Von Karl Tschurtschenthaler<BR /><BR />Der Vorfall ereignete sich auf der Baustelle beim „Alten Gisser“, wo derzeit neue Wohngebäude errichtet werden. Nach Angaben der Carabinieri kletterten die beiden Arbeiter gegen 8 Uhr auf den Baukran. Die zwei Ägypter, es handelt sich offenbar um Brüder im Alter von 30 und 35 Jahren, beide mit gültigen Papieren, sind bei einem Subunternehmen beschäftigt, das seinen Sitz in Cremona hat. Dieses führt für eine der an der Baustelle tätigen Firmen Arbeiten durch. Als Grund für ihre aufsehenerregende Protestaktion wurden ausstehende Gehaltszahlungen in einer Höhe von angeblich 18.000 Euro angegeben. Weil bisherige Versuche erfolglos geblieben seien, hätten sich die Brüder zu diesem „letzten“ Schritt entschlossen, hieß es.<BR /><BR />Einer der Männer setzte sich auf den Ausleger des Krans (Kranarm), während sein Bruder auf der Kransäule in schwindelerregender Höhe ausharrte. Immer wieder drohten sie, sich in die Tiefe zu stürzen, falls ihre Forderung nach Auszahlung der Löhne nicht erfüllt würde.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1333515_image" /></div> <h3>Ein Großaufgebot von Einsatzkräften vor Ort</h3>Umgehend wurden die Carabinieri sowie die Freiwillige Feuerwehr St. Sigmund alarmiert. Während die Feuerwehr den Einsatz absicherte und für den Ernstfall bereitstand, versuchten die Carabinieri, mit den beiden Männern Kontakt aufzunehmen. Wie zu erfahren war, war auch die Freiwillige Feuerwehr Terenten alarmiert worden. Sie hielt sich mit der Drehleiter aber in sicherer Entfernung in Kiens auf, um die zwei Arbeiter nicht weiter zu verunsichern.<BR /><BR />Die Verhandlungen mit den beiden führte Oberstleutnant Vincenzo Di Buduo, der Kommandant der Carabinieri-Kompanie Bruneck. Über Mobiltelefon sprach er auf die Arbeiter ein und versuchte, sie zum Einlenken zu bewegen. Auch der Unternehmer, der die Arbeiten an das Subunternehmen übergeben hatte, war in die Gespräche mit den Arbeitern eingebunden.<BR /><BR />Etwa drei Stunden lang hielten die Männer die Einsatzkräfte in Atem. Gegen 11 Uhr gelang es schließlich, sie davon zu überzeugen, freiwillig vom Kran zu steigen. Der Subunternehmer hatte offenbar zugesichert, das ausstehende Geld auszuzahlen.<BR /><BR />„Die Carabinieri werden nun gemeinsam mit dem Arbeitsinspektorat der Provinz Bozen die Hintergründe des gestrigen Vorfalls auf der Baustelle in St. Sigmund untersuchen“, erklärte Oberstleutnant Di Buduo. Dabei solle geklärt werden, ob die von den zwei Brüdern erhobenen Vorwürfe gegen ihren Arbeitgeber wirklich zutreffen und ob auf der Baustelle alle arbeitsrechtlichen Bestimmungen eingehalten wurden.<BR /><BR />Das ausführende Bauunternehmen (Bauträger) der gesamten Wohnanlage in St. Sigmund stellt in einer schriftlichen Stellungnahme klar, dass es für die ausstehenden Zahlungen an die beiden Arbeitnehmer bzw. an das Subunternehmen nicht verantwortlich ist.