Montag, 07. September 2020

Drohungen gegen Direktoren

In so manch einer Grundschulklasse dürfte heute am ersten Schultag ein Liedchen angestimmt werden – und das ist auch erlaubt, betont Bildungslandesrat Philipp Achammer. Anderslautende Meldungen seien „nur“ eine Empfehlung aus Rom, keine Vorschrift. Was in seinen Augen aber überhaupt nicht gehe, sei, den Direktoren mit dem Nichteinhalten der Sicherheitsmaßnahmen zu drohen. Das berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ am Montag.

An den Schulen gelten genaue Regeln.
Badge Local
An den Schulen gelten genaue Regeln. - Foto: © shutterstock
Seit einigen Tagen kursiert über verschiedene Kanäle ein Schreiben, dessen Urheber (noch) unbekannt ist. Darin werden die Schuldirektoren aufgefordert, die zivil- und strafrechtliche Verantwortung „für jegliche physische, psychologische und moralische Schäden für die Gesundheit des Kindes“ zu übernehmen, die durch das Tragen von Masken in den Gängen des Schulgebäudes und bei der Pause am Schulhof sowie „durch das ,soziale Distanzieren‘ und das Desinfizieren der Hände“ entstehen.

Werde die Verantwortung nicht übernommen, werde der unterfertige Elternteil dem Kind gestatten, auf Maske und Desinfektionsmittel in der Schule zu verzichten. Mit Verweis auf Verfassungsrechte und Strafanzeigen wird betont, dass das Kind in der Folge weder von der Schule ausgeschlossen noch „sozial ausgeschlossen“ werden dürfte.

„Konfrontation und Egoismus“

Bildungslandesrat Philipp Achammer findet klare Worte: „Das hat mit Respekt und Verständnis, das in dieser Notsituation ungemein wichtig ist, nichts mehr zu tun, sondern nur mit Konfrontation und Egoismus.“ Kritik sei erlaubt, was aber nicht gehe sei, „einen ideologischen Krieg auf dem Rücken der Kinder auszutragen“.

Die Direktoren werden von der Bildungsverwaltung informiert, ihnen wird geraten, auf das Schreiben nicht einzugehen und es zu ignorieren. „Wir halten uns an Gesetze und Richtlinien. Wir wären belangbar, wenn wir das nicht tun würden“, sagt Achammer. Außerdem betont er, dass die getroffenen Maßnahmen „vertretbar und machbar“ seien. „In Bayern beginnt das Schuljahr mit einer Maskenpflicht auch im Unterricht, nicht nur auf Gängen und in Pausenhöfen“, betont er. „Und ich wiederhole meinen Appell, das Schuljahr in Ruhe anzugehen und nicht von Beginn an auf Konfrontation zu setzen.“

Singen in Schulen erlaubt

Eine weitere Klarstellung betrifft das Singen in den Schulen: Ein Singverbot, das übers Wochenende die Runde machte, gebe es nicht. „Das wurde im wissenschaftlichen Komitee diskutiert, genauso wie kürzlich eine Masken-Pflicht auch im Unterricht. Ich finde, unsere Maßnahmen reichen aus. Alles, was noch weiter eingrenzt und einschränkt, ist nicht notwendig“, sagt Achammer. Es darf also ab heute auch gesungen werden in den Klassen – mit Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen.

wib