Seit sieben Jahren schläft er hier – seit dem Tag, an dem er nach 25 Jahren Gefängnis entlassen wurde.<BR /><BR />„Ich lebe zwischen Wracks in einem Parkplatz. Nach 25 Jahren im Gefängnis ist das hier mein Zuhause: Ich esse von den Trinkgeldern der Touristen und habe sogar einen Arzt“, sagt er, ohne jede Bitterkeit der Tageszeitung „Corriere della Sera“. Seinen Namen nennt er nicht. Aber über seine Geschichte spricht er offen – über die Kindheit in Kalabrien, das Verbrechen, das ihn hinter Gitter brachte, über die Verlegung nach Bergamo, um näher bei den Angehörigen zu sein. Und schließlich über den Tag, an dem sich die Gefängnistür hinter ihm schloss – und er keine Wohnung, keine Arbeit, kein Netzwerk hatte.<BR /><BR />„Wohin hätte ich gehen sollen? In den Schlafsaal mit den Afrikanern? Nein, hier ist es besser“, sagt er und zeigt fast stolz auf sein kleines Reich zwischen den Autos. Plastikstühle, Kleidung, ein paar Taschen mit Lebensmitteln – ein Ort, der mit einfachen Mitteln zu einem Zuhause geworden ist. In den wärmeren Monaten schläft er in seinem Auto, im Winter sucht er Zuflucht im Flughafengebäude. „Ich gehe hinein, bleibe dort bis sechs Uhr morgens, bis die ersten Reisenden kommen.“<BR /><BR />Der Parkplatz ist groß – 1.500 Stellplätze auf 150.000 Quadratmetern zwischen der Schnellstraße nach Orio und der Autobahn. 32 verlassene Fahrzeuge zählt er hier. Er kennt sie alle. „Ich bin so etwas wie der Aufpasser“, sagt er. Touristen geben ihm kleine Trinkgelder, wenn er auf ihre Autos schaut. Und er nimmt seine Aufgabe ernst: „Einige kommen her, um in die Autos der Touristen einzubrechen. Sie umgehen die Kameras am Eingang. Aber ich habe eine Eisenstange – ich vertreibe sie und rufe mit meinem Handy die Polizei.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1219077_image" /></div> <BR /><BR />Was zunächst wie ein Überlebenskampf klingt, hat für ihn längst Struktur angenommen. Ein Leben ohne Komfort, aber auch ohne Gejammer. „Ich bin sauber. Ich habe Wasser, ich wasche mich und meine Kleidung.“ Die Routine gibt ihm Halt, die kleinen Aufgaben des Alltags ein Gefühl von Sinn.<BR /><BR />Auch bei der medizinischen Versorgung ist er nicht ganz auf sich allein gestellt. Ein Arzt in der Nähe des Bahnhofs versorgt ihn mit den nötigen Medikamenten. „Ich habe aufgrund von Diabetes einen Finger verloren“, erzählt er, „jetzt habe ich eine 70-prozentige Invalidität anerkannt bekommen – das sind ein paar Euro, die ich gut brauchen kann.“<BR /><BR />Trotz seines Schicksals wirkt er gefestigt. Er sagt: „Ich respektiere die Menschen – und sie respektieren mich.“ Und er ist nicht allein. Jeden Abend gegen halb neun fährt ein Bus vom Bahnhof zum Parkplatz – voll mit Menschen, die ebenfalls hier übernachten. Ein Schattenleben, das sich in den Randzonen der Stadt eingerichtet hat.<BR /><BR />Und die Familie? Auf diese Frage verzieht er nur das Gesicht. „Lass das lieber“, sagt er leise – und das Gespräch endet.