Dienstag, 15. September 2020

Drogenhandel auf offener Straße – und keiner tut etwas

Gäste trauen sich nicht mehr, aus dem Hotel auf die Straße zu treten, Kellnerinnen kündigen, weil sie Angst haben, in dieser Zone zu arbeiten, Geschäftsleute werden beschimpft und Drogenhändler bedrängen harmlose Passanten.Das Gebiet um die Perathonerstraße nahe dem Bozner Bahnhof wird immer mehr zum rechtsfreien Raum.

Obwohl das Drogenproblem rund um den Bahnhofspark in Bozen seit Jahren bekannt ist und teilweise auch von den Ordnungskräften kontrolliert wird, verschärfte sich die Situation von Tag zu Tag. Die umliegenden Geschäftsinhaber wissen nicht mehr, wie sie sich verhalten sollen und werden heute öffentlich auf die Missstände aufmerksam machen. Eine „Dolomiten“-Umfrage hat ergeben, dass der offen praktizierte Drogenhandel bereits dazu führe, dass Kunden immer rarer würden. - Foto: © stol
Obwohl das Drogenproblem rund um den Bahnhofspark seit Jahren bekannt ist und teilweise auch von den Ordnungskräften kontrolliert wird, verschärft sich die Situation von Tag zu Tag. Die umliegenden Geschäftsinhaber wissen nicht mehr, wie sie sich verhalten sollen und wollen heute öffentlich auf die Missstände aufmerksam machen. Eine „Dolomiten“-Umfrage hat ergeben, dass der offen praktizierte Drogenhandel dazu führt, dass Kunden immer rarer werden.

Veronika Fink vom Hotel „Adria“ strahlt trotz vieler Rückschläge und Enttäuschungen ob der mangelnden Hilfestellung seitens der Sicherheitsbehörden eine Art Optimismus aus: „Es ist schon mehr als 3 Jahre lang so, dass wir von den Einwanderern hier nicht in Ruhe gelassen werden. Kunden beklagen sich und haben teilweise Angst, das Hotel zu verlassen, denn manche der Drogenhändler sind sehr hartnäckig und auch aggressiv. Ich rufe nahezu täglich die Polizeibehörden an, aber ich werde immer wieder beschwichtigt und vertröstet.“

Ähnlich negativ und sehr verärgert äußert sich auch Hubert Burger vom Traditionscafé „Mozart“: „Es passiert schon mal, dass die Einwanderer direkt vor unserer Bar ihre Drogengeschäfte abwickeln, sie stören sich nicht daran und sie werden auch nicht daran gehindert. Die Sicherheitskräfte schreiten auch nicht ein. Und sollte wirklich einmal einer der Händler auf die Quästur mitgenommen werden, so sehen wir ihn kurz darauf wieder vor unserer Haustür.“ Die Familie Burger betreibt schon seit 26 Jahren dieses Café, so schlimm wie derzeit sei die Lage aber noch nie gewesen.

Der junge Johannes von Klebelsberg vom neu eröffneten Bistro „vicino“ ist von Haus aus ein optimistischer Mensch, „andernfalls wäre ich nie auf die Idee gekommen, hier ein Geschäft zu eröffnen. Aber ich liebe die Herausforderungen: Als eingefleischter Downhiller bin ich die Risikoeinschätzungen gewöhnt. Wichtig ist auch, klare Kante zu zeigen, doch vor allem wären auch die Gesetze entsprechend anzupassen.“


d