Seit Herbst 2021 läuft das weltweite Projekt von Papst Franziskus, an dem sich auch die Diözese Bozen-Brixen beteiligte. Nach einer Phase von Beratungen und Befragungen auf lokaler Ebene und dem Bündeln der Ergebnisse in 7 kontinentalen Versammlungen findet jetzt in Rom bis 29. Oktober das erste Treffen auf Weltebene statt; eine zweite Versammlung ist für Herbst 2024 angesetzt. <BR /><BR /><b>Was passiert eigentlich bei der Weltsynode?</b><BR /><BR />In dem zunächst auf 2, mittlerweile auf 3 Jahre angelegten mehrstufigen Dialog soll die katholische Kirche vor allem einen anderen Beratungs- und Entscheidungsstil einüben. Im kommenden Oktober, also am Ende des zweiten Jahres, treffen sich 365 stimmberechtigte Teilnehmende aus allen Erdteilen in Rom, um über neue Wege der Teilhabe zu sprechen. Erstmals haben dabei auch ungeweihte Kirchenmitglieder, darunter Frauen, ein Mitsprache- und Stimmrecht.<BR />Neben neuen Methoden sollen in der einmonatigen Konferenz auch Themen diskutiert werden, die Änderungen in der katholischen Lehre mit sich bringen könnten. Beschlüsse dazu sind aber zunächst nicht vorgesehen. <BR />Viel Wert legen die Organisatoren – allen voran der Papst – auf den geistlichen Aspekt. Begleitet werden die Beratungen von Gebeten und Gottesdiensten. Es gilt herauszufinden, welche Entscheidung Gottes Willen entsprechen könnte. Unvoreingenommenes Zuhören und das anschließende Reflektieren darüber sollen geübt werden.<BR />Stets betont das zuständige Synoden-Sekretariat die Offenheit des Prozesses. Eine typisch katholische Form der Synodalität müsse noch gefunden werden, räumte der Inhalte-Koordinator der Veranstaltung, Kardinal Jean-Claude Hollerich, ein. Dazu soll die kommende Synode ein Weg sein.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="945781_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Wie ist der zeitliche Ablauf der Synode?</b><BR /><BR />Nach einem ökumenischen Abendgebet am 30. September auf dem Petersplatz ziehen sich die Synodalen am 1. Oktober zunächst zu Besinnungstagen in ein Haus in Sacrofano nördlich von Rom zurück. Am 4. Oktober wird die Synode mit einer Messe eröffnet, am 29. Oktober mit einer solchen beendet. Dazwischen finden die Beratungen statt, basierend auf dem im Juni veröffentlichten Arbeitspapier (Instrumentum laboris). Am Ende der vierwöchigen ersten Sitzungsperiode der Synode – der zweite Teil folgt 2024 – wird ein Synthesepapier als Zusammenfassung der Beratungen erstellt und veröffentlicht.<BR /><BR /><b>Wie sind die Beratungen organisiert?</b><BR /><BR />Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl tagt die Synode diesmal in der großen Audienzhalle im Vatikan. Beraten wird im Plenum und in Gruppensitzungen. Nach sprachlicher und inhaltlicher Präferenz werden die Arbeitsgruppen aus jeweils rund 12 Personen zusammengesetzt. 14 der Sprachgruppen („Circoli Minori“) werden auf Englisch arbeiten, 8 auf Italienisch, 7 auf Spanisch, 5 auf Französisch und eine auf Portugiesisch.<BR />Die Beratungen umfassen 3 Phasen. Zu Beginn werden sich alle Gruppen mit dem ersten Teil des Arbeitspapiers „Für eine synodale Kirche“ auseinandersetzen. In den folgenden 2 Wochen arbeiten die Teams dann an den drei weiteren Modulen des Dokuments: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung. Jede Gruppe erhält zu jedem dieser Themen eines von 5 Arbeitspapieren mit speziellen Fragestellungen.<BR />In der Schlusswoche wird – ebenfalls abwechselnd in Kleingruppen und im Plenum – daran gearbeitet, die Resultate in einem gemeinsamen Synthesebericht zusammenzufassen. Am 28. Oktober folgen eine abschließende Lesung und die Genehmigung des Papiers.