Samstag, 12. Juni 2021

Die wahren Helden der Feuernacht

„Dolomiten“-Chefredakteur Toni Ebner schreibt in seinem Leitartikel darüber, welche Folgen die Feuernacht vor 60 Jahren mit sich brachte, wer die Opfer und wer die wahren Helden waren.

„Dolomiten“-Chefredakteur Toni Ebner schreibt im heutigen Leitartikel über die Feuernacht vor 60 Jahren.
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„Dolomiten“-Chefredakteur Toni Ebner schreibt im heutigen Leitartikel über die Feuernacht vor 60 Jahren. - Foto: © ÖA / jaidermartina
Gewalt bleibt Gewalt. Auch nach 60 Jahren.

Die Feuernacht hat unser Land in eine tiefe Krise gestürzt. Die Sprengung der Strommasten hat zwar für internationales Aufsehen gesorgt. Die Durchsetzung der berechtigten Forderungen der Südtiroler wurde mit diesen Anschlägen aber gefährdet, wie Zeithistoriker mit Dokumenten belegen können (siehe Rolf Steininger, „Die Feuernacht und was dann?“ – die über 100 Seite starke Broschüre gibt es auf s+).

Damals wurde Südtirol zu einem Pulverfass. Verschiedene Kräfte in Österreich, Deutschland und Italien versuchten die Lunte zu zünden, damit es zum Bürgerkrieg kommt.

Was oft idealistisch gesinnte Männer und Frauen mit Anschlägen auf Strommasten, Gebäude und Denkmäler begonnen hatten, endete im Terror. Nationalisten beider Seiten schürten den Konflikt, und Geheimdienste aus Ost und West mischten fleißig mit. Man wollte den Bürgerkrieg mit vielen Toten wie im Baskenland oder in Nordirland.

Obwohl wir davon verschont geblieben sind, darf man nicht vergessen, was die verschiedenen Terroraktionen bewirkt haben: 33 Tote, über 60 Verletzte, zerstörte Familien, verzweifelte Ehefrauen und verschreckte Kinder auf beiden Seiten sowie durch Folter gedemütigte Männer, harte Gefängnisstrafen, die Verpflichtung, viele Milliarden Lire Schaden zu ersetzen, und daher mit Hypotheken belastete Höfe, Häuser und Wohnungen.

Die Leidtragenden der Südtiroler Bombenjahre waren die Familien auf beiden Seiten, die Tote zu beklagen hatten. Und Opfer waren die Mütter und Väter, Frauen und Kinder der Attentäter der 60er Jahre.

Die Strategen saßen in ihren Büros in Innsbruck und schickten Familienväter und folgsame Söhne mit Dynamit und Zeitzündern zum Sprengen der vorgegebenen Zielobjekte. Es folgte unausweichlich die Identifikation, für viele die Folter und das Gefängnis – für die Drahtzieher in Innsbruck begann die Karriere.

Viele Familien stürzten in schwere Not. Frauen und Kinder hatten nicht nur unter wirtschaftlichen Problemen zu leiden, sie trugen bleibende Traumata davon. Die Attentate und somit die Gewalt sollten daher nicht verherrlicht werden. Es sollte viel mehr derer gedacht werden, die unter diesen Attentaten gelitten haben und teilweise auch heute noch leiden.

Das sind die wahren Helden der Feuernacht.

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