Dienstag, 08. Oktober 2019

Dramatischer Bergungseinsatz rettet junger Schwedin das Leben

Die Oberpusterer Bergretter haben erneut ihre Rettungskompetenz unter Beweis gestellt. Zum wiederholten Mal wurden sie zu einem schwierigen Bergeinsatz gerufen – mit einem Wettlauf gegen die Zeit am Paternkofel. Die Suche im Nebel vor einbrechender Dunkelheit gestaltete sich zur buchstäblichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Die junge Schwedin hatte sich im unwegsamen Fels dermaßen verirrt, dass sie weder vor noch zurück konnte.
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Die junge Schwedin hatte sich im unwegsamen Fels dermaßen verirrt, dass sie weder vor noch zurück konnte. - Foto: © Christian Tschurtschenthaler

Es ist am späten Sonntagnachmittag, kurz nach 16 Uhr als bei der Landesrettungszentrale ein Notruf eingeht. Eine Bergsteigerin wird am 2.744 Meter hohen Paternkofel vermisst. Da nicht klar ist, an welcher Seite des Gipfels nach dem Vermissten gesucht werden soll, startet der BRD Hochpustertal ins Drei Zinnen-Gebiet.

Bald ist klar, dass sich die Suche nach der verschollenen Frau schwierig gestalten würde, als zunächst angenommen, denn dichter Nebel hat sich mittlerweile vom Gipfel bis ans Zinnenplateau gelegt. Immer wieder kommen Hilferufe aus der Tiefe, die von Bergsteigern am Gipfel vernommen werden, aber die Sicht ist so schlecht, dass man kaum zehn Meter weit sehen kann. An ein Einsteigen in die zerklüftete Felsformation ist nicht zu denken.

Weitere Details werden bekannt – bei der Vermissten handelt es sich um eine 29-jährige schwedische Touristin, die mit zwei Landsleuten ein paar Tage Bergurlaub in den Sextner Dolomiten verbrachte und von der Auronzohütte über die Gamsscharte zum Paternkofel aufgestiegen war. Auf dem Rückweg verloren sich die drei wegen des starken Nebels aus den Augen. Die junge Schwedin hatte sich im unwegsamen Fels daraufhin dermaßen verirrt, dass sie weder vor noch zurück konnte.

Wolkenfenster tut sich auf

Mittlerweile ist der Alarm auch auf Sexten ausgedehnt worden – es ist 16.40 Uhr. Die Bergretter um Joe Rainer eilen zur Drei Zinnen-Hütte. Eine Schlechtwetterfront mit dunklen Wolken zieht auf. Auch der Rettungshubschrauber Pelikan I ist im Einsatz. Wenig später kommen auch die Rettungskräfte der Finanzwache zu Hilfe. Doch der Hubschrauber kann nicht fliegen – alles grau in grau, keine Sicht. Langsam wird die Zeit knapp. Nach 18 Uhr bricht Anfang Oktober die Dunkelheit herein, dann muss der Einsatz abgebrochen werden.

Wie durch ein Wunder öffnet sich kurz vor sechs ein Wolkenfenster und macht den Blick auf den Gipfel frei. Sofort startet der Rettungshubschrauber mit Bergrettungsmännern an Bord zum Erkundungsflug. An einer ausgesetzten Stelle an der Westwand des Paternkofels können die Männer die vermisste Schwedin orten. Per Seilwinde werden die Retter zur unter Schock stehenden, aber unverletzten Frau hinabgelassen, die diese erstversorgen und mit an Bord nehmen. In der Zwischenzeit hat leichter Schneeregen eingesetzt, es ist sehr kalt. Die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt.

Wenig später versinkt der Paternkofel in Nacht und Nebel – doch sind alle wohlbehalten im Tal. Glücklich, einer sich anbahnenden Bergtragödie gerade noch entkommen zu sein und voll des Lobes über die beispielhafte Koordination und Zusammenarbeit zwischen den im Einsatz stehenden Rettungskräften und dem Rettungshubschrauber Pelikan I. Dies hat der jungen schwedischen Bergsteigerin wohl das Leben gerettet, denn eine Nacht in Eiseskälte und bei Neuschnee hätte wohl den sicheren Tod bedeutet.

christian tschurtschenthaler