Freitag, 15. Mai 2020

Diözese: „Familie hält uns den Spiegel vor“

Der 15. Mai ist alljährlich der Internationale Tag der Familie. Johanna Brunner, die Leiterin des diözesanen Amtes für Ehe und Familie schreibt dazu: „All das, was Familien leisten, tagaus tagein und meistens in großer Selbstverständlichkeit, ist in Geld nicht aufzuwiegen.“

„Das was Familien leisten, ist in Geld nicht aufzuwiegen“, schreibt Johanna Brunner, die Leiterin des diözesanen Amtes für Ehe und Familie .
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„Das was Familien leisten, ist in Geld nicht aufzuwiegen“, schreibt Johanna Brunner, die Leiterin des diözesanen Amtes für Ehe und Familie . - Foto: © shutterstock
Der enorme Stellenwert sei beim Blick auf „Familie“ während der Coronakrise deutlich geworden, schreibt Brunner. Im Grunde komme es im Leben auf einige wenige Faktoren an und genau in dieser Hinsicht halte uns der Blick auf „Familie“ einen Spiegel vor, ist Johanna Brunner überzeugt.

Zum Internationalen Tag der Familie schreibt Brunner im Wortlaut:

„Beim Blick auf „Familie„ ist vielen von uns während der letzten Wochen und Monate deutlich geworden, dass es im Grunde in unserem Leben auf einige wenige Faktoren wirklich zählen. Dabei geht es keineswegs um eine idealisierte Vorstellung oder ein romantisches Bild von Familie.

Es sind die ganz elementaren Dinge, wie der Wert von Fürsorge und Pflege, von Zeit und Nähe, von Würde und Menschlichkeit - all das, was in den Familien tagtäglich und oft scheinbar selbstverständlich geleistet wird. Doch gleichzeitig hält uns genau dieser Blick allen einen Spiegel vor: Was zählt für mich? Wofür will ich meine Energie, meine Ressourcen, ja letztlich meine Lebenszeit einsetzen? Was macht mein Leben reich und wertvoll?

Aber nicht nur in einer individuellen Perspektive, sondern auch uns als Gesellschaft werden im Blick auf die Familien und die Werte, die sie leben, aufs Neue brisante Fragen gestellt: Was ist der Wert von Erziehung und Bildung? Haben die sogenannten 'Care-Berufe', die Sorge für Kinder, ältere Menschen, Kranke… in unserer Gesellschaft den Stellenwert, den sie tatsächlich verdienen? Und welche Betreuung wollen wir für unsere Kinder und Jugendlichen, damit sie eine gute Entwicklung erfahren und nicht zum Jonglierball der unterschiedlichen Anforderungen werden, die auf die Familien einprasseln? Was es bedeutet, wenn ebene diese Dinge in einer Gesellschaft bedroht sind oder gar nicht mehr funktionieren, haben wir auf beinahe beängstigende Weise spüren können.

Das, was Familien leisten, tagaus tagein und meistens in großer Selbstverständlichkeit, ist in Geld nicht aufzuwiegen. Kein Staat der Welt könnte das, was in Familie geleistet wird, bezahlen. Und das muss auch nicht so sein, denn wer sich für Familie entscheidet, tut dies zumeist aus eigener Überzeugung und weil darin ein Sinn erkannt wird.

Aber zum heurigen Tag der Familie wünsche ich mir, dass wir durch diesen 'Blick in den Spiegel' erkennen, wie systemrelevant das ist, was Familien leisten für unsere Gesellschaft leisten. Und dann wäre es nur mehr als wünschenswert wenn es besser gelänge, den Bedürfnissen und Interessen der Familien in der öffentlichen Diskussion und in den gesellschaftlichen Entscheidungen konsequenter gerecht zu werden und nicht nur dann 'wenn’s brennt'.“


KFS: „Ohne Familie geht nichts!“

Die Familie ist das Herz der Gesellschaft. Sie ist ein Garant für Stabilität, Frieden, soziales Denken, Freude und Erfüllung – auch in schwierigen Zeiten. Zum Tag der Familie am heutigen Freitag erinnert der Katholische Familienverband (KFS) an die zentrale Bedeutung der Familie.

