„Krisen führen zu erheblichen Unsicherheiten und Ängsten, die viele Paare dazu veranlassen, ihre Kinderwünsche zu überdenken oder ganz aufzugeben“, berichtet Familienseelsorger Toni Fiung. „Das Bewusstsein für Umweltprobleme und die Auswirkungen des Klimawandels wächst“, meint Fiung.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1055481_image" /></div> <BR /><BR />Auch die Vorsitzende des Jugendringes, <b>Tanja Rainer</b> berichtet von jungen Menschen die offen und klar sagen: Kinder in diese Welt zu setzen, ist verantwortungslos – aufgrund der Kriege und der Klimakrise. Dabei stehe die Familiengründung als Zukunftswunsch bei Jugendlichen noch immer ganz oben – auf Platz 1 – laut einer Jugendstudie des Landesstatistikinstituts ASTAT. <h3> Mit 25 Jahren lässt der Kinderwunsch nach</h3>Aber: So mit 25 oder 26 Jahren lässt dieser Wunsch nach Kindern dann langsam nach, sagt Rainer. In Südtirol würden dann aber auch die hohen Wohnungs- und Mietpreise eine mitentscheidende Rolle spielen: „Sich vom Elternhaus abzunabeln und eine eigene Wohnung zu kaufen, ist oft ein Ding der Unmöglichkeit geworden, auch die Mietpreise sind horrend“, meint Rainer. Und: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei schwierig.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1055484_image" /></div> <BR /><BR />Ähnlich sieht es Familienseelsorger <b>Toni Fiung</b>. Das Leben sei sehr teuer und viele Paare würden mit dem Kinderkriegen abwarten, weil zuerst eine finanzielle Sicherheit da sein müsse, erst dann sei Platz für ein Kind. „Die Entscheidung für ein Kind ist sehr überlegt, und ich bin auch sehr überrascht darüber, dass immer mehr Paare sich nicht für ein Kind entscheiden – diese Gruppe wird größer“, sagt Fiung. „Immer mehr Paare stecken den Kinderwunsch zurück, und überlegen sich sehr wohl, ob sie ein Kind wollen.“ Viele Paare fühlten sich finanziell nicht in der Lage, die Kosten der Kindererziehung zu tragen. Die Ausgaben für Kinderbetreuung, Bildung und gesundheitliche Versorgung seien hoch. „Die wirtschaftliche Instabilität und die hohen Lebenshaltungskosten, insbesondere in städtischen Gebieten, tragen dazu bei, dass sich viele Paare gegen Kinder entscheiden“, berichtet der Familienseelsorger.<h3> Immer mehr Paare legen Wert auf Unabhängigkeit</h3>Und: Viele Paare würden Wert auf ihre Unabhängigkeit, Flexibilität und persönliche Freiheit legen, die durch Kinder eingeschränkt werden könnten. „Paare meinen oft, sie müssten den Kindern nur das Allerbeste ermöglichen und alle möglichen Wege ebnen – das muss aber nicht sein“, betont Fiung. „Eltern sollten das geben, was sie geben können und das muss nicht alles sein.“<h3> Nur das Krankenhaus Bruneck tanzt aus der Reihe</h3>In Südtirols Krankenhäusern ist die Zahl der Neugeborenen heuer im ersten Halbjahr gegenüber 2023 insgesamt gesunken. Im Krankenhaus <Fett> Brixen</Fett> lag die Zahl der Babys heuer im ersten Halbjahr bei 422 – das sind um 12,2 Prozent weniger als 2023 (481 Babys). Einen Rückgang meldet auch das Krankenhaus <Fett>Meran:</Fett> 605 Neugeborene im ersten Halbjahr 2024 gegenüber 634 Babys in den ersten 6 Monaten 2023 (-4,5 Prozent). <Fett>Bozen</Fett> hält sich relativ gut: 726 Neugeborene in den ersten 6 Monaten 2024 gegenüber 736 Neugeborenen 2023 (-1,36 Prozent). Im Krankenhaus <Fett>Schlanders</Fett> gibt es in den ersten 6 Monaten ein Minus von 12,9 Prozent bei den Geburten: 142 gegenüber 163 im ersten Halbjahr 2023.<BR /><BR />Aus der Reihe tanzt <Fett>Bruneck</Fett>: Dort sind heuer im ersten Halbjahr 377 Babys auf die Welt gekommen, das sind um 42 mehr als im Vergleichszeitraum 2023 (+12,5 Prozent), da hatten 335 das Licht der Welt erblickt.<BR /><BR />Der Abwärtstrend bei den Geburten wird sich damit heuer voraussichtlich weiter fortsetzen: 2023 haben laut ASTAT 4690 Babys das Licht der Welt erblickt, 2022 waren es noch 4912 gewesen und 2021 4980. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren immerhin 5234 Babys auf die Welt gekommen.