Montag, 13. April 2020

Die Welt im Corona-Dilemma: Vorsicht oder Normalbetrieb?

US-Präsident Donald Trump möchte die USA so schnell wie möglich wieder in den Normalbetrieb versetzen. In Spanien sollen die Menschen ab diesem Montag wieder zur Arbeit gehen dürfen. Großbritannien ist indes noch nicht über den Berg.

In China wird desinfiziert.
In China wird desinfiziert. - Foto: © APA (AFP) / STR
Die Versuchung, Beschränkungen des öffentlichen Lebens zurückzufahren, ist groß angesichts der wirtschaftlichen Verluste. Aber Virologen warnen: Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Es bestehe das Risiko, dass die Infiziertenzahlen wieder hochschnellen könnten.

Der prominente Immunologe und Berater Trumps, Anthony Fauci, hält eine Rückkehr zur Normalität allenfalls schrittweise und mit regionalen Abstufungen für möglich.

Trump hatte Rückkehr zur Normalität zu Ostern in Aussicht gestellt

Das öffentliche Leben in den USA steht wegen der Krise in weiten Teilen still, was der Wirtschaft extrem zu schaffen macht. Ursprünglich hatte Trump eine Rückkehr zur Normalität schon für diese Tage, zu Ostern, in Aussicht gestellt. Aber dann traf die Covid-19-Pandemie die USA mit voller Wucht, täglich gibt es seither traurige Rekorde.

Die USA haben inzwischen in absoluten Zahlen weltweit die meisten Toten durch die Corona-Epidemie zu verzeichnen: Mehr als 22.000 Menschen starben bis zum Abend des Ostersonntag im Zusammenhang mit dem Virus. Trump will aber die Wirtschaft rasch wieder zum Laufen bringen.

Trump versuchte den Vorwurf zu entkräften, er habe zu spät auf die heraufziehende Pandemie reagiert. Er verstehe nicht, warum die Medien und die US-Demokraten ihn dann so heftig für die Einführung eines Einreiseverbots aus China kritisiert hätten, schrieb er auf Twitter und fügte hinzu: „Korrupte Medien!“.

Ranghohe Berater des Präsidenten hatten Medienberichten zufolge bereits Ende Jänner vor einer Coronavirus-Pandemie gewarnt, in deren Folge Hunderttausende Amerikaner ums Leben kommen könnten. Trump selbst beteuerte noch bis Anfang März, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge.

In Spanien steht erste Lockerung an

In Spanien steht die erste Lockerung der strikten Ausgangsbeschränkungen für die fast 47 Millionen Einwohner an. Seit zwei Wochen durfte nur noch zur Arbeit, wer in unverzichtbaren Branchen tätig ist.

Ab Montag dürfen die meisten Spanier nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren - die strenge Ausgangssperre, die noch bis mindestens Mitternacht am 25. April gilt, bleibt aber ansonsten bestehen. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür.

Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt unterdessen auch über Ostern an. Binnen 24 Stunden wurden knapp 4.200 neue Fälle registriert, eine Zunahme um knapp 2,6 Prozent auf insgesamt 166.000 - eine vergleichsweise niedrige Zuwachsrate.

Düsterer Tag“ in Großbritannien

Von einem „düsteren Tag“ sprach jedoch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10.000er-Marke übersprungen. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind.

Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Großbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa sein könnte.

Aber zumindest der an Covid-19 erkrankte Premierminister Boris Johnson hat seine schwere Erkrankung überstanden. Er konnte das Krankenhaus verlassen und soll sich nun auf dem Landsitz Chequers erholen.

Der 55-Jährige lobte die Mitarbeiter des St. Thomas' Hospitals in höchsten Tönen: „Ich verdanke ihnen mein Leben.“ Es wird erwartet, dass er erst in einigen Wochen die Regierungsgeschäfte übernehmen kann. Johnson ist über den Berg, sein Land noch nicht.

apa