„Familien in Entwicklung“ ist das diesjährige Thema des Internationalen Tags der Familie. Diese 3 Wörter wurden gewählt, um darauf hinzuweisen, dass sich Familien und somit auch deren Bedürfnisse auf der ganzen Welt stark verändern, von der Großfamilie zusehends mehr zur Kleinfamilie.

Durch die Coronakrise haben Familien eine völlig andere, neue Entwicklung nehmen müssen: Aus den 4 Wänden, in denen die Familie außerhalb der Schul- und Arbeitszeiten normalerweise wohnt, liebt und lacht, ist plötzlich eine 24-Stunden-Einrichtung geworden, die als Wohnung, Schule, Arbeitsstätte, Freizeiteinrichtung und noch vieles mehr fungiert.
Und mittendrin oft verzweifelte Menschen: Berufstätige, die plötzlich ohne Arbeit und Lohn dastehen, Kinder, die nicht verstehen können, dass sie ihre Freunde nicht besuchen dürfen, Jugendliche, die ihre Freunde nicht sehen dürfen.

Die Familien haben auch diese Ausnahmesituation großartig gemeistert, indem sich die Familienmitglieder untereinander gestärkt, unterstützt und motiviert haben. Auch während der Zeit der aufgezwungenen Isolation war man in der Familie nie allein. „Wie viel schwerer hatten es in den letzten Monaten zum Beispiel all die Senioren, die, da die Kinder außer Haus, völlig auf sich allein gestellt waren“, merkt der KFS an.

„Natürlich muss die Wirtschaft nach diesem erzwungenen Lockdown unterstützt werden. Meine Sorge ist aber, dass bei allen berechtigten Forderungen vonseiten der Wirtschaft mal wieder die Familien vergessen werden“, befürchtet KFS-Präsidentin Angelika Mitterrutzner, „dabei hätten es sich die Familien verdient, dass ihre Anliegen und Bedürfnisse ernst genommen werden, schließlich stehen sie in Krisen wie ein Fels in der Brandung, schließlich ist jeglicher Einsatz für die Familien eine Investition in die Zukunft. Unverständlich, dass die Regierung in Rom seit Jahren nichts bis wenig unternimmt, um die Rahmenbedingungen für die Familien zu verbessern.“

Neue Babysitter-Plattform

Ein wichtiger Beitrag, Familien zu entlasten, ist die neue Babysitter-Plattform „Familien Jolly“, die der Katholische Familienverband Südtirol ins Leben gerufen hat und die ab 20. Mai ihre Dienste anbietet – ein Dienst, der Coronavirus-bedingt dringender benötigt wird denn je. Denn wer nicht auf Großeltern oder Nachbarn zurückgreifen kann, wird ohne Babysitter, da Kitas, Kindergärten und Schulen in diesem Schuljahr nicht wieder öffnen werden und auch die nun angebotene Notdienst-Betreuung vielen nicht wirklich hilfreich ist, gar nicht mehr zur Arbeit gehen können.

Nicht nur am Internationalen Tag der Familie, sondern an allen 365 Tagen im Jahr engagiert sich der KFS für die Anliegen der Familien in Südtirol. Die familienpolitischen Forderungen sind vielfältig: Unter anderem fordert der KFS die Ermöglichung einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf; eine echte Wahlfreiheit für die Eltern zwischen Familien- und Erwerbsarbeit; die volle Anerkennung der Erziehungs- und Pflegezeiten für die Rente; die Garantie einer qualitativ hochwertigen außerfamiliären Kinderbetreuung; sowie steuerliche Erleichterungen für Familien.

stol

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