In Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein starben drei Frauen vermutlich im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen, wie die Behörden am Dienstag mitteilten. Die Ursache für die ungewöhnlich starke Verbreitung der Darm-Bakterien, die blutigen Durchfall auslösen können, blieb weiter unklar.In Niedersachsen starb dem Landes-Gesundheitsministerium zufolge am Samstag eine 83-jährige Frau. Sie war demnach seit dem 15. Mai wegen eines blutigen Durchfalls stationär behandelt worden. Die Frau sei im Labor positiv auf eine EHEC-Infektion getestet worden. Die Untersuchungen zu den Todesumständen sind noch nicht abgeschlossen.In Bremen starb nach Angaben der Landes-Gesundheitsbehörde in der Nacht auf Dienstag eine junge Frau, die zuvor typische Symptome einer EHEC-Infektion gezeigt hatte. Bei ihr bestand der Verdacht auf das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das durch den EHEC-Erreger verursacht wird. Der Erreger wurde im Labor noch nicht nachgewiesen.In Schleswig-Holstein starb laut dem Gesundheitsministerium am Sonntag eine mehr als 80 Jahre alte Frau, die mit EHEC infiziert war. Ob die Infektion die Todesursache gewesen sei, stehe aber noch nicht fest, erklärte das Ministerium. Die Frau lag demnach wegen einer Operation im Krankenhaus.Der EHEC-Erreger breitet sich seit einigen Tagen ungewöhnlich stark aus. Besonders betroffen ist Norddeutschland. Allein in Schleswig-Holstein gab es am Dienstag 200 Verdachtsfälle von blutigen Durchfallerkrankungen, die mit EHEC-Bakterien in Verbindung gebracht werden. Aus Niedersachsen wurden 96 Verdachtsfälle gemeldet. In Hamburg wurden 42 Patienten aufgrund eines hämolytisch-urämische Syndroms (HUS) oder wegen HUS-Verdachts in Krankenhäusern behandelt.Dem Robert-Koch-Institut (RKI) waren am Dienstag deutschlandweit mehr als 80 HUS-Fälle bekannt. Bei HUS kann es zu akutem Nierenversagen kommen. Die hohe Zahl an lebensbedrohlichen Verläufen bei EHEC-Infektionen ist extrem ungewöhnlich. Dem RKI wurden nach eigenen Angaben im Gesamtjahr 2010 nur 65 HUS-Fälle gemeldet.Die Quelle der Infektionen blieb weiter unklar. Die Gesundheitsbehörden vermuten, dass die Ursache kontaminierter Salat oder Gemüse sein könnten. Auf rohes Fleisch oder Rohmilch, die sonst oft der Grund für EHEC-Infektionen sind, gibt es laut RKI keine Hinweise. Die Bakterien werden direkt oder indirekt von Tieren auf Menschen übertragen. Auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch durch eine sogenannte Schmierinfektion ist möglich.Die Gesundheitsbehörden rieten, bei Lebensmitteln auf Hygiene zu achten und Obst oder Gemüse gründlich zu waschen. Fleisch soll ausreichend gegart, rohes Fleisch möglichst vermieden werden. Gerade bei Durchfall-Erkrankungen sollen Betroffene sich gründlich die Hände waschen. Bei blutigem Durchfall soll umgehend ein Arzt aufgesucht werden.Stichwort: Der EHEC-ErregerEHEC-Keime sind eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Eine EHEC-Infektion kann symptomlos verlaufen, aber auch Durchfälle auslösen. Diese können blutig sein. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen. Die EHEC-Gifte führen bei schweren Verläufen zu Blutarmut, Gefäßschäden und schädigen die Nieren. Mediziner sprechen dann vom hämolytisch-urämischen Syndrom, kurz HUS.Das Robert Koch-Institut (RKI) registrierte seit Einführung der Meldepflicht 2001 in Deutschland jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen. Die Inkubationszeit – der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit – dauert meist ein bis acht Tage. Der Erreger ist hoch ansteckend: Weniger als 100 EHEC-Keime reichen aus, um bei Menschen zur Infektion zu führen.Natürliches Reservoir der Bakterien ist der Darm von Wiederkäuern, speziell von Rindern. Die Keime können durch direkten Kontakt mit Tieren, aber auch durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln – zum Beispiel Rindfleisch oder Rohmilch – übertragen werden. Rohes ungewaschenes Gemüse kann ebenfalls die Ursache sein. Solche Lebensmittel können durch den Dung von Nutztieren oder den Kot wildlebender Tiere verunreinigt werden.Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich. Die Bakterien werden mit dem Stuhl ausgeschieden und finden sich bei schlechter Hygiene zum Beispiel auf Händen oder Spielzeug wieder. Südtirol: Noch keine Fälle bekannt In Südtirol sind derzeit noch keine Fälle von EHEC-Infektionen bekannt. dpa/apa/afp/stol