200 Schafe von 9 Gadertaler Bauern hatte Pescollderungg den Sommer über gehütet, Villnösser Brillenschafe, ein paar Bergschafe und Juraschafe. Heuer war wegen der Wolfsrisse nur die Hälfte der Tiere wie in den vergangenen Jahren aufgetrieben worden. Auch im letzten Sommer hatten die Schafe nach Wolfsrissen einen Monat zu früh abgetrieben werden müssen. <BR /><BR />Bis vor Kurzem war alles gut gegangen. Dann aber wurde ein Schaf tot am Wegesrand gefunden. „Da dachten wir noch, es könne auch ein Hund gewesen sein“, sagt Pescollderungg. Wenig später wurden aber 3 weitere tote Schafe gefunden, alle mit Kehlbiss. <BR /><BR />„Danach war ein paar Tage Ruhe, und dann ging es wieder los“, schildert Pescollderungg. Er machte am Donnerstag, 25. August, eine große Runde, ging zum Crespëina-See, dann Richtung Col dala Soné. Dort fand er die gerissenen Tiere. <h3> „Wölfe fressen zuerst das Beste, dann den Rest“</h3>Dass sie von Wölfen gerissen wurden, da ist sich Pescollderungg sicher, und das Land hat die Risse auch schon bestätigt. „Das sieht man am Kehlbiss und dass die Eingeweide herausgezogen waren. Die Wölfe fressen zuerst das Beste, das Herz und die Leber, und dann erst den Rest“, weiß der Hirte. Die gerissenen Schafe gehören nicht nur zu seiner Herde, sondern auch zu einer Grödner Herde, denn auch die Grödner haben eine Alm auf Puez.<BR /><BR />Dass unter den gerissenen Schafen auch Lämmer sind, die nur getötet, aber nicht angefressen wurden, hat laut Pescollderungg einen bestimmten Grund: „Jetzt haben die Wölfe Jungtiere. Sie lehren ihre Jungen das Jagen, deshalb wird nur getötet, nicht gefressen aus Hunger.“<BR /><BR />Wie viele von den 200 Schafen übrig sind, weiß Pescollderungg noch nicht, das wird er erst beim Abtrieb sehen, wenn alle Schafe zusammengetrieben sind. Aber er hat eine dunkle Ahnung: „Wahrscheinlich gibt es ganz viele Vermisste, denn der Wolf treibt die Schafe vor sich her, und dann stürzen sie oft in die Schlucht hinunter.“ <BR /><BR />Dass er nächstes Jahr wieder Schafe nach Puez hinauf auftreibt, schließt Pescollderungg angesichts der Ereignisse der beiden letzten Jahre praktisch aus. Er kann die Schafe dort einfach nicht schützen: „Auf Puez gehen Zäune und Hunde nicht. Dort oben müssen die Schafe weit gehen, um Gras zu finden. Und es ist überall Fels: Da müsste man mit dem Bohrer bohren, um Zäune aufzustellen. Das geht einfach nicht.“ <h3> „ Es gibt keine Hoffnung“</h3>Schon am heutigen Mittwoch wird die Grödner Herde von Puez durch das Langental ins Tal getrieben. Wie viele Tiere er verloren hat, weiß Peter Mussner noch nicht, der frühere Wolkensteiner Bürgermeister. Aber für sich hat er schon einen Schluss gezogen: Er wird die Schafzucht aufgeben. <BR /><BR />„Es kann keiner mehr auftreiben, es macht ja gar keinen Sinn“, sagt Mussner. „Über die Jahre ist ja nichts passiert, und es gibt auch keine Hoffnung, dass sich etwas ändert. Ich wollte die Schafzucht eigentlich heuer schon aufgeben, aber dann hat man Überzeugungsarbeit geleistet, für die Nachbarschaft und die Tradition. Aber jetzt ist absolut fertig; es wird keine Schafe mehr geben auf dieser Alm.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="933475_image" /></div> <BR /><BR />„Vor den Wahlen hat man gemeint, man müsse noch schnell ein Gesetz machen. Das hätte man früher auch schon tun können“, sagt Mussner. „Aber das bringt sowieso nichts: Es wird wieder Anfechtungen geben links und rechts, und es gibt überhaupt keine Hinweise, dass sich irgendetwas ändern wird in Zukunft.“ <BR /><BR />„Man muss die Situation annehmen und sagen: Es war einmal schön, und dann muss man sich halt anders umschauen. In dieser Form wird es das sowieso nicht mehr geben: Es gibt ja kein Verhältnis zwischen dem, was ein Schaf wert ist, und was der ganze Aufwand ist. Man muss sich zurückziehen, weil die Politik da wirklich impotent ist“; sagt Mussner. <BR /><BR />„Es ist eine einfache Rechnung“, sagt Peter Mussner: „Wenn man im Voraus schon weiß, dass man durch externe Faktoren 20 bis 50 Prozent Verlust hat, warum soll man das dann noch machen? Das geht ja nicht.“<BR /><BR />Vor 100 Jahren sei das Problem Wolf gelöst gewesen, sagt Peter Mussner: „Und jetzt sind wir wieder dort, wo wir vor 100 Jahren waren. Die Menschheit kann sich nicht weiterentwickeln, wenn man alles immer wieder von Neuem angehen muss.“