Freitag, 27. August 2021

Doppelmayr: Über den Verkehrsstau hinwegschweben

Bei der Tagung „Treffpunkt Mobilität“ in der neuen Produktionsstätte von Doppelmayr Italia in Lana wurden am vergangenen Mittwoch neue Seilbahnkonzepte für nachhaltige und innovative Mobilität im urbanen Raum vorgestellt.

Am Podium v.l.: Georg Gufler, Arnd Bätzner, Daniel Alfreider, Erich Falkensteiner und Moderator  Markus Frings.
Am Podium v.l.: Georg Gufler, Arnd Bätzner, Daniel Alfreider, Erich Falkensteiner und Moderator Markus Frings. - Foto: © doppelmayr
Gerade in diesen Tagen der touristischen Hochsaison erlebt man es in Südtirol tagtäglich: Stockender Straßenverkehr, in dem auch Busse kaum weiterkommen, überfüllte Parkplätze – Zeitverlust ist nur eines der unmittelbar spürbaren Erlebnisse. Damit wird das Grundbedürfnis Mobilität für die Menschen immer schwerer erfüllt.

Die Einbindung der so genannten 3. Ebene bietet den Ausweg: Urbane Seilbahnen nutzen neue, exklusive Trassen und entlasten das bestehende Verkehrsnetz. Darum ging es bei der Tagung „Treffpunkt Mobilität“ in der neuen Produktionsstätte von Doppelmayr Italia in Lana.

Seilbahnen als Ergänzung im städtischen Mobilitätsangebot


Wer in Südtirol von Seilbahnen spricht, denkt zumeist an Bergbahnen oder Skilifte. Dabei sind Seilbahnen schon seit Jahren in vielen Städten der Welt eine wesentliche Ergänzung im Mobilitätsangebot – mit viel Know-how aus Südtirol. Das Unternehmen Doppelmayr gehört
international zu den Vorreitern.

Über das Potential und die Notwendigkeit, die Mobilität neu zu denken, referierte bei der Tagung „Treffpunkt Mobilität“ am vergangenen Mittwoch eine hochkarätige Runde: Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider, der Schweizer Mobilitätsexperte und international tätige Regierungsberater Arnd Bätzner, der Tourismusunternehmer Erich Falkensteiner, Doppelmayr-Projektentwickler Philip Oberdorfer sowie Georg Gufler, CEO von Doppelmayr Italia. Im Publikum saßen gut 70 Verantwortliche und Politiker aus den Burggräfler Gemeinden und des Landes.

Den Bedarf nach innovativen Lösungen in Südtirol zeigte Landesrat Alfreider auf: „Wir können weitere Straßen bauen oder sie erweitern – aber irgendwann sind sie trotzdem wieder zu klein oder
zu voll. Daher bin ich der Meinung, dass Seilbahnen in der öffentlichen Mobilität in Südtirol ihren Platz finden müssen.“

Apropos Platz bzw. Flächenverbrauch: Es ist einer der zentralen Vorteile,
die Seilbahntechnik gegenüber bodengebundener Mobilität hat. Am Beispiel der Stadt Bozen zeigte Doppelmayr-Projektentwickler Philip Oberdorfer auf, wie viel Fläche allein der motorisierte Individualverkehr (Autos, Motorräder und ähnliches) benötigt: rund dreimal soviel wie alle anderen Transportmittel zusammen. Damit verbunden sind Aspekte wie Bodenversiegelung, Emissionen, Feinstaub, Energieverbrauch, Kosten für Infrastruktur und vieles mehr.

Problemfelder Zeit und Geld

Zeit und Geld: Dies seien die größten Problemfelder, die mit dem motorisierten Individualverkehr verbunden sind, unterstrich Mobilitätsexperte Bätzner. Anhand verschiedener Beispiele aus Jakarta, Singapur und aus Südamerika veranschaulichte er, wie sich die Mobilität in Ballungszentren verlangsamt, wo immer mehr Menschen leben und sich fortbewegen wollen: auf überfüllten Straßen stecken Menschen im Stau und verlieren so wertvolle Lebenszeit.

Straßenerweiterungen sind wegen der hohen Grundstückspreise entweder sehr teuer – oder aufgrund von Raumnot ganz und gar unmöglich. Seilbahnen benötigten dagegen wenig Platz – etwa für die Stützen – und nutzen im Übrigen die „3. Ebene“ als exklusive Trasse. Am Beispiel von La Paz (Bolivien) zeigte er auf, wie die Fahrzeit von A nach B von 90 Minuten (Minibus auf der Straße) auf 7 (Seilbahn) reduziert wurde.

„Die Seilbahn allein ist allerdings nicht die Lösung“, betonte indes Georg Gufler, CEO von Doppelmayr Italia. Vielmehr gehe es darum, Seilbahnen in die Mobilitätskonzepte einer Stadt zu integrieren, um etwa Lücken zu schließen, Hindernisse zu überwinden oder Engpässe zu entlasten.

„Die Seilbahn ist hervorragend dazu geeignet, in bestehende Mobilitätskonzepte eingebaut zu werden: sie braucht wenig Platz, kostet in Errichtung und Betrieb wenig Geld, ist umweltfreundlich,
spart Energie und Zeit und ist hervorragend für die digitalisierte smart City anwendbar“, so Gulfer.

Gufler verwies auch auf Studien aus der Doppelmayr-Forschungs- und Entwicklungsabteilung, welche die Ideen der urbanen Seilbahn weiterentwickeln und zu völlig neuen, flexiblen Verkehrsmitteln werden
lassen.

Zukunftsmusik?


Es gibt bereits funktionierende Beispiele gut integrierter Verkehrslösungen – auch in Südtirol, wo sie zugleich einen touristischen Mehrwert bieten. Tourismusunternehmer Falkensteiner nannte als Beispiel den Knotenpunkt Bahn/Seilbahn in Percha: „Wir sehen bei unseren Gästen, dass fast alle diese Möglichkeit den Bussen vorziehen.“

Um Seilbahn-Projekte in das öffentliche Mobilitätsangebot zu integrieren, wird vielfach auf das Modell „Public Private Partnership (PPP)“ zurückgegriffen – dies hat sich in vielen Ländern der Welt bereits bewährt. Italien, aber auch Südtirol, hat hier noch Aufholbedarf: Darin waren sich bei der anschließenden Podiumsdiskussion alle Referenten einig.

Zum einen fehle es noch an der „Kultur der öffentlich-privaten Partnerschaft“, zum anderen müsse sich auch die Verwaltung noch besser in die Möglichkeiten einarbeiten, die sich bieten.

stol

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