Im Grunde genommen ist es ähnlich wie bei einem Kind: Die ersten 3 Lebensjahre sind prägend. Bei einem Welpen ist diese Zeit mit 3 bis 4 Monaten zwar ungleich kürzer, trotzdem kann auch hier einiges „schief gehen“.<BR /><BR /><BR /> So scheint es auch bei dem American Staffordshire Terrier zu sein, der am Montag einen 3-jährigen Jungen im Europapark angefallen hat. Giovanni Lorenzi, der leitende Tierarzt im Tierheim Sill zeichnet ein Bild von dem Tier, das jetzt seinem Besitzer entzogen wird. <BR /><BR /><b>Herr Lorenzi, welche Zukunft hat der Hund, der auf den Jungen, der mit anderen Kindern gespielt hat, los gegangen ist?</b><BR />Lorenzi: Wie vom Gesetz vorgeschrieben, wird er 10 Tage bei uns bleiben, um übertragbare Krankheiten auszuschließen. Nach seiner Beschlagnahme durch die Polizei wird er jetzt konfisziert, das heißt, er wird seinem Besitzer entzogen. Ein Gremium wird dann über den Verbleib bestimmen, sprich entscheiden, ob er in eine Umerziehungsanstalt kommt oder für immer in einem Tierheim bleibt. <BR /><BR /><b>Wurde diese Entscheidung getroffen, weil der Besitzer sich als nicht zuverlässig erwiesen hat? Schließlich war der Hund, trotz Auflagen, weiter ohne Leine und Maulkorb unterwegs...</b><BR />Lorenzi: Eher ist es so, dass der Hund derzeit so aggressive Züge aufweist, sprich der Jagdtrieb so ausgeprägt ist, dass er nicht mehr frei herumlaufen darf. Die Konfiszierung ist notwendig, denn auch einem anderen Halter kann der Hund in diesem Zustand nicht anvertraut werden. <BR /><BR /><b>Wie kommt es dazu, dass ein Tier sich so entwickelt? Liegt dieses Maß an Aggressivität wirklich in der Natur dieser Rasse oder wurde der Hund selbst schlecht behandelt oder schlecht erzogen?</b><BR />Lorenzi: Für mich sieht es danach aus, als wäre der Hund nicht richtig sozialisiert worden. In diesem Prozess sind die ersten 3 bis 4 Lebensmonate eines Welpen sehr wichtig. In dieser Zeit macht der Hund Erfahrungen und es prägt sich seine Beziehung zu Erwachsenen sowie zu kleinen Kindern. Bei diesen Rassen kann so eine falsche Sozialisierung natürlich fatale Folgen haben, denn Angriffe können ungleich schwerwiegender ausfallen als etwa bei einem Dackel, der mit Abstand der Hund ist, der statistisch am häufigsten zubeißt.<BR /><b><BR />Es gab bereits mehrere Zwischenfälle mit diesem Hund im Europapark. Wie oft wurde er auffällig?</b><BR />Lorenzi: Es gab einen Vorfall, der glimpflich mit einem Kratzer abgelaufen ist, dann wurde ein Bub mit Verletzungen (am Ohr, Anm. der Red.) in die Erste Hilfe gebracht und nun hat sich leider dieser schwere Fall ereignet. <BR /><BR /><b>Hätte man nicht sehr viel früher reagieren müssen, um zumindest den dritten Angriff zu vermeiden?</b><BR />Lorenzi: Hinterher ist man immer schlauer. Wir haben aber alle uns zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt, sprich eine Leinen- und Maulkorbpflicht für den Hund verordnet. Auch wenn es sich bei der Zone im Park um eine sogenannte temporäre Hundezone handelt, in der also Hunde frei laufen dürfen, hätte der Hund, um den es jetzt geht, nicht frei und ohne Maulkorb herumlaufen dürfen. <BR />