In offiziellen Datenbanken werden Meldungen über Nebenwirkungen erfasst, aber dieses Material muss auch richtig ausgewertet werden. <BR /><BR /><BR /><BR />Wahr an der Sache ist jedenfalls: Ein FDA-Ausschuss lehnte am 17. September 2021 eine generelle Empfehlung eines Boosters des Herstellers BioNTech/Pfizer ab. Allerdings gab es eine derartige Empfehlung sowohl für alle Über-65-Jährigen als auch für jene Über-18-Jährigen, die Risikogruppen angehören oder dem Virus regelmäßig ausgesetzt sein könnten. In einer Aussendung der FDA vom 22. September wurde diese Freigabe bestätigt. <BR /><BR />Von einem Verbot kann daher keine Rede sein. Dennoch verbreiteten sich rasch Behauptungen, wonach Experten bei dem FDA-Meeting gesagt hätten, dass die Impfung mehr schadet als hilft. <BR /><BR />Um einen Experten handelt es sich bei einer oft genannten Quelle nicht. Es ist korrekt, dass ein Mann namens Steve Kirsch im Rahmen dieses Meetings eine Präsentation über Nebenwirkungen der Impfung abgehalten hat. Kirsch ist jedoch kein „geschätzter Epidemiologe“, sondern Elektroingenieur und Informatiker. Dies ist auch auf der Webseite des „Covid-19 Early Treatment Funds“ zu lesen. Kirsch fiel bereits mehrmals wegen der Verbreitung von Desinformationen auf, welche durch Faktenchecks widerlegt wurden.<BR /><BR /><b>Daten werden instrumentalisiert</b><BR /><BR />In seiner Präsentation argumentiert Kirsch mit einem angeblich 71mal höheren Risiko für Herzinfarkte bei einer Pfizer-Impfung im Vergleich zu anderen Impfungen. Er bezieht sich dabei auf Daten aus dem amerikanischen Vaccine Adverse Event Reporting System (VAERS), wo Symptome und Tode in zeitlichem Zusammenhang zu einer Impfung dokumentiert werden können.<BR /><BR />Die Daten aus diesen Datenbanken können aber nicht für bare Münze genommen und von Impfgegnern instrumentalisiert werden. Es existieren zudem bereits zahlreiche Hinweise für Benutzer der Datenbanken, die vor der Interpretation dieser Datenbanken warnen, so etwa auch von der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention.<BR /><BR /><b>Keine Auffälligkeiten</b><BR /><BR />Auch in Europa gibt es derartige Datenbanken zur Erfassung von möglichen Impfreaktionen wie etwa jene der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) EudraVigilance. Hier gilt ebenfalls, dass die Meldungen nicht kausal mit der Impfung in Verbindung stehen und somit nicht belastbar sind.<BR /><BR />In der restlichen Präsentation bezieht sich Kirsch vor allem auf Einzelfälle, aber auch auf eine Preprint-Studie von Pfizer selbst greift er zurück. Die Sechs-Monate-Studie liefert das Ergebnis, dass der Impfstoff sicher ist und keine Auffälligkeiten bei der Sicherheit festgestellt werden konnten.<BR /><BR />Kirsch verweist aber etwa auf den Umstand, dass unter den rund 45.000 Teilnehmern 15 Geimpfte und 14 aus der Placebo-Gruppe gestorben sind. Nachdem die Teilnehmer über ihre Gruppenzugehörigkeit in der Studie aufgeklärt wurden, starben weitere 3 Geimpfte und 2 aus der Placebo-Gruppe, die zu dem Zeitpunkt bereits geimpft waren. Kirsch leitet fälschlicherweise unter anderem daraus ab, dass man Menschen mit einer Impfung mehr gefährde als rette, obwohl in der Studie explizit erwähnt wird, dass keiner der Todesfälle mit der Impfung in Verbindung gebracht werden konnte und die Impfung effektiv gegen das Virus sei.<BR /><BR /><b>Das Herzstillstand-Risiko</b><BR /><BR />Bei den vorliegenden Behauptungen leiten manche ein vierfaches Herzstillstand-Risiko für Geimpfte ab, weil bei der Aufteilung der Gesamttode auf einzelne Todesursachen 4 Herzstillstände bei Geimpften und nur einer bei der Kontrollgruppe verzeichnet wurden. Dass diese Interpretation allein auf Basis dieser Zahlen nicht getroffen werden kann, zeigt ein Blick auf Herzinfarkte: Hier starben 2 Personen aus der Kontrollgruppe, aber keiner der Geimpften. Deswegen nur anhand dieser Zahlen zu schlussfolgern, dass die Impfung Herzinfarkte verhindert, wäre ebenfalls falsch. In der Studie heißt es, dass die Todesursachen zwischen beiden Gruppen gleich aufgeteilt waren.<BR /><BR />Mögliche Auswirkungen der Impfung auf Herzerkrankungen wie Herzmuskelentzündungen wurden bereits detektiert und werden untersucht. So weist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in einem Rote-Hand-Brief etwa auf Myokarditis als sehr seltene Folge einer mRNA-Impfung hin. Eine aktuelle Studie aus Israel weist für die Impfung mit BioNTech/Pfizer zwar ein erhöhtes Risiko für Myokarditis nach, zeigt aber auf, dass dieses Risiko durch eine Corona-Infektion viel höher ausfällt. Auch die Deutsche Herzstiftung verweist auf diese Daten und darauf, dass das Risiko-Nutzen-Profil der mRNA-Impfung weiterhin als positiv angesehen wird.<BR /><BR />Der Faktencheck der Nachrichtenagentur APA kommt also zu folgendem Ergebnis: Die FDA hat den Pfizer-Booster nicht verboten, sondern nur für gewisse Risikogruppen empfohlen und freigegeben. Der angebliche Corona-Forscher ist Elektroingenieur und Informatiker, seine Berechnungen fußen größtenteils auf nicht belastbaren Daten.<BR /><BR />