Die weite Welt ins Wohnzimmer holen – diese faszinierende Kraft besitzt das Radio bis heute. Zwar gelang die Erfindung des Radiogeräts bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert, doch der eigentliche Rundfunk – also die Ausstrahlung von Musik und Sprache für ein breites Publikum – nahm erst in den 1920er-Jahren Fahrt auf.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344708_image" /></div> <BR /><BR />Wer damals ein Radiogerät besaß, galt als gebildet und privilegiert. Wenn Musik oder Hörfunksendungen aus den damaligen Röhrenempfängern erklangen, war das ein Erlebnis. Viele Geräte waren nicht nur technische Meisterleistungen, sondern auch kunstvoll gestaltet: Als Resonanzkörper dienten Gehäuse etwa aus massivem Nussbaum- oder Mahagoniholz.<h3> „100 Jahre Radio“ noch bis zum 20. August zu sehen</h3>Diesen längst vergangenen Zeitgeist lässt der vor rund fünf Jahren gegründete Verein Radio Museum Südtirol mit Sitz in Brixen wieder aufleben: Noch bis zum 20. August ist im dritten Stock der Stadtbibliothek Brixen die Ausstellung „100 Jahre Radio“ zu sehen. Täglich von 14 bis 18 Uhr werden dort über 100 historische Radiomodelle aus den 1930er- bis in die späten 1960er-Jahre präsentiert. Einer der beiden Vereinspräsidenten ist Simon Aichner aus Brixen. Der Verein zählt fünf Gründungsmitglieder und mittlerweile rund 60 bis 70 Mitglieder aus ganz Südtirol. Die privaten Sammlungen der Gründungsmitglieder erreichen gut 750 Geräte.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1344711_image" /></div> <BR /><BR />„Eine Begeisterung für Technik verbindet uns wohl alle“, sagt Aichner bei einem Rundgang durch die Ausstellung. Er sammelt seit rund zehn Jahren historische Radiogeräte und knüpft damit an die Leidenschaft seines inzwischen verstorbenen Vaters an. Heute umfasst seine Sammlung mehr als 200 Radios.<BR /><BR />„Meine Geräte sollen funktionieren – egal, wie alt sie sind“, so Aichner. Viele Sammler spezialisieren sich auf Hersteller oder Epochen. Ihn faszinieren vor allem Geräte, die einst auf dem Recyclinghof gelandet wären und die er restauriert.<BR /><BR />Die ausgestellten Radios aus den 1930er-Jahren empfangen Programme über Lang-, Mittel- oder Kurzwelle. Heute dominiert im analogen Rundfunk UKW (Ultrakurzwelle), ergänzt durch den digitalen Radiostandard. Der klassische Langwellenrundfunk steht kurz vor dem Aus und wird nur noch von wenigen Ländern – etwa Rumänien oder Algerien – für reguläre Radioprogramme genutzt.<h3> Das Radio im Lichte der Zeit</h3>„Abends setze ich mich manchmal ans Radiogerät und höre Musik, die über Langwelle ins Haus kommt. Man ist drahtlos mit einer anderen Welt verbunden“, erzählt Aichner.<BR /><BR />Vor allem in der Zwischenkriegszeit erlebte das Radio einen regelrechten Boom. Während des Zweiten Weltkriegs missbrauchten die Diktaturen das Medium gezielt als Propagandainstrument. Nach Kriegsende wurden – ähnlich wie die Wohnungen der Bürger – auch die Radiogeräte kleiner und weniger aufwendig gestaltet. In den 1960er-Jahren revolutionierten die Transistortechnik und die Einführung der Stereofonie den Radiomarkt und lösten die Ära der schweren Röhrenradios ab.<BR /><BR />Die Ausstellung in der Stadtbibliothek Brixen entstand in Zusammenarbeit mit der Bibliothek Toblach, welche die Unda- Schautafeln zur Verfügung stellte. Das traditionsreiche Unternehmen Unda aus dem Pustertal, welches in den 1940er Jahren nach Como übersiedelte, stellte seinen Betrieb zwar bereits in den 1960er-Jahren ein, doch die Marke lebt bis heute weiter. Historische UNDA-Radiogeräte gelten unter Sammlern als begehrte Raritäten.<BR /><BR />Langfristig wünschen sich die Mitglieder des Vereins, dass ihre Sammlung in einem Südtiroler Museum eine dauerhafte Heimat findet und so für kommende Generationen erhalten bleibt. Das älteste in der Ausstellung gezeigte Gerät ist übrigens ein Philips-Radio aus dem Jahr 1927 – ein fast hundert Jahre altes Zeugnis der Rundfunkgeschichte.<h3> Zu Ausstellung: </h3> Die Eröffnung der Ausstellung fand am Freitag, dem 7. August , um 18.30 Uhr im dritten Stock der Stadtbibliothek Brixen statt. Am Donnerstag, dem 13. August, findet von 15 bis 17.30 Uhr eine Plattenspieler-Session statt. Dienstags- und donnerstagnachmittags können altertümliche Radios zur Begutachtung und Reparatur beim Repair Café vorbeigebracht werden. Der Verein hat außerdem einen Fragebogen rund um das Thema Radio vorbereitet – wer alles richtig beantwortet hat, nimmt an einer Lotterie teil und kann ein echtes historisches funktionierendes Radiogerät gewinnen.