Mittwoch, 03. April 2019

Die Wanzen fühlen sich wohl

Rasant vermehrt hat sich die Marmorierte Baumwanze im vergangenen Jahr – und inzwischen haben auch viele Bürger in Privatgebäuden unliebsame Bekanntschaft mit der Wanze gemacht, sagt Landesrat Arnold Schuler.

Rasant vermehrt hat sich die Marmorierte Baumwanze im vergangenen Jahr.
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Rasant vermehrt hat sich die Marmorierte Baumwanze im vergangenen Jahr. - Foto: © shutterstock

Das Versuchszentrum Laimburg ruft dazu auf, Sichtungen weiterhin zu melden. Bisher sind Funde aus 32 Gemeinden eingetroffen. Besonders viele Wanzen wurden aus dem Raum Meran, Lana, Bozen und dem Unterland – Leifers, Pfatten und Auer – gemeldet.

„Unseren Auswertungen zufolge liegt das Kerngebiet derzeit in der Talsohle des Burggrafenamts, im Überetsch-Unterland und in der Umgebung um Brixen“, sagt Stefanie Fischnaller von der Arbeitsgruppe Entomologie im Versuchszentrum Laimburg. Einzelne Meldungen gingen aber auch von Lagen über 800 Metern Meereshöhe ein, wie etwa aus Unterinn, Deutschnofen oder Völs.

„Die Sterberate der Tiere in den Überwinterungsquartieren ist meist relativ hoch“, sagt Fischnaller. „Diejenigen, die diese Phase überlebt haben, beginnen nun, die Winterquartiere aktiv zu verlassen. Dort, wo sich stabile Populationen im vergangenen Jahr aufgebaut haben, werden sie auch heuer höchstwahrscheinlich zu finden sein. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Wanze in den Talsohlen im Überetsch Unterland, Burggrafenamt und in Bozen gehalten hat. Wie sich die Situation heuer darstellen wird, ist jedoch noch nicht genau absehbar.“

Bekämpfung ist nicht einfach

Mithilfe von Freilandkäfigen haben die Forscher des Versuchszentrums Laimburg die Biologie des Schädlings genauer untersucht. Demnach herrschen im Unterland gute Bedingungen für die Wanze: „Hier können sich sogar 2 Generationen pro Jahr entwickeln, die in der späteren Vegetationsperiode zur selben Zeit aktiv sind, was wiederum zu einer raschen Populationszunahme innerhalb eines Jahres führen könnte,“ erläutert Fischnaller. „Dies könnte unter Umständen auch zu einem vermehrten Einflug der Wanze in landwirtschaftliche Kulturen führen, wobei innerhalb der Apfelanlagen bisher nur eine geringe Vermehrung des Insektes beobachtet wurde.“

Die Marmorierte Baumwanze wurde unter anderem auf Granatäpfeln, Wilden Reben und Zitrusfrüchten im Garten, an Hausmauern oder an Tomaten- und Paprikapflanzen auf Terrassen gefunden. Mithilfe der Beobachtungen aus der Bevölkerung konnten darüber hinaus auch erste Wirtspflanzen des Schädlings in Südtirol identifiziert werden, wie etwa Ahorn oder Götterbaum.

Die Bekämpfung ist nicht einfach. „Für die Zukunft setzt man große Hoffnung auf die biologische Kontrolle der Marmorierten Baumwanze über Eiparasitoide“, erklärt Fischnaller. „Diese kleinen Insekten suchen aktiv die Eigelege ihres Wirtes auf, legen die eigenen Nachkommen in diese Wirtseier ab, welche sich von diesen ernähren. In China sind zwischen 50 und 80 Prozent der Eigelege der Marmorierten Baumwanze im Freiland parasitiert und dadurch natürlich reguliert. Am Versuchszentrum Laimburg laufen schon Untersuchungen, um die in Südtirol präsenten Gegenspieler der Marmorierten Baumwanze zu identifizieren“, sagt Fischnaller.

Pflanzenschutzmittel (Insektizide) sollten nur bei einem aktiven Befall von Tieren in den Anlagen eingesetzt werden. Vorbeugend habe der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln keinen Sinn.

In Friaul-Julisch-Venetien schütze man sich mit Insektenschutznetzen. Diese Einnetzung zeige eine gute Wirksamkeit bei der Minimierung von Schäden durch einwandernde, ausgewachsene Tiere.

Das Institut für Pflanzengesundheit des Versuchszentrums Laimburg nimmt Beobachtungen unter der Mail-Adresse [email protected] laimburg.it entgegen. Weitere Infos gibt es hier.

D/hof

stol