Montag, 11. März 2019

Drei Linzer Ärzte starben bei Flugzeugabsturz in Äthiopien

Beim Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien sind am Sonntag alle 157 Insassen ums Leben gekommen. Die fast fabrikneue Boeing 737-800MAX der Ethiopian Airlines verunglückte aus bisher unbekannter Ursache kurz nach dem Start in Addis Abeba auf dem Weg nach Nairobi. Unter den Opfern aus insgesamt 35 Nationen sind auch drei junge Ärzte aus Oberösterreich. Sie waren am Weg nach Sansibar.

Aufräumarbeiten bei der Absturzstelle Foto: APA (AFP)
Aufräumarbeiten bei der Absturzstelle Foto: APA (AFP)

Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz wurde der Flugschreiber der verunglückten Maschine gefunden. Das berichtete am Montag Äthiopiens staatlicher Fernsehsender Fana. Ein Vertreter der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines bestätigte dies und erklärte, die Blackbox der Maschine vom Typ Boeing 737 Max 8 sei ersten Erkenntnissen zufolge beschädigt. Es sei daher noch unklar, wie viele Informationen daraus zu gewinnen seien.

Die Vereinten Nationen setzten ihre Flaggen am Montag auf halbmast, weil sich unter den Opfern auch 19 UNO-Mitarbeiter befanden. Demnach sind unter den Absturzopfern Mitarbeiter von mindestens fünf UNO-Organisationen oder mit den Vereinten Nationen verbundenen Organisationen: Dem Welternährungsprogramm WFP, dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, dem UNO-Umweltprogramm UNEP, der Weltbank und der Internationalen Fernmeldeunion. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte, das Unglück mache ihn „zutiefst traurig”.

Nach dem Flugzeugabsturz kündigte der Geschäftsführer der betroffenen Fluglinie auf einer Pressekonferenz eingehende Untersuchungen an. „Es ist zu früh, um über die Ursache des Unfalls spekulieren zu können. Weitere Ermittlungen sind in Zusammenarbeit mit dem Flugzeughersteller Boeing, der Ethiopian Civil Aviation Authority und anderen internationalen Organisationen im Gange”, meinte der Geschäftsführer der Ethiopian Airlines, Tewolde GebreMariam. Seine Gesellschaft wolle „die Familien der Opfer mit allen nötigen Mitteln unterstützen”.

Die verunglückte Boeing 737-800MAX war Sonntagfrüh von Johannesburg nach Addis Abeba geflogen und sollte von dort Reisende nach Nairobi bringen. Erst kürzlich - am 4. Februar - wären an der Maschine „strenge Wartungen” durchgeführt worden, sagte GebreMariam. Gesteuert wurde das Flugzeug von einem erfahrenen Piloten, der 8.000 Flugstunden absolviert hatte. Bei dem Unglück kamen laut nunmehrigen Angaben der Fluglinie 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder aus 35 verschiedenen Nationen ums Leben.

Die drei österreichischen Todesopfer waren Männer im Alter von 30 und 31 Jahren. Entgegen ersten Meldungen stammten nicht alle aus Oberösterreich, präzisierte das Außenministerium in Wien am Montag die ursprünglichen Angaben. Einer der drei Ärzte kam demnach gebürtig aus Niederösterreich, ein weiterer aus Kärnten.

Alle drei Mediziner wollten laut Ministerium von Addis Abeba mit einer Zwischenlandung in Nairobi nach Sansibar fliegen, „um dort medizinisch zu arbeiten”. Die Angehörigen waren bereits am Sonntag verständigt worden, sie wurden psychologisch betreut.

Im Landeskrankenhaus Steyr in Oberösterreich, in dem einer der drei getöteten Ärzte gearbeitet hat, herrschte am Montag tiefe Trauer. Das Spital wurde am Vormittag schwarz beflaggt.

