Die Zeit, in der Tagelöhner ein Jahr sparen mussten, um sich eine Kuh zu leisten, ist längst vorbei – möchte man meinen. Britta belehrt eines Besseren. Das Jungrind, das für Laien eine gewöhnliche Kuh sein mag, besticht im Züchterauge mit starkem Exterieur und exzellentem Stammbaum. <BR /><BR /><BR />Aus diesem Grund ist die schöne Britta auch nicht beim Metzger gelandet, sondern wahrlich um ein „Haar“ davongekommen. Denn mittels einer genomischen Haarprobe aus ihrem Fell konnte bestätigt werden, dass das Jungrind vom Stöfflerhof in Vierschach zu dem einen Prozent der Braunviehtiere Italiens gehört, welches die höchsten Zuchtwerte hat. Ein Segen für Britta – und ihren Züchter Michael Joas (30). <BR /><BR />„Die Probenergebnisse haben Brittas Wert natürlich gesteigert und plötzlich klopften Züchter aus dem ganzen Land an meine Stalltür“, erzählt der Landwirt von seinem zwölf Monate alten Tier, das er Ende November zur Eliteversteigerung nach Bozen gebracht hat. In der 40 Jahre alten Viehvermarktungshalle sorgte die Model-Kuh für einen wohl noch nie da gewesenen Bieter-Krimi. Während für andere Elite-Jungrinder Durchschnittspreise von einigen Tausend Euro erzielt wurden, trieben Käufer den Preis für Britta ins Vielfache. „Der höchste, bisher in Südtirol bezahlte Preis lag bei 9000 Euro. Dass es das Doppelte werden wird, daran hätte ich selbst nicht geglaubt“, erzählt Michael Joas erstaunt und erfreut zugleich. <h3> Die erfolgreiche B-Familie</h3>Vor drei Jahren hat der Skilehrer die erfolgreiche Braunviehzucht seines Vaters am Stöfflerhof in Vierschach bei Innichen übernommen. Mit seinen Eltern, seiner Ehefrau und zwei Kindern versorgt er die 35 Kühe und 25 Jungrinder am Hof. Alle Tiere entstammen einigen wenigen Familien, darunter auch der erfolgreichen B-Familie. So stehen noch Brittas Mutter Beatrix und Oma Belinda im Stall. Auch Uroma Bruna und Ururgroßmutter Bella lebten bereits am Stöfflerhof. „Ich kann mich noch an alle erinnern“, erzählt der ehemalige Braunvieh-Jungzüchter-Obmann vom Erfolg auf ganzer B-Linie. „Brittas Onkel etwa ist der meisteingesetzte Braunvieh-Stier Italiens und lebt in einer Samenstation von 'Superbrown' im Nonsstal.“<h3> Brittas neues Leben im Oberallgäu</h3>Für Joas Britta aber ging es am 26. November nicht südwärts, sondern über den Brenner zu Thaddäus Göhl ins bayerische Oberallgäu. Der Vierschacher kannte den Käufer seines Rindes nicht, will ihn aber kommende Woche besuchen. „Es gibt dort eine Eliteversteigerung und da werde ich auch im Stall bei Britta vorbeischauen. Es ist wichtig, solche Züchterkontakte zu pflegen“, erzählt Joas. In eineinhalb Jahren soll Britta nämlich erstmals Nachwuchs bekommen. „Da wäre ich schon interessiert, die Genetik zurückzukaufen“, spekuliert der Bauer über den möglichen Kauf von Brittas Nachwuchs. Aus gutem Grund. <h3> Die Zukunft der „Gold“- Kühe am Stöfflerhof</h3>„Das Braunvieh ist einfach die ideale Rasse für Südtirol. Es ist anpassungsfähig, geeignet für die Alpung und hat eine gute Milchqualität“, ist der Züchter stolz auf das Standing der Rasse. Wurde sie früher vor allem auf Milchleistung hin gezüchtet, steht heute Langlebigkeit und damit die Gesundheit des Tieres im Vordergrund. „Das Braunvieh hat im Vergleich zu anderen Rassen die meisten 100.000-Liter-Kühe, da die Tiere 15 Jahre und älter werden“, spricht der Fachmann aus ihm. Reich aber werde man damit trotzdem nicht. „Wir dürfen nicht vergessen, dass man bei der Zucht auch Glück haben muss. Nicht jedes Kalb ist ein Elite-Tier. Auf Normalversteigerungen werden dann 1000 bis 1500 Euro für so ein Jungrind bezahlt“, weiß der Landwirt. Damit in seinem Stall aber auch künftig Rinder im Wert von Autos heranwachsen, kommen ihm die 17.930 Euro brutto (16.300 Euro netto) gerade recht und sollen zum Großteil in die Weiterzucht seiner Herde fließen. <BR /><BR />Vor wenigen Wochen erst kam Brittas Bruder auf die Welt. Eine Haarprobe soll – wie bei der großen Schwester – zeigen, ob er für 100 Euro in die Mast kommt, oder – wie sein Onkel –, vielleicht ein bekannter Zuchtstier wird. Die Ergebnisse werden in den nächsten Wochen erwartet. Bis dahin heißt es „kuhl“ bleiben.<BR />