Donnerstag, 26. Oktober 2017

Ehrenamt: "Die große Änderung kommt in den Folgejahren"

Nur noch mehr Bürokratie oder doch auch Vorteile? Was bringt den ehrenamtlichen und gemeinnützigen Vereinen im Land die Einführung des einheitlichen Online-Verzeichnisses der Körperschaften des dritten Sektors?

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Foto: © shutterstock

Bei der neuen Bestimmung handelt es sich um das Derekt (GvD) vom 3. Juli 2017, Nr. 117, mit dem Titel „Kodex des dritten Sektors“. Dieses sieht für das Vereinswesen eine Reihe von Änderungen vor. In einem Rundschreiben informierte das Landesamt für Kabinettsangelegenheiten alle Vereine über erste Inhalte.
„Die Reform wurde erst kürzlich in Rom beschlossen und bringt den ehrenamtlichen Vereinen eine enorme zusätzliche Belastung“, poltert da schon die Süd-Tiroler Freiheit. Grund genug, um nachzufragen, was wirklich kommt.

Südtirol Online: Ab wann greift der "Kodex des dritten Sektors"?

Christoph Pichler vom Amt für Kabinettsangelegenheiten: Manche Teile sind am 3. August 2017 in Kraft getreten. Ein Teil tritt am 1.1.2018 in Kraft (etwa mit Steuervorteilen). Ein Teil wird in Kraft treten, wenn das einheitliche Verzeichnis operativ wird. Nach dem derzeitigen Stand dürfte das 2019 der Fall sein. Doch der technische Unterbau für das Onlineverzeichnis fehlt noch. Der Rest folgt im Jahr, nachdem das Verzeichnis steht. Das betrifft dann eine Reihe von Normen, die abgeschafft werden.

STOL: Bringt die Einführung des „einheitlichen Verzeichnisses für Körperschaften des dritten Sektors“ Vorteile oder Nachteile?

Pichler: Für manche Organisationen wird es sicher ein Vorteil sein, manche werden Anpassungen vornehmen, manche werden sagen, dass es schwierig ist.
Die Frage ist, wie es am Ende konkret umgesetzt werden wird und wie die noch fehlenden Durchführunsgverordnungen das Führen des Verzeichnisses selbst regeln.

STOL: Vieles steht also noch in den Sternen; was hat es dann jetzt mit dem Rundschreiben auf sich?

Pichler: Man hat eine erste allgemeine Information an die Organisationen geliefert. Wenn sich Konkretes ergibt, werden weitere Schreiben folgen, allerdings gezielt auf die einzelnen Gruppen ausgerichtet – sprich: In Südtirol gibt es ehrenamtliche Vereine und Organisationen, Vereinigungen zur Förderung des Gemeinwesens und Vereine und Stiftungen mit Rechtspersönlichkeit.

 STOL: Das heißt, momentan alles beim Alten?

Pichler: Die große Änderung kommt, wenn das einheitliche Verzeichnis steht, also hauptsächlich in den Folgejahren. Bis dahin behalten die derzeitigen Landesgesetze ihre Gültigkeit. Die Eintragung in das einheitliche Verzeichnis ist nicht obligatorisch. Und: Man hat mindestens bis Februar 2019 Zeit.
Südtirol hat zudem die Möglichkeit dieses Verzeichnis und auch dessen Kontrollen selbst zu regeln.

STOL: Was raten Sie den betroffenen Vereinen?

Pichler: Man sollte sich mit der Thematik befassen, sich anschauen, ob man bereits jetzt betroffen ist, sich überlegen, wie man sich in Zukunft ausrichten möchte. Man kann sich ans Amt wenden, oder bei einem Verband informieren, wie die Situation eingeschätzt wird.

STOL: Was ist der Hauptkern des neuen Kodex?

Pichler: Es sind insgesamt 104 Artikel. Der Großteil ist Steuerrecht. Dann sind da organisatorische Fragen und einige beschäftigen sich auch mit der Finanzierung von Organisationen.

STOL: Wie haben die Vereine bisher auf das Rundschreiben reagiert?

Pichler: Ich habe 15 Rückmeldungen erhalten. Manche haben ein Mail geschickt, andere angerufen. Vielleicht wird auch ein Dachverband konsultiert. Die Reaktionen sind durchaus unterschiedlich. Manche Organisationen denken sich, dass sie relativ wenig betroffen sind. Etwa die Mitteilungspflichten hat es bei ehrenamtlichen Vereinen schon gegeben. Was das einheitliche Verzeichnis betrifft, steht im Moment das Ausmaß an Mitteilungen noch nicht fest.  

STOL: Gekoppelt sind Mitteilungs- und Veröffentlichungspflicht, das Führen von vereinsinternen Büchern oder auch das Bestellen vor Kontrollorganen zumeist an die Höhe der Einkünfte der Organisation. Da steigen die Anforderungen je nach Einkünften von 100.000 Euro bis über eine Million Euro. Wie viele Vereine sind da betroffen?

Pichler: Laut Astat gibt es zwischen 4400 bis 4900 Vereine in Südtirol, von Kirchenchören, Musikkapellen, über kleine Sportvereine. Viele haben nicht Einkünfte in der unteren Größenordnung und auch Vereine mit Einkünften über 1 Millionen Euro sind in Südtirol nicht so häufig ...

STOL: Zurück zur Bürokratie - wird sie mehr werden?

Pichler: Es gibt eine gewisse Verunsicherung. Anpassungen wird es sicher geben. z.B. Satzungen anpassen auf Namenskürzel. Man muss diese Kürzel nämlich als Teil des Namens führen, es ist also ein Aufwand damit verbunden.

Interview: Petra Kerschbaumer

 

 

 

 

 

 

stol