Demnach hätten genetische Untersuchungen ergeben, dass der Stamm eine mutierte Form aus zwei E. coli-Bakterien ist. Das Besondere an dem Erreger, der nach wie vor als EHEC-Keim zu klassifizieren sei, ist demnach, dass er ein Gen aufweist, das auf EHEC-Erregern nicht anzutreffen istBisher hat es angeblich in Europa keine Fälle mit dem EHEC-Keim des Serotyps O104:H4 gegebenLediglich in Südkorea sei bisher ein Fall beobachtet worden. Das quasi zugewanderte Gen gehört einem anderen Stamm von E. coli-Bakterien an, nämlich den EAEC. Diese Erreger seien normalerweise verantwortlich für chronische Durchfallerkrankungen in Entwicklungsländern. Deutschland: Bereits 17 Todesfälle Ob dies nun für die hohe Pathogenität des Keims verantwortlich ist, wollen die Experten noch nicht beantworten. In Deutschland ist die Zahl der Todesfälle rund drei Wochen nach dem Ausbruch der EHEC-Infektionen auf 17 gestiegen. Eine alte Frau sei in der Nacht auf Donnerstag an einer Infektion mit dem Darmbakterium gestorben, teilte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf am Donnerstag mit. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat noch keinen Hinweis auf eine definierbare Quelle. „Konkrete Ansatzpunkte sind im Moment nicht da“, sagte RKI-Präsident Reinhard Burger. Es sei auch noch zu früh um zu sagen, dass ein Plateau erreicht worden sei. Die Zahl der Infektionen stieg innerhalb von 24 Stunden sprunghaft an.Die Suche nach der Quelle ging unvermittelt weiter. Auf zwei weiteren in Hamburg getesteten Gurken haben Experten nicht den derzeit grassierenden Keim gefunden. Zwar gab es EHEC-Keime auf den Gurken, aber nicht den Serotyp O104:H4.Von den in Deutschland fast 500 gemeldeten EHEC-Fällen gab es die meisten in Hamburg. Im Eppendorfer Klinikum wurden am Donnerstag mehr als 100 Patienten wegen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), einer schweren Komplikation, behandelt. „Der Trend, den wir Anfang der Woche erhofft hatten, dass die Anzahl der Neuinfektionen zurückgeht, hat sich leider nicht bestätigt“, sagte ein Experte in Hamburg. Mit einem weiteren Todesfall in Schweden sind bisher 18 Menschen an den Folgen einer EHEC-Infektion gestorben.Russland verhängt Import-Verbot – EU erzürnt Unterdessen ist zwischen Russland und der EU ein Konflikt um einen von Russland verhängten Importstopp für Gemüse aus allen EU-Ländern ausgebrochen. Russland hatte den Stopp wegen des EHEC-Keims verhängt. Die EU-Kommission hat Russland daraufhin zu einer Erklärung aufgefordert. Die Entscheidung der russischen Behörden sei „unverhältnismäßig“, sagte der für Gesundheit zuständige Sprecher der EU-Kommission, Frederic Vincent, am Donnerstag in Brüssel.Spanien verlangt Schadenersatz Wegen der sich als falsch erwiesenen Einstufung von spanischen Gurken als Quelle für die Infektionen mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC will Spanien nun Schadenersatz verlangen. Sein Land werde „vor den relevanten Behörden in Europa Entschädigungen für den entstandenen Schaden fordern“, sagte Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero am Donnerstag im spanischen Rundfunk. Spaniens Obst- und Gemüse-Exporteuren ist nach eigenen Schätzungen in der vergangenen Woche ein Schaden von mehr als 200 Millionen Euro entstanden.Schadenersatzforderungen kamen auch von den deutschen Bauern: Wegen Millioneneinbußen durch die Angst der Verbraucher vor dem Darmkeim EHEC forderte der Bauernverband Entschädigungen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, bezifferte im Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ die befürchteten Einbußen mit wöchentlich „rund 30 Millionen Euro“. Südtirol: Noch keine Verdachtsfälle Entwarnung gibt es (vorerst) in Südtirol: In Südtirol hat es noch keine Fälle von EHEC-Erkrankungen gegeben. Auf Initiative des Ressorts für Gesundheit trafen sich am 1. Juni die zuständigen Stellen des Landes Südtirols, des Südtiroler Sanitätsbetriebes und Vertreter weiterer Institutionen, um die Situation in Südtirol zu analysieren und eventuelle Maßnahmen zu planen.Wie der Sanitätsbetrieb mitteilt, seien sich alle Fachleute einig gewesen, dass in Südtirol derzeit kein Anlass zur Sorge herrsche.Deshalb würde zur Zeit auch keine spezifischen Maßnahmen wie Verkaufsverbote bzw. Warenzerstörung angewandt. Auch von Seiten des Gesundheitsministeriums in Rom gebe es diesbezüglich derzeit keine Vorgaben. Die Erkrankungswelle in Deutschland und deren Entwicklung werde aufmerksam beobachtet. Zwischen den verschiedenen Diensten und Institutionen des Landes sei vereinbart worden, in ständigem Austausch und Kontakt zu bleiben, um allfällige Informationen rasch weiterleiten zu können. „Sollte sich die derzeitige Situation ändern, werden unverzüglich Maßnahmen getroffen“, heißt es vom Sanitätsbetrieb.apa/dpa/afp/reuters