Es ist stockfinster. Dann hört man, wie sich ein Auto nähert. Es ist ein altes Auto mit einem rheumatisch klingenden Dieselmotor. Als es auf der Höhe des Lieferwagens ist, springt die über einen Bewegungsmelder gesteuerte Außenbeleuchtung am Haus an. Das Auto fährt vorbei, stoppt dann, wendet und fährt zurück. Bei dem Lieferwagen bleibt es stehen. Das Licht geht wieder aus. Man hört, wie die Hecktür des Lieferwagens mit einem lauten Geräusch aufgeht. Im Licht der angesprungenen Innenbeleuchtung sieht man einen dunkel gekleideten Mann mit Stiefeln, die über den Knöchel herauf reichen. Er hat einen orangefarbenen Schal um den Hals geschlungen. Der Mann bewegt sich auffallend mühsam – fast hinkend –, als er Gegenstände aus dem Lieferwagen in sein Auto umlädt. Dann bricht das Video ab. <BR /><BR />„Der Mann hat Werkzeug im Wert von 7000 bis 8000 Euro aus dem Lieferwagen gestohlen“, sagt Innocente Miribung, der Inhaber der Elektrofirma. Der Lieferwagen war vor dem Haus eines Arbeiters in Wengen abgestellt und nicht am Firmensitz in Pidrô/Pederoa. <BR /><BR />Allein das schon macht Miribung stutzig: „Unten in Pederoa stehen sicher 50 Lieferwagen herum. Wenn da so etwas vorkommt, kann man das verstehen. Aber dass ein Dieb nach Wengen hinauffährt, auf einer Straße, die er danach wieder hinunterfahren muss, und exakt vor dem Haus des Arbeiters hält, wo der Lieferwagen fast nicht zu sehen ist, das ist schon sehr komisch.“ Interessant sei auch, dass der Täter sich ganz gemächlich und ohne Eile bewegt habe. „Das ist ein alter Mensch, wie man an seinem Gang sieht“, sagt Miribung. <BR /><BR />Der Mann habe genau gewusst, wo der Lieferwagen steht, meint Miribung. Er ist auch überzeugt, dass der Täter nicht allein war, auch wenn nur er auf dem Video der Überwachungskamera zu sehen ist. „Da sind junge Leute dahinter“, sagt Miribung und hat einen Verdacht: „Wir sind auf Baustellen unterwegs, wo viele Ausländer arbeiten. Vielleicht sind es welche von diesen gewesen. Oder sie haben einen GPS-Tracker am Lieferwagen angebracht, so dass sie ihn ohne Probleme finden konnten. Der Mann hat genau gewusst, wo er hinfahren muss, und dass der Lieferwagen voller Werkzeug ist.“<BR /><BR />Miribung ruft zu Vorsicht auf: „In dieser Zeit werden viele Baustellen geräumt, weil man im Winter nicht arbeiten kann. Da sind unsere Lieferwägen gute Ziele.“<BR /><BR />Dass er sein Werkzeug zurückbekommt, da hat Miribung nicht viel Hoffnung. Anzeige hat er erstattet. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Auto 2 Tage zuvor in Mori im Trentino gestohlen worden war. Es handelt sich um einen Fiat Punto, dessen Kennzeichen auf dem Video deutlich zu erkennen war.<BR /><BR />Wohin der oder die Täter verschwunden sind, ist nicht bekannt. Die Tunnels auf der Gadertaler Straße Richtung Bruneck haben sie jedenfalls nicht passiert. „Es wird schwierig sein draufzukommen, wer diese Leute sind“, sagt Innocente Miribung.