Dass es ein Bürgermeister nicht immer einfach hat, das würde Roland Pernthaler sofort unterschreiben. Vor allem in seiner zweiten Amtsperiode im Rathaus von Tscherms gab es mehrere Kämpfe durchzustehen, erzählt Pernthaler. <BR /><BR /><i><BR /><BR />Interview: Lisa Ehrenstrasser</i><BR /><BR /><BR /><b>Herr Pernthaler, was hat Sie in die Gemeindepolitik gebracht?</b><BR />Roland Pernthaler: 2005 war es der Zufall. Es gab schon damals große Probleme, Kandidaten zu finden. Ich wurde als SVP-Arbeitnehmer und Obmann der Musikkapelle auf Anhieb gewählt und war eine halbe Periode Gemeinderat und eine halbe als Gemeindereferent im Ausschuss.<BR /><BR /><b>Bei der nächsten Wahl 2010 haben Sie für das Bürgermeisteramt kandidiert.</b><BR />Pernthaler: Ja, Bürgermeister Karl Huber war mandatsbeschränkt. Ich und Paul Obertimpfler, der als Gemeindereferent mandatsbeschränkt war, haben für das Bürgermeisteramt kandidiert. Ich habe sehr viele Vorzugsstimmen erhalten. Das war ein schöner Vertrauensbeweis.<BR /><BR /><b>Wie würden Sie Ihre Gemeinde beschreiben?</b><BR />Pernthaler: Wir sind eine von jenen kleinen Gemeinden, die nicht mit Geld überschüttet werden, aber wir sind fast schuldenfrei. Allerdings müssen wir die Hälfte der uns zustehenden Investitionsgelder von 3,5 Millionen Euro 10 Jahre lang für die Rückzahlung der Schulden für den Bau des Kindergartens und der Kita und die Sanierung und Erweiterung der Grundschule verwenden. Aber kleine Wünsche können wir uns leisten. Wir haben auch immer alle möglichen Beiträge abgeholt. Aber was unmöglich ist, sind große Investitionen, da sind wir auf Schenkungsgelder des Landes angewiesen.<BR /><BR /><b>Was Familien glücklich macht</b><BR /><BR /><b>In Ihrer ersten Amtszeit wurde ein Dorfleitbild erarbeitet.</b><BR />Pernthaler: Ja, das Dorfleitbild 2013–2023 mit einer schönen Bürgerbeteiligung. 80 Prozent haben wir schon umgesetzt. Es sind kleine Projekte, aber sie machen Familien glücklich. Die Turnhalle war auch im Leitbild, aber mit dem Zusatz, „wenn es finanziell möglich ist“.<BR /><BR /><b>Was waren die wichtigsten Projekte in Ihrer Amtszeit?</b><BR />Pernthaler: Die neue Feuerwehrhalle. Sie war schon jahrzehntelang ersehnt. Wir haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt, als wir einen 80-prozentigen Landesbeitrag zugesagt erhielten. Die Erweiterung der Grundschule war wichtig und hilft nun auch in der Covid-Zeit.<BR /><BR /><b>Die Entscheidung Rathaussanierung oder Turnhalle hat das Dorf gespalten. Bei der Gemeinderatswahl hat die neue Bürgerliste „Zukunft Tscherms“ kandidiert, die aus dieser Spaltung entstanden ist.</b><BR />Pernthaler: Ja, das ist leider passiert. Die Gemeindenfinanzierung hat dazu beigetragen. Die Spaltung geht sogar durch den Sportverein. Ich hoffe, dass die Turnhalle mit einem großzügigen Schenkungsbeitrag des Landes gebaut werden kann. Uns wurde vom Land eine Million Euro für die Rathaussanierung zugesagt. Da mussten wir zugreifen. Leider ging dann die Ausschreibung der Arbeiten 4-mal leer aus. Meine zweite Periode hatte es in sich.<BR /><BR /><b>„Land muss andere Lösung finden“</b><BR /><BR /><b>Die neue Gemeindenfinanzierung ist in Ihren Augen also zwiespältig?</b><BR />Pernthaler: Für kleinere Vorhaben ist sie gut. Aber für Schulbauprojekte muss das Land eine andere Lösung finden.<BR /><BR /><b>Was hat sich in Tscherms besonders gut entwickelt?