<b>Von Martina Hofer</b><BR /><BR />„Stell dir vor, ich wäre deine Mama! Meinst du, die möchte dich so sehen?“ Es reicht dieser eine, bestimmte Satz an jenem Oktoberabend vor dem Ufo in Bruneck, und plötzlich wird der pöbelnde junge Mann ganz ruhig. Michaela Angeloni ruft ihm noch ein Taxi, dann stellt sie sich wieder an den Eingang. Die Arbeit der Frau in Neon-Schwarz ist noch lange nicht getan. Fünf Stunden und mehr am Stück steht die einstige Verkäuferin mehrmals im Monat ihren „Mann“ in einer Branche, die so gar nicht mit Frauen assoziiert wird. <h3> Mehr „Psychologin“ als Rausschmeißerin</h3>„Was ist, wenn dir was passiert? Lass dich doch nicht freiwillig zusammenschlagen!“, meinte auch der Partner von Michaela Angeloni, als sie im Jahr 2023 damit liebäugelte, die Supermarktkasse gegen ein Absperrgitter zu tauschen. „Diese Arbeit aber hat mich schon immer fasziniert, und als ein Südtiroler Security-Unternehmen eine Portierin und Parkplatzeinweiserin für ein Pusterer Unternehmen gesucht hat, hab ich mich kurzerhand beworben.“<BR /><BR />Zwei Jahre ist das nun her. Seitdem weist die Dreifachmama nicht mehr nur Lkw bei „Intercable“ in die richtige Position, sondern sorgt auch nachts bei Maturabällen, Zeltfesten oder Krampusläufen im ganzen Land für geregelte Abläufe, Sicherheit und Ordnung. Angst? Nein, das habe sie nicht, lacht Angeloni.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1241013_image" /></div> <BR />Obschon die 43-Jährige Selbstverteidigungskurse absolviert hat, brauchte sie diese Kenntnisse bis heute kaum. „Klar kann immer was passieren, aber das kann es auch, wenn man nur durch die Stadt geht. So weit darf man nicht denken“, ist sie sich bewusst.<BR /><BR />Außerdem, so merkt sie, würden Gäste weiblichem Security-Personal mit deutlich mehr Respekt begegnen. „Dieses Gefühl, die Kontrolle zu haben, hat mich in den vergangenen Jahren auch als Frau sehr selbstsicher gemacht – und das merken die Leute“, weiß sie aus verschiedenen Situationen. <BR /><BR />Ihre Stärke liegt dabei im Kopf, nicht in der Faust. Immer wieder gelingt es ihr, aufgeheizte Situationen mit Ruhe und Worten zu entschärfen. „Ich sage ganz eisern, dass nun genug ist und man sich so benehmen soll, wie es einem die Eltern beigebracht haben.“ Diese Mischung aus Konsequenz und Fürsorglichkeit kommt vor al<?TrVer> lem bei jungen Menschen gut an. „Manchmal fühle ich mich wie eine Psychologin“, erzählt sie und erinnert sich an ein Mädchen, dem sie nach einer Trennung gut zureden musste – oder an einen Jungen, der sein Handy verloren hatte und die Security-Frau bat, Mama anzurufen. <BR /><BR /><h3> Ein familienfreundlicher Job in einer Männerdomäne</h3>Gewalttätige Auseinandersetzungen, wie sie sie aus ihren eigenen Jugendjahren kennt, erlebt Mi<?TrVer> chaela Angeloni heute kaum. „Jedes Event braucht mittlerweile Sicherheitspersonal, damit haben Schlägereien und Eskalationen si<?TrVer> cherlich abgenommen.“ Der Al<?TrVer> koholkonsum jedoch kaum. Es werde immer noch viel, ja zu viel getrunken, und damit wird – oft gepaart mit Drogen oder K.o.-Tropfen – die eigene Kontrolle abgegeben. Als Mama findet Angeloni das besonders schlimm. „Ich denke mir da oft, oje, wenn das meine Tochter wäre“, erzählt sie und nimmt darum auch andere Mütter ernst, die ihr den Auftrag geben: „Schau mir bitte ein bisschen auf mein Kind.“<BR /><BR />Auf ihre drei eigenen Kinder (16, 7 und 4 Jahre) schaut während ihrer Arbeit, die meist erst am Abend beginnt, übrigens ihr Partner und bei Bedarf auch Oma. „Somit kann ich tagsüber bei den Kindern sein und verdiene mit wenigen Arbeitsstunden mehr als früher im Vollzeit im Handel“, erzählt sie von der guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf.<BR /><BR />Nicht zuletzt deshalb wirbt sie für weitere Kolleginnen in der Branche – egal ob Vollzeit, Teilzeit oder einfach in der Freizeit. „Die Statur ist zweitrangig. Die Einstellung muss passen, damit man überlegt handelt und nicht intuitiv reagiert“, nur das zähle. Mit ihrer Jobwahl hat die Pustererin nicht nur ihre Passion zum Beruf gemacht.<BR /><BR />Sie möchte außerdem jungen Frauen ein Vorbild sein, den eigenen Weg zu gehen. „Außerdem komme ich Stars an Bühnen und Strecken so nah wie kaum ein anderer“, schmunzelt sie in Hinblick auf Olympia in Anholz, wo sie mit mindestens genauso viel Ausdauer und Konzentration an den Start gehen will wie die Athleten selbst.