Der laut Außenministerium in Niederösterreich geborene 31-jährige Mediziner machte seit Herbst 2018 eine Facharztausbildung am Landeskrankenhaus Steyr. „Die Betroffenheit in der Abteilung und im Haus ist groß. Der Kollege war erst seit kurzem bei uns tätig, war aber aufgrund seiner menschlichen Qualitäten schnell in das Team integriert und wurde im Haus und an der Abteilung sehr geschätzt”, so der ärztliche Direktor Michael Hubich in einer Presseaussendung.

Auch im Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz wurde am Montag getrauert. In dem Spital hat ein anderer der bei dem Flugzeugabsturz getöteten Ärzte gearbeitet. Am Vormittag wurde vor dem Spital die schwarze Fahne aufgezogen. Man stehe in Kontakt mit der Familie des Mediziners, „der unser aufrichtiges Beileid gilt”, so der medizinische Geschäftsführer Stefan Meusburger in einer Aussendung.

Die Medizinische Universität (MedUni) Wien zeigte sich in einer Stellungnahme auf ihrer Internetseite „zutiefst erschüttert” vom Tod ihres 30-jährigen Kollegen. Er sei nach dem Abschluss seines Studiums an der MedUni Wien als Assistenzarzt an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, tätig gewesen und kurz vor dem Abschluss seiner Facharztausbildung gestanden.

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) reagierte betroffen. „Der Tod der drei jungen Kollegen, die in Ausübung ihrer medizinischen Aufgaben unterwegs waren, erfüllt mich mit großem Schmerz und Betroffenheit”, teilte ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres am Montag in einer Aussendung mit. „Die Anteilnahme der gesamten Ärztekammer gilt den Angehörigen der Opfer, denen wir in diesen schweren Stunden unser aufrichtiges Beileid aussprechen und viel Kraft wünschen möchten”, betonte Szekeres.

Beileidsbekundungen sprachen den Betroffenen unter anderem Bundespräsident Alexander van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) und der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) aus.

Ein deutscher Pfarrer, der seit dem Jahr 2000 in der evangelischen Gemeinde in St. Ruprecht bei Villach tätig war, kam ebenfalls bei dem Absturz ums Leben. Der 51-Jährige war im Auftrag des Weltkirchenrates unterwegs zur UNO-Umweltkonferenz in Nairobi, teilte der Evangelische Pressedienst für Österreich (epdÖ) am Montag mit. Dort sollte er zur „Wirtschaft des Lebens” und wirtschaftlicher Gerechtigkeit sprechen.

Ethiopian Airlines gehört mit einer Flotte von 108 Flugzeugen zu den größten Airlines Afrikas und zum Verbund der von der Lufthansa mitgegründeten Star Alliance. Zuletzt war ein Passagierflugzeug der Ethiopian Airlines im Jahr 2010 in einen schweren Unfall verwickelt. Damals explodierte eine Boeing 737-800 nach dem Start im Libanon - 83 Passagiere und sieben Crewmitglieder kamen ums Leben. Grundsätzlich gilt Ethiopian Airlines als zuverlässige Fluggesellschaft. Sie bietet weltweite Verbindungen an, auch nach Frankfurt am Main, München, London, New York und Bangkok.

Das Unglück wirft ein schiefes Licht auf den betroffenen Flugzeugtyp Boeing 737 MAX 8. Die Unglücksmaschine war erst kürzlich an Ethiopian Airlines ausgeliefert worden. Erst im Oktober 2018 war ein Flugzeug dieses Typs in Indonesien verunglückt - ebenfalls kurz nach dem Start. Damals waren alle 189 Menschen an Bord der Lion-Air-Maschine ums Leben gekommen.

Auch Indonesien verhängte nach dem Absturz in Äthiopien ein Startverbot. Alle Maschinen vom baugleichen Typ Boeing 737 Max 8, die indonesischen Fluggesellschaften gehören, müssen bis auf Weiteres am Boden bleiben, wie das Verkehrsministerium in Jakarta am Montag mitteilte. Insgesamt gibt es in dem südostasiatischen Land elf dieser Maschinen. Zuvor hatten bereits China und Äthiopien ähnliche Verbote erlassen.

apa/ag.

stol