Heute ist die 3-fache Mutter mit Leib und Seele Bäuerin und betätigt sich darüber hinaus als Apfelbotschafterin sowie Apfel-Sommelière. Was es damit auf sich hat, erläutert sie im Interview. <BR /><BR /><b>Frau Forcher Tappeiner, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung „Bäuerin des Jahres“?</b><BR />Maria Forcher Tappeiner: Es ist ein schönes Gefühl und ein Zeichen von Wertschätzung für die geleisteten Tätigkeiten. Rund 500 Bäuerinnen wohnten der feierlichen Veranstaltung am Sonntag in Bozen bei, dabei wurde auch meine Mama geehrt.<BR /><BR /><b>Welche Ehrung hat Ihre Mutter bekommen?</b><BR />Forcher Tappeiner: Es wurden ja auch 6 Witwen für besondere Leistungen gewürdigt. Meine Mutter Waltraud musste nach dem Tod unseres Vaters im Jahre 2012 schauen, wie sie mit 3 Kindern die viele Arbeit am Hof weiterhin bewerkstelligt. Mittlerweile hat mein Bruder Andreas den elterlichen Pinthof in Galsaun übernommen. <BR /><BR /><b>Sie hatten aber gar nicht vor, Bäuerin zu werden. Warum?</b><BR />Forcher Tappeiner: Ja, das hing damit zusammen, dass ich während der Erntezeit Geburtstag habe und deshalb die Zeit fehlte, ihn gebührend zu feiern. Deswegen sagte ich mir als Mädchen: Ich will nicht Bäuerin werden und erst recht keinen Bauern zum Mann haben.<BR /><BR /><b>Gekommen ist es allerdings anders ...</b><BR />Forcher Tappeiner: Ja, bereits mit 17 Jahren habe ich meinen Mann kennengelernt, einen Bauern. Ich selbst habe bis zur Geburt meines dritten Kindes im Jahr 2017 als Hotelsekretärin gearbeitet, danach mehrere Ausbildungen gemacht und natürlich auch meinen Mann Lorenz bei seinen Tätigkeiten am Hof unterstützt. Allerdings war mir wichtig, meine eigenen Träume zu verfolgen und auch ein eigenes Einkommen zu haben.<BR /><BR /><b>Haben Sie sich deshalb zur Apfelbotschafterin und Apfel-Sommelière ausbilden lassen?</b><BR />Forcher Tappeiner: Genau, damit habe ich mir ein eigenes Standbein aufbauen können. So werde ich von den Genossenschaften VIP und VOG für Verkostungen gebucht, war Anfang Februar auf der Messe „Fruit Logistica“ in Berlin und danach in Rom, mache bei uns daheim Führungen für Gäste und bin in Schulklassen als Apfelbotschafterin unterwegs. <BR /><BR /><b>Was erzählt eine Apfelbotschafterin den Schülern?</b><BR />Forcher Tappeiner: Es geht darum, den Schülern in kindgerechter Sprache die wichtigsten Aspekte zum Thema Apfel schmackhaft zu machen: Anbau, Arbeitsschritte, Geschichte, Pflanzenschutz, Sortenvielfalt. Am Ende der Unterrichtseinheit werden 6 Apfelsorten verkostet und daraufhin der Lieblingsapfel der Schulklasse gekürt. Das kommt richtig gut an, ich finde derartige schulische Veranstaltungen übrigens sehr wichtig, um die Kinder über die bäuerlichen Tätigkeiten aufzuklären.<BR /><BR /><b>Womit hingegen befasst sich eine Apfel-Sommelière?</b><BR />Forcher Tappeiner: Im Lehrgang, der vom Südtiroler Apfelkonsortium zusammen mit dem Südtiroler Bauernbund durchgeführt wurde, haben wir eine Vielzahl an Aspekten zum Thema Apfel beleuchtet – etwa Inhaltsstoffe, Herkunftsangaben oder Sortenlehre. Ein Schwerpunkt galt der Sensorik. Dabei fällt einem schnell auf, dass ein Apfel weit mehr zu bieten hat als bloß süß oder säuerlich. <BR /><BR /><b>Nämlich?</b><BR />Forcher Tappeiner: Das breite Aromaspektrum reicht von blumigen und fruchtigen bis hin zu würzigen und grünen Geschmacksnoten. So entfaltet etwa ein Ambrosia Geschmacksnoten von Rose und Honig, während für einen Envy eine tropisch-fruchtige Aromatik typisch ist. <BR /><BR /><b>Wow! Tatsächlich?</b><BR />Forcher Tappeiner: Ja, auch meine Gäste staunen bei derartigen Erläuterungen. Es gibt aber noch eine Reihe von Besonderheiten rund um den Apfel, wobei ich bei den Verkostungen darauf achte, dass alle 5 Sinne zur Anwendung kommen. Erst dann wissen viele den Wert des kostbaren Lebensmittels Apfel zu schätzen. <BR /><BR /><b>Wie schwer ist es für Sie, die verschiedenen Tätigkeiten am Hof mitsamt Familienleben unter einen Hut zu bekommen?</b><BR />Forcher Tappeiner: Es ist schon sehr umfangreich und natürlich nicht immer einfach. Mein Mann produziert zusammen mit einem Önologen auch Wein, wir sind auch viel auf Märkten präsent. Aber es ist richtig toll, wenn man seine eigenen Interessen verfolgen kann. Deshalb möchte ich alle Bäuerinnen ermutigen, an ihre Träume zu glauben und sie in die Tat umzusetzen.<BR /><BR />Interview: Alex Zingerle<BR />