<b>von Elmar Pichler Rolle</b><BR /><BR />Mehr als 500 Chemiker, Wissenschaftler und Forscher treffen sich ab heute am Gardasee, um fünf Tage lang über neueste Erkenntnisse zu beraten. Zum Beispiel über sogenannte „Ewige Chemikalien“ und Mikroplastik. <BR /><BR />Werner Tirler leitet seit rund 30 Jahren die Labors der ECO Center AG und des Forschungsinstitutes Eco Research in Bozen. Er gilt als international geschätzter Experte für Dioxine. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von langlebigen organischen Umweltgiften, die als unerwünschte Nebenprodukte bei Verbrennungsprozessen und industriellen chemischen Reaktionen entstehen.<BR /><BR />Dafür hat sich 62-jährige zeitlebens interessiert, seit seinem Chemiestudium in Wien. 1993 fand er eine Arbeitsstelle im Chemischen Landeslabor, bevor ihn ein kurioser Zwischenfall zum ECO Center führte, das den Verbrennungsofen in Bozen betreibt. 1995 hatten mehrere Expertisen auswärtiger Labors über die Emissionen des Ofens zu unterschiedlichen Resultaten geführt und damit die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen. Tirler sollte Klarheit schaffen. Es gelang ihm tatsächlich, die Ursachen für die voneinander abweichenden Ergebnisse plausibel zu erklären.<BR /><BR />Fortan kümmerte sich Tirler um die Emissionen der Müllverwertungsanlage und avancierte bald zum Experten. In wenigen Jahren wurde das von ihm geleitete Labor in Bozen Süd zu einer viel gefragten staats- und europaweiten Referenzadresse.<BR /><BR />2004 hatten auswärtige Aufträge ein derartiges Volumen erreicht, dass ein eigenständiges Unternehmen mitsamt einem großen Labor eingerichtet wurde. Eco Research beschäftigte bald an die 30 Chemiker. 2020 kam es erneut zu Änderungen. Eco Research wurde zum von Tirler geleiteten Forschungsinstitut, während die Emissionen des Verbrennungsofens heute wieder ein Labor kontrolliert, das in die ECO Center AG eingegliedert ist. Die Berufung zum Chairman des Weltkongresses „Dioxin 2026“ in Riva del Garda ist für Werner Tirler nun so etwas wie ein Ritterschlag. <h3> Hintergrund: Trumps Schatten</h3>Nach Singapur (2024) und der Türkei (2025) treffen sich die Dioxin-Experten ab heute in Riva del Garda. Die Vereinigten Staaten von Amerika, die üblicherweise die meisten Teilnehmer stellen, werden am Gardasee eher spärlich vertreten sein. Das liegt an der von Präsident Donald Trump geführten US-Administration. <BR /><BR />„Selbst wenn die Mitarbeiter der Behörde ihren Urlaub hernehmen und auf eigene Kosten anreisen, droht ihnen das Umweltministerium mit dem Rauswurf“, berichtet Werner Tirler. „Es ist eigentlich unfassbar, was sich da abspielt“, bedauert er das Fernbleiben geschätzter Kollegen.