Die Waldbrände des Vorjahres vom Latscher Sonnenberg und am Montoni? Das könnten Vorboten sein für das, was im alpinen Raum wegen des Klimawandels in Zukunft öfter vorkommt. Was das bedeutet, ist Thema der Forschung und war Thema in Schluderns.<BR /><BR />Nach den beiden riesigen Waldbränden des Vorjahres bei Latsch (93 Hektar) und Prad (145) gab es verschiedene Veranstaltungen, die sich mit der Thematik befassten. Es ging dabei vor allem darum, die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte zu analysieren und sich zu überlegen, was in Zukunft anders bzw. besser ablaufen könnte.<BR /><BR />Eine zweitägige Fachtagung von Eurac Research in Schluderns und Latsch beschäftigte sich auch mit dem Thema „Wenn Wälder brennen“. Eine Reihe von Experten und Expertinnen sprach über diverse Aspekte wie Waldökologie oder Brandbekämpfung, die Raikas Latsch und Prad-Taufers unterstützten das Ganze. Mit dabei waren vor allem auch Vertreter der Forstbehörde und der Freiwilligen Feuerwehren, die bei der Bekämpfung von Waldbränden eine wesentliche Rolle spielen.<h3>Forschung hautnah erleben, auch bei komplexen Themen</h3>„Das Thema Waldbrand ist hochaktuell“, sagte der Schludernser Bürgermeister <b>Heiko Hauser</b> und dankte allen Beteiligten. <b>Harald Pechlaner</b> von Eurac Research moderierte und betonte, dass sein Institut auch im ländlichen Raum wie dem Vinschgau aktiv sein wolle. Akademische Themen sollten beim Bürger ankommen, dazu diene auch die Tagungsreihe, welche eine Fortsetzung der Churburger Wirtschaftsgespräche darstellt.<BR /><BR />Erster Referent war <b>Roman Horrer</b>, Präsident des Untervinschger Feuerwehrbezirks. Er fasste die Löschmaßnahmen am Latscher Sonnenberg zusammen und sagte, dass die Lage heikel war. Der Schutz des Weilers St. Martin sei eine große Herausforderung gewesen, nur dank bester Zusammenarbeit aller sei dies letztendlich gelungen. Evakuierungspläne, Hubschraubereinsätze, Presseanfragen zuhauf oder die Koordinierung von Hunderten Einsatzkräften – die Abläufe waren komplex und nicht zu unterschätzen.<h3>Komplexe Lage bei den großen Waldbränden</h3>Da stellt sich die Frage, wie es künftig weitergeht mit den Waldbränden im alpinen Raum? Der Klimawandel führt zu längeren Trockenperioden, das verheißt nichts Gutes in diesem Sinne, wie mehrfach bei der Tagung betont wurde.<BR /><BR />Waldbrandforscher <b>Mortimer Müller</b> sagte, dass derzeit teils zu optimistisch in die Zukunft geblickt werde. Man müsse mit großen Brandszenarien rechnen, deren Bekämpfung könnte künftig nur noch schwer bis sogar gar nicht möglich sein. Das sei zwar nicht zu 100 Prozent sicher, aber bei Vorbereitungsszenarien solle man besser zu pessimistisch sein als umgekehrt. <BR /><BR />In Gebieten des Alpenraumes müsse man wohl lernen, mit Feuern zu leben, bestimmte Maßnahmen wie das kontrollierte Abbrennen von Flächen als Schutz vor noch größeren Feuern seien dringend zu überlegen. In diese Richtung argumentierte auch <b>Judith Kirschner</b> – das Risiko von (großen) Waldbränden nimmt zu, sagte sie.<h3>Die Bevölkerung muss mitmachen</h3>Es wurde unterstrichen, dass Aufklärung und Sensibilisierung wichtig sind. Die Bevölkerung müsse wissen, was künftig auf sie zukommen könnte und es sei wichtiger denn je, Brände zu verhindern. Damit hänge auch das Freizeitverhalten der Menschen zusammen, denn die allermeisten Brände haben „menschliche“ Ursachen wie z. B. weggeworfene Zigaretten. <BR /><BR />Man müsse sich bereits jetzt mit Feuern beschäftigen, die man bisher noch nicht hatte – jenes in Prad z. B. sei ein solches gewesen, dort habe das Feuer auch ein Tal übersprungen. Roman Horrer, Harald Pechlaner, <b>Andreas Platter</b> (Forst), Bezirkspräsidentin <b>Roselinde Gunsch</b> und Heiko Hauser machten sich keine Illusionen. Man müsse vorsorgen und achtsam sein. Themen wie die Fortsetzung der Almbewirtschaftung, realistische Übungen, Wasserressourcen, Evakuierungspläne oder allgemein Präventionsarbeit und Information würden immer wichtiger, daran führe leider offensichtlich kein Weg vorbei.