In der Schweiz ist das Lausanner Universitätsspital (CHUV) zusammen mit dem Kinderspital Zürich und dem Universitätsspital Zürich das Zentrum für die Behandlung von Brandopfern schlechthin.<BR /><BR /> Dementsprechend viele Schwerstverbrannte wurden nach der Katastrophe in der Waadtländer Hauptstadt behandelt (als schwerwiegende Verbrennungen gelten solche, die 20 Prozent und mehr der Körperoberfläche betreffen). <BR /><BR />Zu den Spezialisten in der Abteilung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie, geleitet von Professor Yves Harder, die sich um die Schwerstverletzten in Lausanne kümmern, gehört auch Dr. Isabel Zucal aus Eppan. <BR /><BR />Die 30-jährige Ärztin studierte in Innsbruck Medizin und sammelte anschließend Erfahrungen am Universitätsklinikum Regensburg. Zu den weiteren beruflichen Stationen der Südtirolerin gehörte außerdem die Abteilung für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am „Ente Ospedaliero Cantonale“ in Lugano (Tessin).<BR /><BR />Derzeit ist sie als Assistenzärztin im letzten Ausbildungsjahr am Universitätsspital in Lausanne beschäftigt. „Seit vergangenem November bin ich im Rahmen von festgelegten Rotationen auf der Schwerverbranntenstation eingesetzt – eine Aufgabe, die mich fachlich fordert und nun körperlich an meine Grenzen bringt“, erzählt die Südtirolerin.<h3> Operationen unter schweren Bedingungen</h3> Über den Zustand dieser Patienten herrscht natürlich ärztliche Schweigepflicht. So viel darf die Überetscherin aber verraten: „Nach einem sehr intensiven medizinischen Sprint in den ersten Tagen des Jahres stellen wir uns nun auf einen medizinischen Marathon ein: Schwerverbrannte Patientinnen und Patienten müssen über Wochen und Monate hinweg operiert werden – manchmal gar täglich –, begleitet von extrem aufwendigem Wundverband und intensiver Betreuung.<BR /><BR /> Die Operationen finden bei Temperaturen von weit über 30 Grad statt, dies bei einer Luftfeuchtigkeit von fast 80 Prozent, da die Betroffenen aufgrund der großflächigen Hautverluste und der damit fehlenden ,Isolation‘ massiv Wärme und Flüssigkeit verlieren. Für das medizinische Personal bedeutet dies eine zusätzliche physische Belastung – lange Operationstage von frühmorgens bis spätabends unter konstant hoher Hitze sind zur täglichen Realität geworden.“<BR /><BR /> Gleichzeitig sind schwer verbrannte Patientinnen und Patienten äußerst anfällig für hartnäckige Infektionen. Zur Erklärung: Bei vielen Verletzten von Crans-Montana sieht das Verletzungsmuster ähnlich aus – und zwar mit häufig tiefgradigen Verbrennungen der Haut an Brust, Bauch und Rücken, teilweise auch an Armen, Beinen und vor allem an Händen und im Gesicht. Dieses nekrotische oder „tote“ Gewebe muss entfernt werden, weil es sonst den Körper vergiftet. Zurück bleibt eine große, offene Wunde. Ohne Schutz wird sie zum Einfallstor für Bakterien.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73349306_quote" /><BR /><BR /> „Viele von ihnen leiden zusätzlich unter schweren Inhalationstraumata (Schädigung der Atemwege und Lunge durch Einatmen heißer Gase, Rauch oder toxischer Substanzen, Anm. d. Red.), die zu schweren respiratorischen Problemen führen können.“ Trotz der ganzen Schwere der Verletzungen könne man derzeit aber insgesamt eine gute Entwicklung beobachten, betont Isabel Zucal.<BR /><BR /> Der Heilungsprozess bei Schwerverbrannten – erklärt die Fachfrau – sei langwierig. „Allein das vollständige Verschließen der Wunden kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Anschließend beginnt häufig ein jahrelanger Rehabilitationsprozess mit Schmerztherapie, Ergotherapie, Psychotherapie, und zahlreiche Folgeeingriffe wie Narbenkorrekturen sind nicht selten notwendig. Die medizinische und psychische Belastung für die Patientinnen und Patienten ist enorm – ebenso der Aufwand, der für ihre langfristige Versorgung notwendig ist.“<h3> Lausanne gehört zu den Pionieren bei Hautersatz</h3>In Lausanne profitiert das Behandlungsteam von besonders guten strukturellen Voraussetzungen. Es zeigte sich eine berufs- und länderübergreifende Solidaritätswelle; dank der Hilfe zahlreicher Sponsoren aus der Pharmaindustrie konnte für die meist jungen Patientinnen und Patienten teures Verbands- und moderne Hautersatzmaterialien zur Verfügung gestellt werden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1270671_image" /></div> <BR />Zudem verfügt das CHUV über ein spezialisiertes Labor, in dem das Wachstum von künstlich hergestellten Hautzellen beschleunigt wird, um großflächige Verbrennungswunden zu decken. Denn bei Patientinnen und Patienten mit Verbrennungen von über 60 Prozent der Körperoberfläche reicht die Eigenhaut in der Regel für die Deckung der Wunden bei Weitem nicht aus. Innovative biotechnologische Verfahren sind hier entscheidend. So kann zum Beispiel im Labor, ausgehend von einer kleinen gesunden Hautprobe, die beim Patienten entnommen wird, großflächig Haut gezüchtet werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-73349307_quote" /><BR /><BR />Als Ärztin ist Isabel Zucal professionell, operiert und versorgt Wunden. „Wenn ich allerdings die Krankenzimmer betrete und dort Fotos der jungen Menschen vor dem Brand sehe, lachend, mit ihren Familien, unverletzt, sind dies für mich sehr traurige Momente. Ich bin aber froh, wenn ich in dieser schlimmen Situation als Medizinerin helfen kann.“<BR /><BR /> Große Dankbarkeit empfindet die Südtirolerin gegenüber den Nachbarländern und insbesondere gegenüber Italien: „Kliniken, vor allem in Mailand, haben sich bereit erklärt, unverzüglich zahlreiche Patientinnen und Patienten aufzunehmen – die überwiegende Mehrheit sind italienische Staatsangehörige – und so zur Bewältigung dieser außergewöhnlichen Situation beizutragen, die kaum ein Land in Europa hätte alleine stemmen können. Nur so kann logistisch, personell und vor allem interprofessionell diese schwere Situation gemeistert werden.“ <BR /><BR />Bis kommenden April ist Isabel Zucal noch als Assistenzärztin auf der Verbrennungsstation am CHUV beschäftigt. „Langfristig betrachtet, wünsche ich mir, wieder nach Südtirol zurückzukehren“, erklärt die Medizinerin. „Ich hoffe, dass es dort eines Tages erneut die Möglichkeit geben wird, zu arbeiten, sofern das Kompetenzzentrum für plastische Chirurgie in Südtirol wieder eröffnet wird.“