Josef Gelmi erklärt im Interview, an welcher Schicksalfrage der künftige Papst nicht vorbei kommt und gibt seine Antwort auf die Frage, ob es mit der Kirche insgesamt nun auf- oder abwärts geht. <BR /><BR /><BR /><b>Der Verlag Tyrolia hat angekündigt, dass bereits Mitte Mai eine Neuauflage Ihres Bestsellers „Die Geschichte der Päpste“ erscheint – samt einem Porträt des Nachfolgers von Papst Franziskus. Haben Sie zu einigen Kandidaten für das Amt schon Informationen gesammelt?</b><BR />Josef Gelmi: Sehr ausführlich behandle ich darin Papst Franziskus. Alles in allem muss ich sagen: Das war schon ein bedeutender Papst, der in die Kirchengeschichte eingehen wird. Wer danach kommt, das ist die spannende Frage. Da ist es sehr schwierig, Hypothesen aufzustellen. Auch deshalb weil Papst Franziskus <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/bildergalerie-diese-133-kardinaele-waehlen-den-neuen-papst" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Kardinäle aus aller Welt</a> und vor allem aus der Peripherie ernannt hat. Es sind Kardinäle, die sich kaum kennen. Es wird schwierig, da Namen zu finden, die von allen angenommen werden. <BR /><BR /><b>Haben Sie einige?</b><BR />Gelmi: Ich will mich da nicht zu sehr irgendwie festlegen, aber Pietro Parolin, der Kardinalstaatssekretär, hat sicher Chancen. Er wäre ein guter Kandidat. Dann wäre Pierbattista Pizzaballa, der Patriarch von Jerusalem. Er ist sehr vernetzt, hat gute Beziehungen zum Judentum und zur Welt des Islam. Mit 60 Jahren ist er auch noch nicht so alt. Dann sind natürlich viele andere, zum Beispiel der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle, der ja ein Dikasterium in Rom leitet. Er ist auch sehr beliebt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1161903_image" /></div> <BR /><BR /><b>Rechnen Sie mit einem Papst, der wie Franziskus auf Reformen setzt, oder kommt einer, der das Rad zurückdreht und der Kirche sozusagen ein kantigeres Profil geben will? </b><BR />Gelmi: Das ist sehr schwer zu sagen, denn es gibt natürlich konservative und progressive Seilschaften. Sie werden wahrscheinlich einen Kompromiss suchen müssen. Aber wer immer Papst wird: Ich bin überzeugt, dass die Frauenfrage, ganz egal ob es ein konservativer Papst wird oder ein progressiver, die Frauenfrage eine Schlüsselrolle spielen wird.<BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Gelmi: Weil das Verlangen nach Gleichstellung der Frauen überall und auf allen Gebieten sehr stark ist. Auch in der Kirche. Und ich bin ganz überzeugt, dass Frauen da eine sehr wichtige Rolle spielen werden. Das ist nicht nur ein europäisches Problem, wie oft gesagt wird. Das wird überall diskutiert, in Amerika wie in Australien. <BR /><BR /><b>Reden wir da konkret von der Weihe von Frauen, also etwa dem Diakonat? Eine Arbeitsgruppe im Auftrag von Papst Franziskus studiert das ja. </b><BR />Gelmi: Ja, ich glaube schon, dass Frauen zum Diakonat zugelassen werden. Es ist an der Zeit, dass wir da einen Schritt weiter gehen und Mut zeigen. Aber das hängt natürlich vom zukünftigen Papst ab. Er hat eben eine große Macht in der Kirche. Franziskus hat zwar nie von Unfehlbarkeit gesprochen, aber es gibt eben den Jurisdiktionsprimat, die Vollmacht des Papstes. Auch wenn viel vom synodalen Prozess gesprochen wird: Letztlich entscheidet der Papst. <BR /><BR /><b>Schlussfrage: Sie haben sich über Jahrzehnte mit der Kirche beschäftigt, von den Anfängen bis heute. Geht es mit der Kirche aufwärts oder abwärts – global gesehen? </b><BR />Gelmi: Global gesehen geht es aufwärts. Die Kirche hat große Erfolge zu verzeichnen, in Afrika, in Asien, Südamerika, weniger natürlich in Europa, aber alles in allem, wenn man das jetzt global sieht, glaube ich. Es geht aufwärts.