arbeitnehmerquote von Bedeutung, erklärte Luther. Werden die Grenzpendler bei der Berechnung der Zahl der unselbständig Beschäftigten im Verhältnis zu den Einwohnern nicht berücksichtigt, so nimmt die Fehlerquote vor allem für den Obervinschgau (8,3 Prozent) und für Taufers (23,1 Prozent) erheblich zu.

Abschließend analysierte Luther die Situation in den Gemeinden anhand des Beispieles von Mals, wo 9 von 100 Einwohnern einer Arbeit jenseits der Grenze nachgehen, 6 Männer und 3 Frauen. Das Alter spielt laut den statistischen Daten keine Rolle, 5 der betroffenen Beschäftigten sind unter 40 und 4 über 40 Jahre alt. 93 Prozent der Malser Grenzpendler arbeiten in der Schweiz und 7 Prozent in Österreich.

lpa

stol