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="945784_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wer darf abstimmen, wer berät mit?</b><BR /><BR />Papst Franziskus hat 365 stimmberechtigte Mitglieder für die Synode nominiert. Ergänzt werden sie durch 61 internationale Berater, darunter etwa die an der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz lehrende Pastoraltheologin Klara Csiszar, 9 Gastteilnehmer und 12 Ökumene-Vertreter – insgesamt also etwa 450 Personen. Hinzu kommen rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Synodensekretariats.<BR />Neben Bischöfen und Ordensoberen haben Priester, Diakone und Ordensleute sowie erstmals in größerem Umfang auch ungeweihte Katholikinnen und Katholiken Stimmrecht. Die Nicht-Bischöfe machen bei der Versammlung ungefähr ein Viertel aus. Etwa jede siebente Stimme ist weiblich. Mit 73 Prozent sind die Bischöfe klar in der Überzahl. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie bei Abstimmungen eine Dreiviertelmehrheit bilden. Unter ihnen sind Männer mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen zur Zukunft der katholischen Kirche.<BR />So hat Franziskus auch einen der schärfsten Kritiker seines Projekts berufen: den deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller. Der Papst will möglichst viele mitnehmen bei der Klärung der Frage, wohin die „gemeinsame Reise“ der katholischen Kirche geht. Haben auch die Kritiker ein Mitspracherecht, sind sie Teil des Prozesses und könnten ihn am Ende mittragen.<BR />Die Veranstaltung im Oktober ist kein Einzelereignis. Vor dem Treffen auf Weltebene wurden die Gläubigen in allen Ländern befragt, dann folgten Beratungen auf kontinentaler Ebene. Die jeweiligen Ergebnisse flossen in Arbeitspapiere ein. Ausdrücklich soll das finale Dokument eine Ergänzung zu den übrigen sein.<BR /><BR /><b>Was kann rauskommen und was nicht?</b><BR /><BR />Grundsätzlich bleibt die Weltsynode kirchenrechtlich eine Bischofssynode – trotz teilnehmender Nicht-Bischöfe. Seit 1965 dient diese in regelmäßigen Abständen und zu bestimmten Themen als Beratungsorgan für den Papst.<BR />Am Ende kann die Synode abstimmen und dem Papst Empfehlungen vorlegen, die letzte Entscheidung liegt aber bei ihm. Er kann sie in einem verbindlichen „Nachsynodalen Schreiben“ festhalten. Nicht immer hat er sich an die Empfehlungen der Synode gehalten. Meint er es mit mehr Teilhabe in der Kirche ernst, wird er diesmal vielleicht anders handeln.<BR />Nicht geplant sind Reformen etwa zu einem Weiheamt für Frauen oder einer Lockerung der Ehelosigkeit bei Priestern. Die Organisatoren warnen vor zu hohen Erwartungen in diesem Zusammenhang. Allerdings kann die Synode eine Vorbereitung für folgende Beratungstreffen sein. Wenn sie gelingt, könnten kommende Bischofssynoden in neuer Form mit umfangreicherer Beteiligung stattfinden.<BR /><BR /><b>Wie geht es nach der Versammlung weiter?</b><BR /><BR />Mit Ende der Beratungen im Oktober ist die Weltsynode nicht vorbei. Papst Franziskus hatte den Prozess frühzeitig um ein weiteres Jahr verlängert. So findet 2024 noch ein Treffen auf Weltebene im Vatikan statt.<BR />Dort werden dieselben Teilnehmer die endgültigen Handlungsempfehlungen für den Papst beschließen. Beobachter rechnen damit, dass es dazwischen weitere Beratungen in den Ortskirchen geben wird. Nach der Versammlung der Synode im Jahr 2024 wird der Papst über die Empfehlungen entscheiden.