</b><BR />Pernthaler: Die Wirtschaft hat sich nach 2010 gut erholt. Familien fühlen sich in unserem Dorf wohl. Wir sind familienfreundlich und haben eine Kita. Das schätzen auch Zugezogene. Die Nahversorgung ist gesichert. Demnächst eröffnet eine Apothekenausgabestelle.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie diesmal den Wahlkampf als Wähler erlebt?</b><BR />Pernthaler: Covid-bedingt ist nicht mehr viel passiert. Früher kam viel Werbematerial mit der Post. Diesmal fand der Wahlkampf ganz stark in den sozialen Medien statt. Ich habe meine Nachfolgerin Astrid Kuprian unterstützt und freue mich, dass wir eine junge Frau mit viel Energie an der Spitze haben.<BR /><BR /><b>„Denunziantentum hat zugenommen“</b><BR /><BR /><b>Tscherms ist als besonders frauenfreundliche Gemeinde in den Schlagzeilen: mit einer Bürgermeisterin und mehr Frauen als Männern im Gemeinderat.</b><BR />Pernthaler: Das war von 2015 bis 2020 so ähnlich. Wir hatten bis zum Tod von Helena Unterholzner im Jahr 2017 3 Frauen im Gemeindeausschuss.<BR /><BR /><b>Was haben Sie als harte Zeit in Erinnerung?</b><BR />Pernthaler: In der Wirtschaftskrise einen Ausgleich zu finden, dass die Betriebe trotzdem Zuversicht haben und die Mitarbeiter nicht kündigen. Die Spaltung wegen der Turnhalle und jetzt die Covid-Zeit. Das Denunziantentum hat zugenommen. Das trifft mich sehr. Hart empfinde ich auch, dass die Leute heutzutage schonungslos über die sozialen Medien Kritik üben.<BR /><BR /><embed id="dtext86-47165926_quote" /><BR /><BR /><b>Was haben Sie als schöne Momente in Erinnerung?</b><BR />Pernthaler: Ich habe rund 70 Paare trauen dürfen. Auch Staatsbürgerschaften zu verleihen, war schön, wenn man gesehen hat, was das den Menschen bedeutet. Die Treffen und Feiern mit unserer Partnergemeinde sind auch unvergesslich. Die Wertschätzung, die man von den Bürgern erhält, tut gut.<BR /><BR /><b>Was waren traurige Momente?</b><BR />Pernthaler: Der viel zu frühe Tod von Kulturreferentin Helena Unterholzner. Der Großbrand am Biedermannhof, bei dem mehrere Familien obdachlos wurden, unter anderem 2 alte Ehepaare.<BR /><BR /><b>Was waren große Herausforderungen?</b><BR />Pernthaler: Die Übernahme des Bauamtes. Das war immer eine Gratwanderung. Wenn man Großprojekte anging, waren die bürokratischen Hürden ein Problem. Der Wechsel des Gemeindesekretärs war auch eine schwierige Phase. Die Umstellung der Buchhaltung war für unsere Gemeinde extrem schwierig. Wir mussten die Mitarbeiter beruhigen, damit sie nicht das Handtuch werfen. Es ist nicht leicht, die Mitarbeiter zu halten. Die Privatwirtschaft ist oftmals attraktiver. Aber ich bin froh, dass wir trotzdem so gute Gemeindemitarbeiter haben.<BR /><BR /><b>Das Handy ausschalten</b><BR /><BR /><b>Wie sehen Sie Ihren Abschied aus der Gemeinde?</b><BR />Pernthaler: Ich bin dankbar, dass ich eine gute Nachfolgerin habe und kann beruhigt in den Ruhestand gehen – in der Hoffnung, dass die Spaltung im Dorf geschlossen werden kann. Wir wollten damals nur das Beste, als wir uns für die Rathaussanierung entschieden haben. Eine Turnhalle hätten wir nicht finanzieren können.<BR /><BR /><b>Was erleichtert Sie als sogenannter Altbürgermeister?</b><BR />Pernthaler: Ich kann am Abend das Handy ausschalten. Ich trage nicht mehr 24 Stunden am Tag das ganze Jahr Verantwortung für die Gemeinde. Trotzdem ist es schön, dass mich Leute ansprechen und bedauern, dass ich nicht mehr kandidiert habe, weil sie finden, dass ich eine gute Arbeit gemacht habe.<BR />