Freitag, 22. April 2016

"Du bist zu nichts zu gebrauchen": Mobbing am Arbeitsplatz

Belästigungen, Bedrohungen, Diskrimination, Intrigen: Immer mehr Menschen in Südtirol geben an, Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz zu sein. Dass dieses Problem nicht nur ein soziales, sondern auch ein wirtschaftliches ist, betonten Landesräting Martha Stocker, Gleichstellungsräting Michela Morandini und die Präsidentin des Beirates für Chancengleichheit Ulrike Oberhammer am Freitag auf einer Pressekonferenz.

Mobbing am Arbeitsplatz ist nicht nur ein soziales, sondern auch ein wirtschaftliches Problem.
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Mobbing am Arbeitsplatz ist nicht nur ein soziales, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. - Foto: © shutterstock

„Mobbing ist kein Kavaliersdelikt: Mobbing macht krank“, erklärte Landesrätin Stocker bei der Pressekonferenz und rief zum Handeln auf. 

Was ist Mobbing?

Als Mobbing bezeichnet man systematische Anfeindungen über einen längeren Zeitraum. Dies hat unter anderem Schlafstörungen, Nervosität, Depressionen, Erschöpfungs- und auch Angstzustände zur Folge.

Mobbing hat aber nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern kann auch für den Arbeitgeber zu einem nicht unbedeutenden Kostenfaktor werden. Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz verzeichnen laut einer Studie des Ispesl (Institut zur Vorbeugung und Sicherheit der Arbeit) einen Rückgang von 70 Prozent in Sachen Produktivität und auch Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Dies wiederum verursacht indirekte Spesen für den Arbeitsausfall und Aufwendungen für die Krankheitsbehandlungen. Damit werden Unternehmen immer häufiger belastet.

Mobbing ist somit nicht nur ein Problem der direkt Betroffenen, sondern entwickelt sich immer mehr auch zu einem Nachteil für Wirtschaft und Gesellschaft.

"Du mobbst mich immer" - Wenn das Wort Mobbing auf die leichte Schulter genommen wird

"Mobbing ist heute ein beflügeltes, oftmals leichtfertig ausgesprochenes Wort. Fachleute aber grenzen das Phänomen ganz klar ab: Nur bei wiederholten, benachteiligenden Handlungen über einen längeren Zeitraum spricht man von Mobbing", stellte Gleichstellungsrätin Michela Morandini auf der Pressekonferenz fest.

Diese mehrmaligen Vorfälle werden durch ungleiche Machtverhältnisse charakterisiert und treten als Gruppenphänomen am Arbeitsplatz und in der Schule auf. Die Austragung von Konflikten zählt nicht zum Mobbing, kann aber oft Ausgangspunkt desselben sein.

Die Studie des Ispesl liefert aktuelle Zahlen: Italienweit sind etwa 1,5 Millionen Menschen (4 Prozent) an ihrem Arbeitsplatz von den unterschiedlichsten Formen von Mobbing betroffen. Auffallend ist: im Norden ist das Phänomen mit 65 Prozent ausgeprägter als im Süden.

1,5 Millionen Arbeitnehmer in Italien geben an, Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz zu sein. Foto: DLife/lo

Insgesamt sind 52 Prozent der Betroffenen Frauen. Im Jahr 2015 haben sich in Südtirol 202 Menschen an die Gleichstellungstellungsrätin gewandt, die angaben, Opfer von Diskriminierungen am Arbeitsplatz zu sein. Die häufigsten Themen dabei waren multiple Diskriminierungen, Flexibilität und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Teilzeitverhältnisse.

Durch die Verschärfung der Situation am Arbeitsmarkt sind letzthin vor allem sensiblere Gruppen von Benachteiligungen am Arbeitsplatz betroffen: Mütter, Arbeitnehmer mit niedrigem Bildungsniveau oder mit Migrationshintergrund. 

Derzeit ist Mobbing nicht gesetzlich geregelt: Neues Antimobbinggesetz für Südtirol

Die genannten Zahlen zeigen für Landesrätin Martha Stocker Handlungsbedarf auch aus gesetzgeberischer Sicht auf, deshalb ist derzeit ein Antimobbinggesetz in Ausarbeitung. Damit sollen präventive Maßnahmen gegen Mobbing am Arbeitsplatz gesetzt, das betriebliche Wohlbefinden und die Förderung und der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter gefördert werden.

Unterstützt werden sollen die betroffenen Arbeitnehmer und Unternehmen dabei von einem Netzwerk von Fachexperten.

Mit einem Antimobbing-Gesetz auf Provinzebene soll gegen das Phänomen vorgegangen werden. - Foto: DLife 

"Mit diesem Gesetz wollen wir die Grundlage schaffen, dieses höchst bedenkliche Phänomen des Mobbings weitestgehend in der Entstehungsphase einzugrenzen und das bereits bestehende Netzwerk für Mobbingopfer stärken und wo nötig zu ergänzen", so die Landesrätin.

Die Ausarbeitung des Gesetzes wird gemeinsam mit den Interessensgruppen erfolgen. Aktuell fehlt in Italien ein spezifisches Antimobbinggesetz, somit muss auf geltende Rechtsnormen zurückgegriffen werden, um das Opfer zu schützen. Das ist nicht immer einfach, umso wichtiger sind präventive Maßnahmen, so die Landesrätin. 

stol/liz

stol